SEVEN KINGDOMS - Decennium

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VÖ: 05.05.2017
Bandinfo: SEVEN KINGDOMS
Genre: Power Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

SEVEN KINGDOMS gibt es seit 2007, gegründet in Deland im malerischen Florida. Mittlerweile residiert man in Orlando, ebendort. Wie man unter der brechenden Hitze Floridas auf die Idee kommt, Einhörner zu züchten und die dazu passende Musik zu machen, ist mir nicht klar. Aber der Vierer mit Steuerfrau macht genau das. Power Metal ziemlich europäischer Prägung in der Grätsche von STRATOVARIUS, HELLOWEEN und SONATA ARCTICA. Möglicherweise erheischt man alte RHAPSODY dort und da.

Zum zehnjährigen Jubiläum gönnt man sich nun eine erneute Behandlung von Jim Morris im legendären Morrissound Studio, das Resultat heißt "Decennium" und wurde zuallererst via Kickstarter finanziert und 2016 als schicke LP veröffentlicht. Mittlerweile hat das Eisenerzer Label Napalm Records zugeschlagen und neben dem neuen Dreher auch den gesamten Backkatalog neu veröffentlicht. 

Warum eigentlich? So selten ist Power Metal in Europa nicht wirklich und SEVEN KINGDOMS erfinden nicht einen Funken des Genres neu. Oder machen etwas anders. Die Gitarrenharmonien sind sehr Kürbislastig, die Riffs sehr finnisch, respektive härter als italienisch und der Gesang von Sabrina Valentine ist bestenfalls durchschnittlich. Kurioserweise schafft es die Dame ganz oben in den Höhen recht stark und griffig zu klingen, aber in der Strophe ist sie sehr oft sehr kraftlos. 

Die Jungs sind alle veritable Musiker, da hat alles Hand und Fuß, die Soli flirren an einem vorbei, Keith Byrd nagelt wie eine Nähmaschine und der Bass pumpt die Songs schneidig nach vorne. Die können das, zweifelsohne.

Und da wären wir beim Problem. Nicht dass ihr das nicht eh schon erahnt hättet. Aber die Songs haben wir schon tausendmal gehört. Auch das wäre noch zu verkraften, wenn nicht die Melodien in den Refrains dermaßen ausgelutscht wären. Zeitweise kommt es mir vor, als wären hier zwei Entitäten am Werk. Das musikalische Fundament und als Widersacher der melodische Aufbau. Instrumental kommt man immer wieder ein wenig ins Staunen, aber sobald Madame zu singen beginnt, vergeht die Freude recht zügig. Das tut schon in der ersten Hälfte des Albums weh, dann aber lässt das Album generell noch einmal nach. Hier fehlt es an Druck, an Vehemenz. Das klingt wie eine uralte Mixkassette auf der "Powermetal No 3" draufsteht. Hört man sich ab und zu an, aber nie lange, weil es einfach wirklich an den Nerven zerrt.

Sabrina Valentine wurde 2011 zum "Best Metal Vocalist" bei den Orlando Metal Awards ausgezeichnet. Ich gehe davon aus, dass diese Awards ähnlich wertig sind, wie eine "Romy" für den besten Nebendarsteller in einer Zeichentrickhaustierdoku. Sie mag eine nette Frau sein, nett zu Kindern und fürsorglich zu Tieren, gut in ihrem Brotberuf, aber gesanglich haut das echt nicht hin. Sie wirkt in den Strophen immer und immer wieder einfach überfordert und wenn man sich dann auch noch den Refrain von "The Tale Of Deathface Ginny" anhört, ist generell konsterniertes Schweigen angesagt. Ist das bei Napalm niemandem aufgefallen und warum nehmen die Obersteirer überhaupt eine bestenfalls durchschnittliche Power Metal-Band aus den Staaten unter Vertrag? Gibt es nicht auf unserem Kontinent genügend Power Metal-Bands? Und davon viele, die das deutlich besser machen.

SEVEN KINGDOMS mögen potente Musiker sein, die Songs sind aber im Idealfall beliebig und werden durch die höchstens durchschnittliche Stimme auch nicht weiter aufgewertet. Mit Verlaub, hier gibt es dutzende wertigere Bands...

 



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (01.05.2017)

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