LEAVES' EYES - Fires In The North

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VÖ: 07.10.2016
Bandinfo: LEAVES' EYES
Genre: Symphonic Metal
Label: AFM Records
Lineup  |  Trackliste

Dinge, über die ich nie gedacht hätte, dass sie jemals passieren würden - Teil eins: LEAVES' EYES ohne Liv Kristine. Es ist tatsächlich passiert und zog eine immense Schlammlawine mit sich, in der man auch heute noch nicht so wirklich durchblickt, wenn man ehrlich ist. Obgleich ich mich auf keine der beiden Seiten schlagen und auch nicht unbedingt en détail gehen möchte (mir aber fast nichts anderes übrig bleibt), was dieses ganze Kasperletheater betrifft, muss ich an dieser Stelle trotzdem loswerden, wie unfassbar peinlich und unsouverän sich gerade Herr Alexander Krull in den ersten Tagen nach dem überraschend schnellen Sängerinnenwechsel verhalten hat - mitsamt den preisgegebenen Dokumenten, die de facto überhaupt nichts bewiesen haben. Sowas gehört sich nicht. Dass es da im Hintergrund mächtig brodelt, ist einerseits logisch, andererseits aber auch kein geeignetes Thema für die Öffentlichkeit und wer so etwas dann tatsächlich auch noch mit eben jener "teilt", braucht sich dann auch nicht über dementsprechende Resonanz und Thematisierung in Rezensionen und anderen Artikeln zu wundern. Zumal diese ganze Schmierenkomödie - mehr oder minder wertungsfrei gesagt - weiterhin ein wenig den Anschein macht, als würde man hier seine "alternde" Liebe (wir reden hier über Liv Kristine und nicht über die Queen) gegen die jüngere, finnische Variante tauschen wollen. No offense.

Das wäre auch alles gar kein Problem und durchaus legitim, wenn man sich nicht so verhalten hätte, wie man sich nunmal verhalten hat und schon einen Tag später so getan hätte, als wären die 13 vorigen Jahre nie gewesen. Und statt dass man einfach einige Zeit Gras über die Sache wachsen lässt, veröffentlicht man Anfang Oktober auch noch eine EP mit dem Namen "Fires In The North", auf der drei Neuinterpretationen des großartigen "King Of Kings"-Albums zu finden sind. Rumms. Natürlich will man als Band das neue Aushängeschild präsentieren und natürlich wird man als Fan nie die genaueren Gründe für all diesen Bohei in Erfahrung bringen (also wer da nun an was Schuld hatte), aber das ist schon ein mächtiges Brett, das es erstmal zu durchbohren gilt.

War der Wechsel stimmlicher Natur, kann man ihn aktuell jedenfalls als unnötig abstempeln: Elina Siirala ist wahrlich keine schlechte Sängerin, beherrscht ihr operettenhaftes Milieu überraschend gut und wird auch den Bandsound nicht nachhaltig schädigen, weil sie gut mit dem bisherigen Songmaterial harmoniert, klingt andererseits aber relativ beliebig und scheint momentan auch nicht über allzu viel Charisma zu verfügen, wie das ohnehin unfreiwillig komische Fußball-Video zu "Edge Of Steel" zumindest meiner Meinung nach beweist. Ziemlich unbeholfen eben, was sich mit ein wenig mehr Eingewöhnungszeit allerdings auch zum Guten wandeln kann. Der neue, titelgebende Song der EP, "Fires In The North" wirkt hingegen vor allem musikalisch äußerst belanglos (die akustische Version davon hält immerhin eine ganz unterhaltsame Instrumentierung bereit) und dürfte daher eine B-Seite von "King Of Kings" sein, die man halt bringt, um mit diesem Release keinen gänzlich dubiosen Eindruck zu hinterlassen.

Wie wird es also mit LEAVES' EYES weitergehen? Ich bin gespannt, ehrlich. Einerseits denke ich, dass Liv Kristine nur schwer zu ersetzen ist, andererseits hat Elina Siirala zumindest das Potenzial, diese Lücke zu füllen. Die Frage wird nur sein, ob auch andere Fans dazu bereit sein werden, ihr eine faire Chance zu geben (sie trifft vermutlich die geringste Schuld), da 2016 einiges passiert ist und man dafür, egal, welcher Partei man nun Glauben schenken möchte oder auch nicht, hauptsächlich Alex Krull bzw. sein unprofessionelles Verhalten verantwortlich machen wird, was wiederum zwangsläufig dazu führen könnte, dass man sich zunehmend gegen ihn und die Band positioniert. So bleibt am Ende eigentlich nur die Frage, ob man das nicht hätte friedlicher und weniger mediengeil hätte klären können. Einen Gefallen hat sich damit jedenfalls niemand getan.



Ohne Bewertung
Autor: Pascal Staub (04.10.2016)

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