Faun - Midgard

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VÖ: 19.08.2016
Bandinfo: FAUN
Genre: Mittelalter Rock
Label: Universal Music Austria
Lineup  |  Trackliste

Es gibt bestimmt nicht wenige Menschen in der deutschen Folk- und Gothic-Szene, die sich nichts sehnlicher als einen Satz wie "FAUN kehren endlich wieder zu ihren musikalischen Wurzeln zurück" wünschen, ausgesprochen bzw. ausgeschrieben von einem Rezensenten, der sich auch schon in der Vergangenheit (also vor "Von den Elben") mit der ehemaligen Neofolk-Institution auseinandergesetzt hat. Wenn wir die Perspektive zu eben jenem Rezensenten wechseln, kann dieser leider aber auch bei "Midgard" nicht von einer Rückbesinnung sprechen, sondern größtenteils nur resignierend mit dem Kopf schütteln.

Dabei war das, obschon das zuletzt erschienene "Luna" ganz passabel war, durchaus zu erwarten, weshalb ich nun einfach dem im Vorgeld angekündigten WARDRUNA-Featurepart den Stiefel anziehe, warum ich mir diesen kitschbeladenen Rundling überhaupt angetan habe. Hinterlistigerweise schürt der "Midgard Prolog" dann auch noch Hoffnungen, die allerdings das anschließend vorgeführte "Federkleid", bei dem schon aufgrund der Schunkelrhythmik der ZDF Fernsehgarten, Carmen Nebel und Helene Fischer gleichzeitig anklingeln werden, trampelnd zunichte macht. Ganz zu schweigen von der technoiden Nts-Nts-Nts-Trommelei, die auch im weiteren Verlaufe noch den ein oder anderen Song prägen wird.

Grundsätzlich entfaltet sich auf "Midgard" schnell eine Art Soundtrackcharakter, nur eben nicht im düster-epischen Stile von WARDRUNA und der Vikings-Serie, sondern eher im oberflächlichen, pseudo-romantischen Stile von FAUN und dem x-ten Teil der legendären Rosamunde-Pilcher-Saga. Abschreckende Beispiele hierfür sind "Sonnenreigen (Lughnasad)" und "Gold & Seide", die quasi um die Wette säuseln, wer beim nächsten Schlagertreff als erstes "live" aufgeführt werden darf.

Das alles wäre nur halb so schlimm, wenn FAUN nicht hin und wieder zwischen den Zeilen auch mal ihre Klasse aufblitzen lassen würden, die Alben wie "Licht", "Renaissance" oder auch "Totem" zu dem gemacht haben, was sie sind: Alben, nach deren Qualität man sich in der Szene heute wohl sehnt. Wenngleich man vor allem lyrisch nicht immer von der Klischeebreitseite verschont bleibt, können "Nacht des Nordens", "Brandan" und "Rabenballade" so etwas wie Magie erzeugen und zumindest ein bisschen darüber hinwegtrösten, dass "Midgard" ansonsten zum Großteil wie eine leidenschaftsarm zusammengestellte Mottenkiste aus abgehalfterten Folk-Klängen und totgetrampelter Mythologie erscheint, deren bester Output ("Odin") bezeichnenderweise unter Mithilfe eines fremden Künstler entstanden ist.

Und wo wir schon wieder bei WARDRUNA sind: Lasst einfach die Finger von FAUNs "Midgard" und spart damit die Penunze für den letzten Teil der "Yggdrasil"-Trilogie der Norweger um Einar Selvik und Gaahl, der in wenigen Wochen erscheinen wird und der Gräfelfinger Neo-Schlager-Gruppe für die ursprüngliche Stilrichtung elementare Bestandteile wie Atmosphäre, Eigenwilligkeit und Seele voraus hat. Ich frage mich schon, was genau der Antrieb für die Damen und Herren war, diesen musikalischen Schnitt zu vollziehen, aber selbst wenn ich es wüsste, würde ich letzten Endes nicht ruhiger oder unruhiger unschlafen. Anders und versöhnlich gesagt: Ich gönne den Faunen nur das Beste für ihre Zukunft, weil sie gerade vor ihrer Major-Label-Zeit sträflich unterschätzt wurden und das vermutlich etwas an ihnen genagt hat. Mein Fall ist das musikalische Schaffen zu einem Bärenanteil einfach nicht mehr, ein gewisses Gespür dafür, wie sie ihre neue Stammhörerschaft zu bedienen haben, kann ich ihnen aber auch nicht absprechen.



Bewertung: 1.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (13.08.2016)

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