VÖLUR - Disir

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VÖ: 24.06.2016
Bandinfo: VÖLUR
Genre: Doom Metal
Label: Prophecy Productions
Lineup  |  Trackliste

Eine Band mit diesem Namen kann nur aus Island stammen und ist sicher nach einem Geysir oder einem Geisterpferd benannt, oder? Nicht ganz. VÖLUR sind ein kanadisches Trio, bei dem sich BLOOD CEREMONY Bassist Lucas Gadke, Schlagzeuger James Payment von den Post-Rock-Veteranen DO MAKE SAY THINK und die Geigerin Laura C. Bates zusammengefunden haben um experimentelle Musik zu schaffen, die so klingt als könne sie am Fuße des Eyjafjallajökull stattfinden. [Anm. d. Lekt.: Bonuspunkt für die korrekte Schreibweise unseres Lieblingsvulkans!]

Obwohl der Name der Band von einer Seherin aus dem nordischen Volkstum und die Musik von der heidnischen Vergangenheit Nordeuropas inspiriert ist, sind VÖLUR keine Pagan-Metal-Band. Vielmehr verfolgen sie einen experimentierfreudigen und außergewöhnlichen Stil, der trotz entspannender Eigenschaften nicht gerade in die Easy-Listening-Abteilung passt. Mit dem von weiblichen Naturgeistern handelnden „Disir“ veröffentlichen VÖLUR ihr erstes Album, wobei es sich um ein Re-Release einer bereits aus dem Jahr 2014 stammenden Eigenveröffentlichung handelt.

Die vier Tracks auf „Disir“ sind von düsteren Prog- und Doom-Einflüssen sowie athmosphärischen Elementen des Ambient-Black-Metal geprägt. Der mehrstimmige Gesang erinnert mit seinem folkloristischen Klang an Beschwörungszeremonien indigener Stämme. Durch den präsenten Bass und vor allem das abwechslungsreiche Geigenspiel wird, nicht nur in den ruhigeren Momentan, eine nachdenkliche Stimmung und die Illusion räumlicher Weite geschaffen. Die Geigenparts haben dabei jedoch nichts mit volkstümlichem Gefiedel zu tun, sondern nehmen äußerst virtuose Ausmaße an.

Abgesehen von den Chören ohne erkennbaren Wortinhalt, halten sich VÖLUR mit Vocals sehr stark zurück und lassen den Instrumenten ihren Raum. Wie in „The Deep Minded“ entsteht dadurch eine hypnotische Stimmung, von der man sich durchaus in Trancezustände begleiten lassen kann, bevor ein Geigensolo einen wieder zurückholt. Lediglich in „Es wächst aus seinem Grab“ geben in der 2016er-Version schwarzmetallische Growls ein kurzes Zwischenspiel. Typisch für „Disir“ ist auch der Rollenwechsel des Basses zum Melodieinstrument, während sphärische Klänge den Hintergrund übernehmen. Das Schlagzeug ist über weite Strecken zurückhaltend und wird zu besonderen Anlässen gezielt eingesetzt.

Nach all dem nebligen Schweben, endet das Album in einem Noise-Gewirr mit abschließender Stille. Insgesamt ist „Disir“ genau das, was durch das Bandkonzept versprochen wird - umgesetzt in musikalisch hochwertiger Weise. Weil die Songs ineinander überzugehen scheinen, können sie gut als Gesamtwerk durchgehört werden. Dabei ist die Spieldauer der vier längeren Tracks genau richtig, noch mehr vom Selben würde eventuell langweilig werden, vorausgesetzt man bekäme danach überhaupt noch etwas mit. Für ein zufriedenstellendes Erlebnis mit VÖLUR sollte man sich Zeit nehmen und möglichst keine Geigenallergie haben

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daria Paul (25.07.2016)

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