BORIS THE BLADE - Warpath

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VÖ: 27.01.2017
Bandinfo: BORIS THE BLADE
Genre: Deathcore
Label: Siege of Amida Records
Lineup  |  Trackliste

Wenn ich jetzt einfach mal wahrlos den Namen BORIS THE BLADE in den Raum werfe, wem geht dann ein Lichtlein auf? (Moderne) Core-Bands bedienen sich ja gerne mal an Filmzitaten und -titeln, aber auf die britische, eigentlich ganz unterhaltsame Gangsterkomödie von DEM einzig wahren Guy Ritchie, "Snatch - Schweine und Diamanten", ist meines Wissens nach bislang noch kaum einer oder vielleicht sogar überhaupt niemand eingegangen. Und das, obwohl es in dem Streifen ein um's andere Mal gerne auch auf die Mütze gibt. Gut, so sind eben diese Australier, die sich nach der von Rade Šerbedžija gespielten Figur benannt haben, eben die ersten dieser Zunft - das stelle ich jetzt einfach mal frech als Fakt dar. Und mit der auf deren neuen Album "Warpath" vorherrschenden, brachialen Deathcore-Mischung sowie einem Sänger, dessen Vocals man als stimmliches Äquivalent zu Jason Stathams zumeist brutaler Schauspielkunst sehen kann, ist die Formation aus Melbourne dem treffenden Soundtrack für illegale Boxkämpfe (natürlich im positiven Sinne) auch gar nicht so weit entlegen.

Will heißen: Genauso wie bei vielen anderen Deathcore-Vertretern straight outta Down Under, also beispielsweise THY ART IS MURDER, AVERSIONS CROWN (vom aktuellen "Xenocide" mal abgesehen; Erklärung folgt unten) oder eben auch SIGNAL THE FIRING SQUAD und A NIGHT IN TEXAS, kann man hier durchaus beherzt zugreifen. Keine lahmarschigen Breakdown-Endlosketten, keine allzu klinische Produktion und vor allem keine Kompromisse. Der "Warpath" wird hier buchstäblich beschritten und das völlig ausreichende 35 Minuten lang - mit technischer Expertise und extrem viel Power unter'm Kessel. Von den ersten Tönen des Titeltracks bis hin zum angeschwärzten, melodischen Finale von "Solace".

Offenbar ohne jegliche Umstände und entgegen üblicher Genre-Klischees schaffen es die Aussies auf ihrem eigenen Kriegspfad, eine Fülle an einprägsamen Momenten darzureichen, die man, wie die atmosphärischen Elektrofragmente in "Nihilist" beispielsweise, im ersten Moment vielleicht nicht unbedingt erwarten würde. Stets im Gleichgewicht mit dem instrumentalen und musikalischen Verständnisses des Gitarrenduos Lording / Eyde, sorgt das dafür, dass BORIS THE BLADE einen gewissen Wiedererkennungswert haben, der im Deathcore selbstverständlich Gold wert ist. Einen erheblichen Anteil daran hat aber auch der bullige Fronter Daniel Sharp, der nicht nur in den Songs ohne Featuregäste wie ein Vulkan wütet und dabei ausgesprochen positiv auffällt, sondern auch die teilnehmenden CJ McMahon ("Misery"), Scott Lewis ("Omens") und Tim Goergen ("Elixir") trotz jeweils vielversprechender Assists eiskalt auf die Zuschauertribüne verweist. Der Herr im Haus ist eindeutig er. Period.

Um zum Abschluss nochmal zu der Randbemerkung bzgl. AVERSIONS CROWN und ihrem neuen "Xenocide" zurückzukommen: In den zwei wichtigsten Disziplinen sind BORIS THE BLADE auf "Warpath" nicht nur mit einer Nasenspitze voraus, sondern gleich mit mehreren. Einerseits schaffen sie es nämlich, trotz eines gewissen technischen Niveaus, markante Songs zu schreiben, und andererseits wissen sie bereits nach 35 Minuten, also stolze 17 Minuten früher als AVERSIONS CROWN, wann Feierabend ist und man einfach mal den lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Klarstellung: Das soll nicht als Abgesang auf "Xenocide" interpretiert werden, aber im direkten Vergleich zweier so kurz aufeinanderfolgender Deathcore-Alben ist "Warpath" einfach ein gutes Stückchen besser, weil kompakter, eingängiger und ungezwungener.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (31.01.2017)

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