FINSTERFORST - #YØLØ

Artikel-Bild
VÖ: 16.09.2016
Bandinfo: FINSTERFORST
Genre: Folk Metal
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste

Mal im Ernsd: Wie kann man sich nur so hart gönnen? Schom vong Ankündigung das "#YØLØ"-EP von FINSTERFORST her gab es diwerse Kontrowersen um die Ausrichtung vom Musik der Schwarzwald-Band. "Seit ihr jedst nur noch 1 Klamauk-Band", hieß es da, oder aber "was fehlt euch den ein?" dort. Dabei sind die siebem Spielmänner ein renovierte Intuition in Pegen Metel und dürfem ja wohl auch mal 1 oder 2 Spaß im Jahr habem, weil 1 Extended-Play-Diskette (im Neudeutsch latürnich) für solchem Quatsch erfindet wurde.

Gut, lassen wir das an dieser Stelle, das dürfte den ein oder anderen von euch in den letzten Wochen und Monaten schon ausreichend abgenervt haben. Das Humorverständnis unterscheidet sich nunmal von Mann zu Mann und Frau zu Frau (oder auch gemischt), nur sollte man sich genau deshalb überlegen, ob man für derlei Scherze wie der "#YØLØ"-Scheibe zu haben ist. FINSTERFORST-Fan sein bringt einen da nämlich nicht überhaupt voran, wenn man sich schon daran stößt, dass hier u.A. die Biggest Nervensäge und Attentionwhore 2014/2015 schlechthin, MILEY CYRUS, und die Deutschrapper K.I.Z. (wobei die ja sehr Metal-kompatibel sein sollen, wie mir zugeflüstert wurde) auf brauchbares Verwurstungsmaterial abgeklappert wurden und man in "Wrecking Ball" und "Der durch die Scheibeboxxxer" auch noch mehr als nur fündig wurde. Auf die Idee, daraus zwei urst ulkige Metalnummern zusammenzuschrauben, muss man erstmal kommen. Und man muss sich das trauen, wenn man ansonsten durch Naturverbundenheit, epische Songarrangements und zuletzt auch eher Sozialkritisches bekannt geworden ist. In der Kommentarleiste des Facebook-Auftritts von FINSTERFORST sah man zur Ankündigung der EP auf jeden Fall, wohin das führen kann: Genöle, Gejammere, Geheule, Geflame, Gemeckere und und und.

Wie gesagt, Humor unterscheidet sich von Fall zu Fall, aber ist das EP-Format nicht genau für solch groben Unfug geradezu prädestiniert? Eigentlich schon. Und wenn man damit klarkommt, ist "#YØLØ" definitiv eine extrem unterhaltsame Angelegenheit, bei der zumindest ich nicht nur eine Träne, sondern tausende gelacht habe. Der Clou daran ist, dass FINSTERFORST diese geballten 42 Minuten an Quatsch, Kalauern und sogar richtig gut umgesetzten Coverversionen wie der von MICHAEL JACKSONs "Beat it" in ihrem ureigenen, mittlerweile extrem ausgefeilten Folk-Metal-Stil umsetzen und dabei nicht an mächtigen Bläsern und Chören oder dem typischen Akkordeon sparen, weshalb sogar einem Fußballsong wie "Auf die Zwölf", einem "Hangover" oder auch dem Opener mit dem vielsagenden Titel, "Bottle Gods", ein ungeahnter Spagat aus Epik und Rumblödelei gelingt. Wer ist da eigentlich für die geilen Eunuchen-Schreie verantwortlich gewesen, na?

Jedenfalls ist "#YØLØ" unter dem Strich (und unter der Gürtellinie) eine vollkommen runde Sache, die man sich mal gönnen kann, wenn man es schafft, sich selbst einmal im Jahr mal nicht ganz so ernst zu nehmen und den metallisch-ernsten Stock aus dem Arsch zu ziehen. So völlig humorbefreit kann man eigentlich gar nicht sein, dass man nicht mal ein ganz klein wenig schmunzelt (macht's zur Not heimlich, damit die Fassade nicht bröckeln muss, hihi), wenn FINSTERFORST auf musikalisch stets hohem Niveau im Titeltrack mit russisch-folkloristischer Rhythmik plötzlich über hippen Kram sinnieren oder gegen Ende mustergültig den KASSIERER-Klassiker "Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist" oder das allseits bekannte "Wild Rover" malträtieren. Und falls doch, kann man sich, wie schon oben angedeutet, natürlich auf die Geschmacks- bzw. Humorfrage berufen und weitermotzen. Hier wird sich rein zur Abwechslung frei Schnauze bzw. bierernst (pun intended) ausgetobt und das ist in der Absicht halt auch einfach so dermaßen leicht vom sonstigen Schaffen der Breisgauer zu unterscheiden, dass man dafür eigentlich nicht mal der Erstklässlermathematik mächtig sein muss. Andererseits ist's aber auch ziemlich amüsant anzusehen, wie sich Unmengen an Metalfans trotz dieser Offensichtlichkeit vor den Kopf gestoßen fühlen, als würde es sich hier um ein reguläres Album handeln - also macht weiter, bitte!



Ohne Bewertung
Autor: Pascal Staub (16.09.2016)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: SLAYER - The Repentless Killogy
ANZEIGE