Surtur - Descendant of Time

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VÖ: 26.02.2016
Bandinfo: Surtur
Genre: Thrash Metal
Label: Witches Brew Records
Lineup  |  Trackliste

Bangladesch. Heimat von Nähfabriken, in welchen Billigklamottenläden hierzulande ihre Ware beziehen. Frauen in düsteren Fabrikshallen. Die Nähmaschinen knattern. Und mein Gehirn hat eine Vision. Durch die Nähhallen wird der kompromisslos speedige Sound von SURTUR geschossen, um die Nähmaschinen noch mehr anzuheizen und den Rhythmus auf Dampf zu halten – ähnlich wie die Rudertrommler auf antiken und mittelalterlichen Booten. Nur, dass die mehr Gemächlichkeit intus hatten als die Mannen von SURTUR

Political incorrectness beiseite und endlich dahin, worum es eigentlich geht. Um die Musik. Und darin sind die Thrasher ausnahmslos gut! Krachendes Drum-Geholze, das keine Langeweile aufkommen lässt, eine Rhythmik, die Vollgas gibt, das Riffing schnell und gut durchdacht. Die Melodien und Linien bleiben gut im Ohr, die Taktwechsel sind stimmig und strotzen vor Genauigkeit. Das Vierergespann macht ordentlich Druck! Old School nach allen Maßstäben. 

Mit „Prologue to Chaos“ legen sie ein Intro vor die Gebolz-Party, das sich anfänglich nach sitarähnlichen Klängen anhört und dann in eine fast schon sanfte Gitarrenmelodie übergeht, ehe die Thrasher mit „Descendant of Time“ in ihr eigentliches Metier einsteigen. Das erste Riff zieht sich wie ein Thema durch das über vierminütige Gethrashe, das gespickt ist mit gut gelegten Tempowechseln und treibendem Rhythmus. Auch der Gitarrero beweist durchgehend, dass er weit mehr kann als das, was man aus dem Gitarren-Grundkurs mitnimmt. Stimmlich gibt es nichts auszusetzen. Punktuiert und voll ins Konzept passend haut der Screamer dem Zuhörer die Lyrics um die Ohren. Sehr ausgefeilt und nach allen Regeln der Kunst. Mit „Maggot Filled Brain“ machen Surtur weiter ordentlich Druck, wobei sie dieses Mal den Song bis auf den Mittelteil in recht einheitlichem Tempo durchprügeln. Beim vierten Stück „Demolisher“ überschlagen sich regelrecht die Ereignisse. Nach einem für Surtur fast schon gemächlichen Start legt die Gitarre ordentlich speediges Geschramme vor. Drums und Screams scheinen die Klampfenklänge dann richtiggehend einholen zu wollen und für einige Takte wirkt es fast, als würden sie sich gegenseitig überschlagen, bis der fast schon erlösende Rhythmuswechsel kommt und sich alle Spuren wieder in scheinbar erholsamem Gelärme zusammenfinden. Soviel Krach wie möglich, soviel Melodie wie nötig. Die Mischung stimmt. 

Kraftvolles Drum-Gewitter, stimmige Tempowechsel, ohne den Druck zu nehmen, und gekonntes Screamen aus der Vocal-Ecke definieren Surtur als hörenswerte Truppe, die gut und gern mit dem weitermachen kann, womit sie hier begonnen hat. 

PS: Kleine Info am Rande: SURTUR fanden sich 2012 in Dhaka, Bangladesh zusammen, in der heutigen Formation spielen sie seit 2014. Die Songideen aus dieser Zeit wurden dann auf einer EP verewigt. Re-released wurde das Material Ende 2015 und ab 26. Februar 2016 läuft die EP nun auch über das deutsche Label Witches Brew. So viel dazu. 


 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (10.03.2016)

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