Carnifex - Slow Death

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VÖ: 05.08.2016
Bandinfo: CARNIFEX
Genre: Deathcore
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste

In den Rezensionen zu den brandaktuellen WHITECHAPEL und DESPISED ICON Scheiben habe ich's euch ja bereits angedroht: CARNIFEX schließen den Brutal Summer mit "Slow Death" ab - und das ziemlich erfolgreich. Springen wir aber zunächst kurz in's Jahr 2012 zurück, als die Kalifornier ohne Drama plötzlich angekündigt haben, die Batterien neu aufladen zu wollen und sich seither mit einigen stilistischen Änderungen auszeichnen können, die bereits aus "Die Without Hope" ein Werk gemacht haben, das sich nicht mehr nur durch den charismatischen Schreihals Scott Lewis von der Masse der restlichen Deathcore-Veröffentlichungen abhob, sondern eben auch durch die vielen schwarzmetallischen Einsprengsel, die man in dieser Form nur begrüßen konnte.

Natürlich stehen die Säulen aus fetter Ami-Produktion und tiefergeschraubten Gitarrengrooves immer noch, aber wenn man beim Vorgänger noch von einer Testphase sprechen konnte, ist "Slow Death" als der Guss zu bezeichnen, der diese Trademarks und diese frische Herangehensweise mit all ihren düsteren Keyboardspielereien, Tremolo-Pickings und Schlagzeugsalven beispielhaft verschmelzen lässt. Ferner merkt man CARNIFEX bereits im Opener "Dark Heart Ceremony" an, dass man diese Elemente nicht aus Trendhopperei adaptiert hat, sondern durchaus mit dem Ziel kokettiert, dem Genre einen neuartigen Anstrich zu verpassen. Und so fließen hier wie auch in "Countess Of The Crescent Moon" und "Servants To The Horde" gekonnt Grooves und stockdustere Black-Metal-Versatzstücke ineinander, während sie von dramatischen Streichern untermalt werden - großartig. Daran ohne Umschweife anschließend kann man den Titeltrack wohl bedenkenlos zu einem der besten Songs der Bandgeschichte küren, denn obgleich dieser etwas stereotyp beginnt, steigert er sich im Verlauf zu einer bösartigen Walze mit einem dermaßen geilen, melodisch-atmosphärischen Leadgitarren-Part mitsamt Solo, dass man unweigerlich auf den Gedanken kommt, in diesem Genre jahrelang auf genau diesen Moment gewartet zu haben.

Dass CARNIFEX dabei nicht urplötzlich zu Virtuosen ihres Fachs avanciert sind, sollte auch klar sein und merkt man hauptsächlich daran, dass sich die zehn neuen Kompositionen immer wieder leicht ähneln, aber dafür kennt "Slow Death" das Wort Ausfall nicht, weswegen man von einem stets starken Niveau sprechen kann. Dafür sitzt das einprägsame Songwriting aber auch einfach viel zu gut, wenn man beispielsweise "Pale Ghost", "Six Feet Closer To Hell" oder "Necrotoxic" (man achte auf die musikalischen Kontraste) listet, bei denen nebst all den Soundneuerungen auch Scott ein sicheres Stilmittel ist, das diese Songs trägt. Der Mann ist beileibe kein lyrischer Feinschmecker, weiß aber zu 1000%, wie er für hartnäckige Hooklines und abwechslungsreiche Vocalparts zu sorgen hat - mit Phil Bozeman und dem verstorbenen Mitch Lucker sicherlich ein schillerndes Unikat im Deathcore.

Am Ende ist es die Entwicklung, die CARNIFEX über die letzten Jahre genommen haben und die mich durchaus staunen lässt. Ein harmonisch-ruhiges Interlude wie "Life Fades To A Funeral" hätte ich den Jungs vor ihrer Pause nicht mal ansatzweise zugetraut und nun fügt sich ein solches wie selbstverständlich? Das kann man ihnen nicht hoch genug anrechnen. Wenngleich CARNIFEX nie zu den allerschlechtesten Musikern in diesem Genre zählten, haben sie auf "Slow Death" definitiv ein neues Level erreicht, das ihnen nicht nur eine eigene Nische beschert, sondern vor allem auch eine rosige Zukunft.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (04.08.2016)

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