ACT OF DEFIANCE - Old Scars, New Wounds

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VÖ: 29.09.2017
Bandinfo: ACT OF DEFIANCE
Genre: Modern Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Wenn sich Chris Broderick und Shawn Drover (beide Ex-MEGADETH) mit Matthew Bachand (SHADOWS FALL) zusammentun, dann darf man durchaus eine gewisse Erwartungshaltung an den Tag legen. Und Erwartungen sind eine üble Sache, vor allem dann, wenn sie nicht erfüllt werden. In Bezug auf ACT OF DEFIANCE sagt die Erwartungshaltung: Broderick und Drover werden uns eine gehörige Prise MEGADETH kredenzen, während sie Bachand um moderne und corige Passagen ergänzt. Und hey, das bekommen wir auf "Old Scars, New Wounds" tatsächlich geliefert. Nur leider nicht durchgängig.
 
ACT OF DEFIANCE als Supergroup zu bezeichnen ist nicht allzuweit hergeholt, bei dem Line Up. Bislang konnte aber keine dieser Bands die Erwartungshaltung erfüllen, die an sie gestellt wurde. Mit ACT OF DEFIANCE ist es sich da nicht anders. Einzig Henry Derek Bonner dürfte den Metalfans ein noch unbekannter sein und ist gleichzeitig die positive Überraschung. Seine Gesangsleistung ist fantastisch, vor allem in den klar gesungenen Passagen. Die Ideengeber des restlichen Line Ups zitiert er dann und wann auf äußerst lässige Art und Weise, ohne ins Plagiat abzudriften. Drover, Broderick und Bachand liefern rein technisch auch eine absolut beeindruckende Werksschau ab. Broderick rifft und soliert auf ebendem Niveau, welches zu erwarten war. Drover wiederrum bricht hörbar aus dem MEGADETHschen Korsett aus und drischt sich mit erhöhtem Speed und gesteigerter Aggressivität an die Front. Und wenn songwriterisch alle Komponenten ineinander übergehen, wie im absolut fantastischen "Broken Dialect", dann erreichen ACT OF DEFIANCE diese Sphären, die man sich von Supergroups erhofft. Auch der drastische Thrasher "Molten Core" begeistert mit seiner Kompromisslosigkeit, während "The Talisman" auf MEGADETH Groove setzt, die modernen Parts etwas zurückfährt und man Bonner die Bühne überlässt. Sehr genial! "Conspiracy Of The Gods" atmet dann eher den Spirit von SHADOWS FALL, die melodisch-thrashigen Elemente schimmern nur im Ansatz durch. Genau so stellt man sich das vor!
 
Neben oben genannten Volltreffern finden sich allerdings auch mindestens ebenso viele generisch uninspirierte Füller auf dem Album. "Overexposure" ist der melodische Ausbrecher der Scheibe, mit modernem, poppig eingängigen Chorus. Und während er alles andere als ein schlechter Song ist, so klingt er doch wie viele ähnliche Genrevertreter, seien es WOVENWAR oder FIVE FINGER DEATH PUNCH. Nimmt man dem Ganzen dann noch die melodische Eingängigkeit, so bleiben Stücke wie "Circle Of Ashes" oder "Reborn" über, welche ebenso ganz viel Potential auf der Strecke lassen. Und hier liegt die Crux des Albums: "Old Scars, New Wounds" ist dann am besten, wenn die prominenten Akteure gezielt mit der Erwartungshaltung ihres Zielpublikums spielen. Dazwischen findet sich aber auch eine gute Portion an Stücken, welche gemessen an der Qualität des Rests und der Erwartungshaltung zu sehr abfallen.
 

Fazit: ACT OF DEFIANCE scheitern nicht, aber erreichen auch nicht die Sphären, auf die man gehofft haben dürfte. Technisch durchwegs überragend, brilliert man songwriterisch nur bedingt. Neben einigen Delikatessen schleicht sich daneben einfach zu viel Fast Food ein.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (04.10.2017)

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