GONE IS GONE - Echolocation

Artikel-Bild
VÖ: 06.01.2017
Bandinfo: GONE IS GONE
Genre: Progressive Rock
Label: Rise Records
Hören & Kaufen: Amazon | Webshop
Lineup  |  Trackliste

 “GONE IS GONE sind vier US-Amerikaner, die progressive Rockmusik machen. Sie haben 2016 bereits eine viel gelobte EP veröffentlicht und Anfang 2017 ihr erstes Album.“ – man könnte zumindest versuchen, es so neutral zu sehen. Berücksichtigte man aber den im Raum stehenden rosa Elefanten mit Lichterkette, so würde man ergänzen, dass es sich um Troy Sanders (MASTODON), Troy Van Leeuwen (QOTSA), Tony Hajjar (AT THE DRIVE IN) und Multiinstrumentalist und Komponist Mike Zarin handelt – nur um sich als Konsequenz in den beengten Verhältnissen der Supergroup-Schublade wiederzufinden. Irgendwas is’ ja immer. Bei GONE IS GONE kann man die Klaustrophobie schnell vergessen. Natürlich verstellt Troy Sanders seine Stimme nicht. Die Software in den Köpfen und die Skills auf der Hardware befinden sich weiterhin im selben Universum. Also klingt es wohl zwangsläufig nach irgendetwas Bekanntem. Das ist aber auch dem allzu menschlichen Bedürfnis geschuldet, in allem nach bekannten Mustern zu suchen und diese auch zu finden.

Mit „Echolocation“ treten Double-Troy, Tony und Mike zaghaft aus dem Schatten, ein bloßes Seitenprojekt zu sein. GONE IS GONE fühlen sich hier weitaus eigenständiger an als auf der trotzdem hörenswerten Debut-EP. „Echolocation“ beeindruckt mit einem gelungenen Balanceakt zwischen zerbrechlichen wie eindringlichen Stimmungen – doch nicht alle Momente sind dafür geschaffen, die Gegenwart zu überdauern. „Dublin“ allerdings ist einer der Kandidaten für die Ewigkeit. Elegisch, mit schwer schreitendem Rhythmus würde sich „Dublin“ ebenso gut als Intro einer fatalistischen Serie wie auch auf dem von Kajaltränen getränkten Dancefloor einer Alternative-Disco der frühen 90er zuhause fühlen. Die ein wenig an NINE INCH NAILS erinnernden, wohlig-unbehaglichen Harmonien haben einen starken Wiedererkennungswert und verlieren auch bei Dauerkonsum nichts von ihrer Faszination.

Der Titelsong „Echolocation“ birgt vielleicht noch größeres Potential. Die subtil orientalische Skala und der druckvolle Gesang schrauben sich mit Dreck und Krach in die Seele. Während es „Resurge“, „Sentient“ und „Colourfade“ an Unterscheidungsmerkmalen fehlt, verleihen GONE IS GONE den ebenso ruhigen Tracks „Resolve“ und „Roads“ mit Herzschlagrhythmus und elektronischen Layern viel atmosphärische Tiefe und Charakter. „Slow Awakening“ überrascht mit äußerst interessanten perkussiven Ideen, die den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN alle Ehre machen und mit "Roads" hat es ein würdiges und emotional aufwühlendes Cover des geichnamigen PORTISHEAD Songs auf das Album geschafft.

Obwohl „Echolocation“ so Verschiedenes in sich trägt, scheint es einen ungreifbaren Kontext zu geben, der die Bestandteile im gemeinsamen Licht erscheinen lässt. Vielleicht ist es dieses cineastische, träumerische Element in den Songs, die man sich deshalb mühelos als Teil eines Filmes vorstellen kann. Vielleicht beruhen diese Assoziationen aber auch allein darauf, mit Mike Zarin einen Soundtrack-Spezialisten in der Mannschaft zu wissen. Vielleicht ist alles ganz anders und GONE IS GONE suchen per „Echolocation“ nach sich selbst.

Eins aber bleibt: die Musik. Sie hinterlässt einen rostigen Geschmack und ist verletzlich, gloomy und intensiv. Daraus können noch sehr interessante Geschichten wachsen.

Drei große Momente:

"Dublin"

"Echolocation"

"Roads" (Portishead Cover)



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daria Paul (13.02.2017)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Enslaved - Utgard
ANZEIGE