HAMMERS OF MISFORTUNE - Dead Revolution

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VÖ: 22.07.2016
Bandinfo: HAMMERS OF MISFORTUNE
Genre: Progressive Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Wie verhält man sich, wenn man mit einem Werk einer Musikergemeinschaft konfrontiert wird, die a) abgefeiert wird, als gäbe es nichts Besseres seit der Erfindung der Self-Service Zone in der lokalen Bank und die b) noch dazu schneidig das Mäntelchen des Prog-Rock/Metal trägt?

Bewertet man nämlich ebendieses nicht ähnlich euphorisch wie es alle vom Rezensenten gelesenen Kritiken auf Papier oder im Netz tun, setzt man sich gerne dem Shitstorm der a) "klar, du musst da wieder dagegen sein"- oder b) "du verstehst das nicht"-Meute aus.

Wenn wir jetzt "a)" außen vor lassen, weil eh wurscht, wird sind ja nicht mehr 16, bleibt immer noch das argumentum ad hominem "du hast keine Ahnung von dieser Art Musik" – gerne dargebracht von der Prog-Society selbst. Jetzt lasse ich dieses Argument gerne bei klassischer Musik gelten, auch wenn dortselbst ein persönliches Gefallen keineswegs unwichtig ist, und von mir aus auch beim Jazz. Auch wenn ich da gerne in meinen feisten Körper hineinlächle, weil – Zirkelschluss – ich nicht mehr 16 bin und so tun muss, als begegne ich Musik im Allgemeinen ausschließlich mit dem wissendsten Zugang.

HAMMERS OF MISFORTUNE also, deren letztes Oevre auf diesen Seiten wohlwollend beplaudert wurde, schütten nun ihr neues Füllhorn über uns aus. 

Und? Na ja, die ersten beiden Durchläufe haben eben in mir den eher umständlichen Beginn dieser Rezension entstehen lassen. Jetzt ist es dann schon so, dass das Album "Dead Revolution" natürlich nicht der Untergang des musikalischen Abendlandes ist. Oder dass die USA-Westküstler überbewertet wären, aber eben die ersten Durchgänge erwiesen sich als zäh. Hammond Orgel, Trompeten und jetzt nicht den Prog Metal neu erfindende Riffs ließen mein Herz nicht eben jubeln. Eine Ansammlung aus Zitaten der Musikgeschichte, von den BEATLES hin zu YES und anderen 70er-Proggies mit recht metallischen Zitaten von den 80ern bis heute. Soundtechnisch wahlweise als "organisch" oder auch als "a bissi dumpf" zu bezeichnen, kämpfe ich mich weiter und versuche festzustellen, was hier die Kritikerphalanx dermaßen zum Jubeln bringt.

Allein, ich vermag es nicht herauszufinden. "Dead Revolution" ist sicherlich ein solides Album, ein ansprechendes Konvolut aus souverän vorgetragenen Exzerpten aller Arten von Musik (nicht aller, aber ihr wisst, was ich meine). Aber wie es eben so oft im Prog/Tech-Bereich der Fall ist, das Songwriting hängt. Und hängt. Und bleibt weiter hängen. Und bei (Deität der eigenen Wahl hier eintragen), ich habe es versucht und kann mir nichts vorwerfen lassen!

HAMMERS OF MISFORTUNE haben sich für ihr neues Album fünf Jahre Zeit gelassen und sehen sich derzeit auf dem Zenith der Bewunderung, geben nette Interviews (yep, das ist eine Anspielung) und werden von Eingeweihten der Prog-Szene hofiert wie nur wenige andere derzeit. Meine Affinität zu dieser Art von Musik ist eine durchaus existente, aber muss man deshalb auch wirklich alles, was irgendwie nach Rick Wakeman klingt, als gottgleich sehen, alles, was eine Solo-Einlage ewig währen lässt laut lachend umtanzen und alles, was Texte schreibt, die über BLEI.SCHILD-Niveau sind, auch dem Nimbus des Intelektuellen anheim fallen lassen?

Nein, muss man nicht, stehe ich auf und hau auf den metaphorischen Tisch. "Dead Revolution" ist kein schlechtes Album, weit entfernt davon, aber die Teile, die mir wirklich gefallen, hab ich schon von den BEATLES gehört. Die harten Gitarren sind zwar nett für uns Metaller aber eben auch nicht weltbewegend. Und die Trompeten sind, tja, nennen wir es Geschmacksache. Als Ausreißer kann man am ehesten noch das die Gentrifizierung von Silicon Valley beklagende "Days Of '49" sehen, einen düsteren Folkrocker, der mich an eine Band erinnert, die mir just nicht einfallen will. Der Rest ist gut, aber nichts, das ich mir noch oft anhören werde.

Darf man überbewertet sagen? Darf man, deshalb mach ich es auch: Für mich ist dieses Album massiv überbewertet. Ich gönne den Jungs und Mädels ihren Erfolg auf jeden Fall, der subalpine Reviewer, der ich bin, wird aber weniger in die Reihe ihrer Bewunderer eintreten.

 

 

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (03.09.2016)

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