SURTURS LOHE - Seelenheim

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VÖ: 02.09.2016
Bandinfo: SURTURS LOHE
Genre: Pagan Metal
Label: Einheit Produktionen
Lineup  |  Trackliste

Es grenzt an einer bodenlosen Frechheit, dass SURTURS LOHE heuer ihr 20-jähriges Jubiläum begießen und im Pagan-Metal-Genre immer noch kaum einem bekannt sind, während es andere Interpreten mittels zweifelhafter Methoden und einem noch zweifelhafteren Frontmännern bezeichnenderweise ziemlich weit geschafft haben. Dazu muss man allerdings fairerweise sagen, dass man vom Thüringer Sextett bis auf die Split-Veröffentlichung mit ODAL aus dem Jahre 2004 zwischen den Jahren 2002 ("Vor Walvaters Thron") und 2011 ("Nornenwerk") nahezu überhaupt nichts vernommen hat, sie das Rampenlicht ohnehin nicht so für sich beanspruchen wollen und das, wie auch die Abneigung gegen den Trendstatus des Genres, in einigen Interviews auch immer wieder mal haben durchscheinen lassen. Gerade in den engeren Genrekreisen sollte man die Dame und die Herren aber definitiv kennen, da man andernfalls einiges verpassen würde - so auch das Jubiläumswerk "Seelenheim", das kürzlich erschienen ist und für das man instrumental wie auch lyrisch stolze fünf Jahre Aufwand betrieben hat.

Das Resultat ist nicht weniger als mitreißend und vor allem eines feierlichen Anlasses wie der eines Jubiläums würdig. Schon bei der Einleitung "Der Kaiser im Berg", in dem die Barbarossa-Sage verarbeitet wird, bauen SURTURS LOHE auf opulenten Hörspielcharakter, entfernen sich vom instrumentalen Einstieg des Vorgängerwerks und belegen damit auch, wie sehr sich die Band in den letzten zwei Dekaden in kompositorischer Betrachtung entwickelt hat. Dieser Eindruck festigt sich beim anschließenden Melodic-Black-Manifest "Lohe Surt", das zwar geradlinig und eine Spur zu gewöhnliche seine vier Minuten abspult, wie schon das gesamte "Nornenwerk" aber enorme Verbesserungen im rhythmischen Bereich verzeichnen kann.

Es lässt sich also zweifellos behaupten, dass SURTURS LOHE in ihrer Abwesenheit über all die Jahre als Band instrumental, aber auch im Bereich des Songwritings eine beachtliche Entwicklung durchgemacht haben, die man im vielschichtigen Titeltrack "Seelenheim" und dem abschließenden Longtrack "Schildwacht" (mitsamt passendem, wehmütigem Prolog "Schwertleite") nachvollziehen kann, in denen die Thüringer auf Akustikgitarren, metallischere Tempoparts, Flöten und mehrstimmige Klargesänge sowie Chöre, die stets das Markenzeichen der Band darstellten und auch heute noch darstellen, mit wunderbar fließenden Übergängen zu echten Glanzpunkten zusammenflicken. Und wer das "Nornenwerk" aus dem Jahre 2011 schon kennt, wird sich spätestens an dieser Stelle vielleicht fragen, ob SURTURS LOHE in der Lage sind bzw. waren, eben jenes mit "Seelenheim" zu überflügeln. Die Antwort darauf ist: Jain.

Denn: Nach ausgiebiger Bewunderung des "erst" vierten Longplayers der Bandgeschichte komme ich eher zu dem Entschluss, dass sich beide Alben, wenngleich sie sich musikalisch doch hier und da unterschieden, auf ein und demselben qualitativ hohen Niveau befinden. Beide besitzen kaum Schwächen, dafür aber ein ungeheuer abwechslungsreiches Liedgut-Repertoire, das definitiv zum besten zählt, was deutscher Pagan Metal aktuell bzw. eigentlich überhaupt zu bieten hat. SURTURS LOHE gelingen sowohl die akustisch-melancholischen Stücke wie "Unter den Linden" (steigert sich im Verlauf zu einem gemächlich metallischen) und "Gotengrab" als auch rifflastigere Vertreter wie "Sumar kehre heim", das zudem mit einem erlesenen Solo glänzen kann. Und über all dem thront diese für SURTURS LOHE mittlerweile so typische Epik, die der Sechser nicht aus kitschigen Keyboards, sondern aus kraftvollen, leidenschaftlich-bewegenden Gesängen und Chören zieht, die immer wieder für Gänsehaut sorgen können.

"Seelenheim" ist zusammengefasst also ein bemerkenswert eigenständiges Album, das sich allerdings nicht nur auf seiner Andersartigkeit ausruht, sondern dem Hörer eben auch aus rein musikalischer Sicht einiges zu bieten hat. Nun könnte ich zwar den ganzen Schnickschnack wiederkäuen, aber im Grunde reicht es eigentlich schon aus, die Leidenschaft in ihrer dermaßen ausgeprägten Form hervorzuheben, die SURTURS LOHE in ihrer Kunst verarbeiten. Alle sechs Musiker haben sich großartig entwickelt und sowohl in Sachen instrumentalen Verständnisses als auch in Sachen Songwriting nun das nahezu perfekte Handwerkszeug im Besitz, mit dessen Hilfe sie diese Emotionen unnachamlich transportieren können. Sie beschenken zum Jubiläum also nicht nur ihre Fans, sondern auch sich selbst und ich hoffe inständig, dass "Seelenheim" nicht der letzte Streich war. Wobei man hiermit definitiv einen ähnlich hervorragend geeigneten Abschluss wie HEL mit "Das Atmen der Erde" gefunden hätte und man in diesem Sinne sogar mit einem Ende leben könnte.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (04.09.2016)

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