Periphery - Periphery III - Select Difficulty

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VÖ: 22.07.2016
Bandinfo: Periphery
Genre: Progressive Metal
Label: Century Media Records
Lineup  |  Trackliste

Nachdem im letzten Jahr das "Juggernaut: Alpha / Omega"-Doppelalbum erschienen ist, hatte ich eigentlich erwartet, dass PERIPHERY sich erst mal eine ausgedehnte Kreativpause und eine Tour gönnen würden, auf der man sich auch mal frei von jeglichem Songwriting machen und die insgesamt 17 Songs Revue passieren lassen kann. Denkste - nur etwas mehr als ein weiteres Jährchen später erscheint nämlich dieser Tage der dritte Teil der "Periphery"-Albumreihe, "Select Difficulty", auf den ich im Vorfeld natürlich richtig gespannt war, weil Misha Mansoor und Co. zuletzt immer ausgefeilter bzw. einfach besser wurden und daher die Angst vor Abnutzungserscheinungen eher eine geringfügige war.

Trotzdem muss man sich natürlich auch fragen, was eine Band nach so kurzer Zeit wirklich Neues zu sagen gedenkt, aber die Antwort ist simpel: Wenig bis gar nichts. Stattdessen feilen PERIPHERY auf "Periphery III - Select Difficulty" an ihrem eigenen Stil und beschränken sich auf Mini-Neuerungen, die das Erlebnis frisch halten. Im Gegensatz zu den Vorgängern beginnt das moderne Prog-Metal-Etablissement mit "The Price Is Wrong" und "Motormouth" beispielsweise schon ungewöhnlich heavy und sperrig in ihren Strukturen, verzichtet größtenteils auf Cleanvocals und agiert damit völlig gegensätzlich zu einem "A Black Minute" von "Juggernaut: Alpha", das auch aufgrund der kommenden Spielzeit dieses Mammutwerks sehr auf Eingängigkeit bedacht war.

Hat man diesen Prolog-Brocken aber überwunden und verarbeitet, wird "Marigold" schon deutlich zugänglicher, kombiniert die vielen Gesichter von PERIPHERY in Form von gewaltigen Djent-Grooves, schneidenden Lead-Melodien, dem vielseitigen Gesang von Spencer Sotelo, der auch heuer wieder genüsslich die Meinungen spalten wird, und einem nahezu Drone-lastigen Outro, das einem nach dem fulminanten Beginn ein wenig Distanz zugesteht. Ähnlich große Melodiebögen fährt das Sextett infolgedessen auch in "The Way The News Goes" und dem am Ende auftretenden Achtminüter "Lune" auf, bei denen das Zusammenspiel aus allen Einzelteilen perfekt harmoniert und PERIPHERY trotz aller Progressivität einmal mehr belegen können, welch begnadete Songwriter sich hier tummeln und wie sehr sie auch als Einheit gewachsen sind. Führt man sich an dieser Stelle nochmal "Periphery" und "Periphery II - This Time It's Personal" vor Augen und Ohren, lässt sich der musikalische Entwicklungs- und Reifeprozess noch deutlicher erkennen.

Das führt dazu, dass PERIPHERY auf "Periphery III - Select Difficulty" wie schon auf ihrem letztjährigen Doppelalbum ein in sich schlüssiges, mit dem roten Faden durchsetztes Gesamtkunstwerk erschaffen haben, bei dem man nahezu durchgängig den Eindruck hat, die Amis hätten ihren eigenen Stil perfektioniert und wählen jetzt wortwörtlich lediglich den musikalischen Schwierigkeitsgrad aus, auf dem sie wandeln und ihre Künste zur Schau stellen. Egal ob eine mit überaus atmosphärischem Ambient angereicherte Walze wie "Remain Indoors", die zwei für die Band urtypischen "Flatline" und "Prayer Position" oder eine erneut brettharte, für PERIPHERY-Verhältnisse fast schon geradlinige Moshnummer wie "Habitual Line Stepper" - dem Sechser gelingt auch 2016 eigentlich alles. Auch ein vergleichsweise ruhiges, Bass-lastiges Stück wie "Catch Fire", mit dem TESSERACT auf "Polaris" schon das ein oder andere mal erfolgreich experimentiert haben.

Manchmal wünscht man sich als Redakteur wirklich, einen Punkt zur Kritik finden zu können, um nicht zu sehr als beruflicher Frohlocker abgestempelt zu werden, aber wenn man diesen Kritikpunkt auf "Periphery III - Select Difficulty" überhaupt findet, dann vielleicht im ganz leicht abfallenden "Absolomb", das wohl die Neuauflage eines relativ alten Songs von Misha Mansoors Soloprojekt BULB ist. Ansonsten ist das ganz feines, abwechslungsreich-modernes Prog-Tennis, das PERIPHERY auf ihrem vierten Album spielen, wenngleich das Sextett glücklicherweise auch weiterhin sehr speziell bleibt und nicht automatisch jedem zusagen wird, der mit der Progressivität an sich perdu ist. Dafür sind die Herrschaften einfach zu neuzeitlich ausgerichtet, wobei ihnen genau das eine eigene Nische eingespielt hat, in der sie sich nun frei bewegen und vor allem überzeugen können. Eine Pause haben sie sich nun aber dennoch verdient.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (17.07.2016)

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