ONE OK ROCK - Ambitions

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VÖ: 13.01.2017
Bandinfo: ONE OK ROCK
Genre: Alternative Rock
Label: Atlantic Records
Lineup  |  Trackliste

Hätten sich ONE OK ROCK im Jahre 2012 nicht über den Soundtrack der Realverfilmung zum Anime „Rurouni Kenshin“ hergemacht, ich muss gestehen, sie wären an mir vorbeigegangen. So allerdings haben sie durch besagte Filmmusik einen ordentlichen Nerv getroffen. ONE OK ROCK sind Japaner, doch haben sie wenig mit dem zu tun, was das Klischee über die japanische Musikwelt so dirigiert. Weder sind sie eine der in der einschlägigen Jugendszene so beliebten Visual Kei-Bands, die sich mit bunter, fantasievoller Klamotte und sehr androgynem Aussehen einen Namen machen, noch passen sie in die J-Rock-Riege zwischen L´ARC EN CIEL und LUNA SEA. ONE OK ROCK haben sich soundtechnisch schon längst an den amerikanisch-vorgegriffenen Alternative Rock (jaja, ich weiß, moderne Leute nennen es nun Pop Punk) angebiedert und schwimmen in deren Soundrichtung mit, obwohl sie es immer noch schaffen, sich weitgehend – wenn auch nicht mehr so deutlich wie früher – vom großen Einheitsbrei abzuheben und ein wenig ihre japanischen Wurzeln zu wahren. Da fehlen die teils etwas schrägen, punkig angehauchten Töne, die manchmal etwas nervigen Stimmen und überhaupt verfügen ONE OK ROCK über ein Händchen, mit viel Melodie und Gefühl zu arbeiten und dadurch Spannung und gleichzeitig sangbare Ohrwürmer zu erzeugen. Soll heißen, der Sound ist keineswegs halbfertig, klingt voll und bis ins letzte Spektrum ausgefüllt. Die Songs der Japaner klingen in sich rund und für das Genre fast ein wenig glattgebügelt, wenn sich die Truppe auch gern in Ausreißern versucht. Lediglich ein wenig vermissen möchte man die nur noch eher sporadisch auftretende Härte, die ONE OK ROCK früher in breiterer Weise mitgebracht haben. Doch man kann nicht alles haben, findet meinereiner. 

ONE OK ROCK haben ihr Album „Ambitions“ am Start und lassen den Titel durchaus zum Programm werden. Mit insgesamt vierzehn Songs auf der Scheibe kreieren sie eine Mischung aus gefühlvoll-kraftvollen Songs, die sich den Platz mit einigen schnellen Ohrwurm-Spaßnummern teilen. So geht es nach einem Intro mit „Bombs away“ in eine, für die Band typisch rockig-harte Nummer mit genügend Melodieanteil, um diesen direkt mit dem Prädikat: „Beißt sich fest, kriegt man nicht mehr los“ zu brandmarken. Wäre da nicht „Taking off“, eine starke Nummer, die gleich noch einen draufsetzt. Da wäre die starke Halbballade „We are“, bei welcher Sänger Taka mit seiner klaren, fast schon samtigen Stimme glänzen kann (die gleichsam auch ordentlich Kraft hat, ohne dabei kratzig oder barsch zu werden). In diese Temporichtung ordnet sich auch „Listen“ ein, das mit einiger aufgebauter Spannung arbeitet. Da wäre die schwungvolle Nummer „Jaded“, bei welcher sich die Japaner den Fronter von ALL TIME LOW mit ans Mikro holen. Auf kuschelige, verträumte Wege geht es dann mit „Hard to love“, direkt gefolgt vom poppig angehauchten Happy-Laune-Stück „Bedroom Warfare“. Ebenso funktioniert auch „One Way Ticket“, das ruhig und chart-lastig daherkommt und keinerlei Spitzen generiert. „American Girls“ schiebt sich dann fast schon belanglos punkig angehaucht in die Reihe einer Vielzahl anderer Sunshine-State-Strand-Hymnen, die wohl jede Band im einschlägigen Genre gern unters Volk streut. Gut, dass es da „I was king“ gibt, das sich wieder in Richtung Ohrwurm-Trällerei bewegt, obwohl das große „Wow“ hier auch noch fehlt. Kraftvoller und mitreißender wird es dann wieder bei „Bon Voyage“, das aus der sehr eingängigen musikalischen Richtung der Band keineswegs ausbricht. Dass „Start again“ als vorletzter Track steht, ist vom Titel her vielleicht verwunderlich, nicht aber von der schwungvollen Gangart, die gegen Ende hin wieder aufgezogen wird, bis es beim finalen Track „Take what you want“ mit den Australiern von 5 SECONDS TO SUMMER erneut eine Zusammenarbeit gibt und man hierbei zu einem gemütlicheren Abschluss kommt, als man erwarten möchte.
 
ONE OK ROCK bringen mit „Ambitions“ eine Menge starker Songs unters Volk. Ein kleiner Durchhänger in der Mitte des Albums durch zwei, drei Songs, die höchstens im Schatten der anderen Tracks kriechen können, seien der Truppe schon allein ob deren quantitativ hohen Anzahl an Tracks verziehen. Abgesehen davon hat der ein oder andere Ausruh-Song noch nie geschadet. Songs wie „Bombs away“, "We are"„Taking off“ oder „Bon Voyage“ sind dann doch Aushängeschilder auf dem Album, die den Sound sehr gut definieren. Auf „Ambitions“ haben sie wieder einmal gezeigt, dass es durchaus möglich ist, individuell in einem Genre zu klingen, das manchmal etwas weniger Charts gut vertragen könnte, um sich weiterzuentwickeln. Schlussendlich bringen ONE OK ROCK einen vollkommen klischeefreien, mitreißenden Sound mit viel Power und angenehmer Melodie-Lastigkeit mit, die Spannung erzeugt und auf Gefühl nicht verzichtet. Solides Album für Stunden, in denen man Schwung gebrauchen kann. Na dann, Banzai!!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (14.01.2017)

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