TESSERACT - Polaris/Errai Tour Edition 2-Disc

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VÖ: 16.09.2016
Bandinfo: Tesseract
Genre: Progressive Metal
Label: KScope
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Lineup  |  Trackliste

Klangweltdesigner TESSERACT lassen die Bandtradition des Recycelns wiederaufleben. Zunächst gibt es die EP „Errai“ zu feiern, welche vier neu produzierte Tracks des 2015er Albums „Polaris“ beinhaltet. Soundtüftler Aidan O’Brien, hat über die Songs “Survival”, “Cages”, “Tourniquet” und “Seven Names“ mit gestrengem Gesichtsausdruck nachgedacht, komplizierte Berechnungen auf Servietten gekritzelt und lange, lange durch ein güldenes Teleskop auf Errai, einen weitgereisten Klumpen der Spektralklasse K1 IV aus dem Sternbild Cepheus, geblickt. Der Morgen graute wahrscheinlich, als O’Brien endlich in den Hof hinauslief, das Machwerk „Errai“ in die Luft warf wie eine Frisbeescheibe und die scheppernde Rückkehr zur Erde bejubelte: „TESSERACT iacta est!“ (Anm. d. Aut.: bloße Vermutung). [Anm. d. Lekt.: Könnte sich tatsächlich so zugetragen haben.]

„Errai“ erscheint als Vinyl sowie als Doppel-CD im Package mit der Tour-Edition des letzten Studioalbums. Es gibt also zweimal Material aus „Polaris“: einmal als Neuarrangement und einmal als das Gleiche mit neuer Verpackung -  nuancenreiche Soundstrukturen und atmosphärische Flächen, durchwoben von herausragend gutem Klargesang. Der Verursacher dieses Gesanges beschreibt die Herangehensweise beim Umoperieren der vier Songs als gegensätzlich zum normalen Songwriting-Prozess. Steht bei TESSERACT normalerweise zuerst die Instrumentalversion, so hat Aidan O’Brien diesmal den musikalischen Pinsel um die bereits vorhandenen Vocals geschwungen und so eigene Ideen darauf projiziert.

Ein neuer Rahmen kann zu einer völlig neuen Wahrnehmung des Umrahmten führen. Ganz so revolutionär ist die Transformation hier jedoch nicht ausgefallen. Lediglich bei „Seven Names“ können durch interessante Instrumentierung Spuren der im Original vorhandenen Emotionen überleben. Der Rahmen wirkt hier oft blass und fern, das gewohnt symbiotische Zusammenspiel zwischen Lyrics, Gesang und Instrumenten - sowie jeglicher Hauch von Metal - geht irgendwo in den unendlichen Weiten des Ambient verloren. Keiner der Songs auf „Polaris“ hat danach gerufen - das Album war und ist bereits perfekt. „Errai“ ist somit, von diesem subjektiven Standpunkt aus gesehen, nicht viel mehr als eine beim Dämmerschlaf nicht störende Bonus-Chillout-Scheibe.

TESSERACT haben bis zu ihrem dritten Studioalbum eine steil aufwärts strebende Entwicklungskurve beschritten und mit „Polaris“ einen, zurecht, hochgelobten Meilenstein vorgelegt. Wem das bisher entgangen ist, der kann sich auch mit der jetzt erschienenen Zweifach-Veröffentlichung davon überzeugen. Die grundüberholten Songs auf „Errai“ tragen zwar nicht wesentlich zur Schaffung von Aha-Erlebnissen bei, tun aber auch niemandem weh.

                                       



Ohne Bewertung
Autor: Daria Paul (02.10.2016)

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