UNLEASH THE ARCHERS - Apex

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VÖ: 02.06.2017
Bandinfo: UNLEASH THE ARCHERS
Genre: Melodic Death Metal
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste

Der Werdegang von Death zu Power Metal bei UNLEASH THE ARCHERS dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die Frage ist eigentlich nur, wie weit die Kanadier auf den neuen Releases vom Sound ihres Debüts entfernt sind. "Apex", so der Name des neuen Studiowerks, schlägt definitiv den Weg des Vorgängers ein und hat mit Melodic Death so rein gar nichts mehr zu tun. Auch vereinzelte Screams und Growls wecken keinesfalls eine solche Assoziation. Viel mehr orientierent sich der Fünfer an neuen HELLOWEEN und den aufgelösten 3 INCHES OF BLOOD. Aber wen kümmert's eigentlich, wonach die Scheibe klingt, wenn das Songmaterial so durchweg gut ist wie hier?
 
Natürlich, der geneigte Hörer muss immer Parallelen ziehen, so läuft das nunmal heutzutage. Also nehmen wir mal den Opener "Awakening" als Beispiel, erhaschen die stolzen sieben Minuten Spielzeit, hören die ersten (fantastischen) Riffs und Doppel-Leads, lassen uns von der Hook packen und schielen mit einem Auge parallel auf das HELLOWEEN Album "Straight Out Of Hell" und siehe da: Hier fanden wir mit "Nabatea" einen ganz ähnlich gelagerten Opener. Macht aber nix, denn modernen HELLOWEEN mit dem fantastischen Gitarrenduo Gerstner/Weikath das Wasser reichen zu können, ist hohe Kunst! Für Truesdell und Saunders scheint dies allerdings gar kein Problem zu sein, denn die beiden harmonieren auf demselben schwindelerregenden technischen Level. Noch deutlicher sind die Ähnlichkeiten beim späteren "The Coward's Way" zu hören, welcher auf "My God Given Right" oder auch auf "7 Sinners" ein perfektes Plätzchen gefunden hätte.
 
Das sagt nun nichts über die Songqualität an sich aus, aber da darf man nur anerkennend mit den Ohren schlackern, denn UNLEASH THE ARCHERS hauen einen Hit nach dem anderen raus. Nach dem fesselnden Opener folgt mit dem Doppelschlag "Shadow Guide" und "The Matriarch" ein Fest für Freunde klassischen Metals mit leichter PRIEST-Note. "Cleanse The Bloodlines" nimmt das Tempo ein bisschen raus, überrollt den Hörer aber mit donnernden Triolenbeats und einer sehr epischen Hookline, die ausnahmsweise mal nix mit MANOWAR zu tun hat. "Ten Thousand Against One" läutet die zweite Albumhälfte ein, welche die Hitdichte aufrecht erhält, aber noch melodischer und flinker tönt. Alles wird abgerundet durch den sagenhaften Titeltrack, der musikalisch noch einmal alle Facetten aufgreift und schlüssig zusammenführt. So wird´s gemacht.
 
Ein Stück wurde übersprungen, nämlich "False Walls", und das hat seinen Grund. Der mit seinen acht Minuten dritte Longtrack des Albums ist gleichsam der ruhigste. Von einer Ballade zu sprechen wäre wohl zu viel, aber gerade im Vergleich mit dem zackigen Rest des Albums wirkt dieser Midtempo-Song geradezu zahm. Würde an sich ja auch nicht schlimm sein, doch leider erreicht der Song nicht ansatzweise die Qualität der restlichen Stücke. Gerade zum Ende hin verliert sich der Song in zahlreichen Wiederholungen und fühlt sich künstlich gestreckt an. Hier wäre der Rotstift angebracht gewesen. Dies ist allerdings der einzige Kritikpunkt für ein ansonsten mehr als gelungenes Album, welches der Band hoffentlich den endgültigen Durchbruch bescheren wird.
 

Fazit: Mehr HELLOWEEN, gar kein Death Metal mehr. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger hat man dafür noch mehr Hits geschaffen, welche "Apex" zum bislang homogensten UNLEASH THE ARCHERS Album machen. Macht süchtig!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (05.06.2017)

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