ORANSSI PAZUZU - Värähtelijä

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VÖ: 26.02.2016
Bandinfo: ORANSSI PAZUZU
Genre: Avantgarde
Label: Svart Records
Lineup  |  Trackliste

Eine Exkursion in's Weltall gefällig? Ist doch neuerdings in Mode und gar kein großes Problem für diejenigen, die das ein oder andere Milliönchen locker sitzen haben und der Faszination der schwarzen Unendlichkeit erlegen sind. Oder weil es bei den Bonzen mittlerweile einfach zum guten Ton gehört. Ganz ehrlich? Mich würde das ja auch mal reizen, aber weder habe ich vor kurzem Reichtum erlangt, noch habe ich Interesse daran, eine derart bewegende Reise mit irgendwelchen wohlhabenden Gaffern zu unternehmen. Zumal man diese ganze Schose auch billiger haben kann, indem man sich Ende Februar die neueste ORANSSI PAZUZU Ausgeburt "Värähtelijä" zulegt.

Die Vorteile liegen dabei nicht nur im weit günstigeren Preis, sondern auch darin, dass man direkt das All-Inclusive-Paket mitbucht. Ein wahrlich abgefahrener Trip, bei dem das finnische Raumfahrtskommando auch wirklich an alles gedacht hat, was das Gehör begehrt und die Zeit schwebend überbrückt: Black Metal, Space Rock, Krautrock, Psychedelic Rock und und und. Wie das klingt? Als würden DEATHSPELL OMEGA gemeinsam mit HAWKWIND einen Sprössling zeugen, ihn mit Proviant in Form von merkwürdigen Pilzen und Platten aus den Häusern BLACK SABBATH und GROBSCHNITT in der finnischen Natur aussetzen und ihn eine gute Zeit später - zur Zelebrierung der Volljährigkeit - zu einer Brandstifterfete entführen. Irgendwo auf dem Mond.

Das Geniale daran ist, dass einen ORANSSI PAZUZU auch heuer wieder mit einem sich abermals von den Vorgängern unterscheidenden Psychopathenmeisterwerk in die schwarze Unendlichkeit schicken. Man erkennt zwar eindeutig, mit welchen fünf Irren man es hier zu tun bekommt, ist aber trotzdem überwältigt, welche Ideen hier mal wieder in Form gegossen wurden. Klingt der Opener "Saturaatio" also noch recht typisch für das Quintett, wird man im anschließenden "Lahta" umgehend mit dem vollen Wahnsinn konfrontiert und dabei einfach das Gefühl nicht los, als hätten MESHUGGAH ihre Polyrhythmen in einer rauschenden Nacht auf stromlosen Gitarren inklusive Xylophon eingespielt und um einige Psychedelic-Rock-Anteile erweitert. Welche Substanzen da im Spiel waren, wird man aller Vorraussicht zwar nach nicht erfahren, aber diese Abgedrehtheit ist nunmal eines DER Attribute, die die fünf orangenen Dämonen unstreitbar zu einem Unikat machen.

Überhaupt gibt es auf "Värähtelijä" wirklich überhaupt nichts zu kritisieren. Anfangs hat man wie bei den Vorgängeralben zwar seine liebe Mühe, sich in den Kosmos der Finnen zu schummeln, aber mit voranschreitender Dauer avanciert Album Numero Vier zur bisher zwingendsten Hervorbringung von ORANSSI PAZUZU. Einen Bärenanteil daran hat der erneut gesteigerte Facettenreichtum, der vor allem der Atmosphäre einen großen Schub gibt, sie markanter als je zuvor zu einem dunklen Sog modifiziert. So wirken der SCOTT-WALKER-Gedächtnis-Titeltrack, "Valveavaruus" und das passend betitelte, mit Synthie-Eskalationen garnierte "Hypnotisoitu Viharukous" regelrecht hypnotisch-betörend auf ihren Hörer ein und machen es dem folgenden, knapp 18-minütigen Koloss "Vasemman Käden Hierarkia" einfacher, sich zu etablieren. Dieser wiederum beginnt gemächlich, reift nach einigen Stationen dann aber zu einem psychedelischen Drone-Monolithen heran, auf den selbst SUNN O))) stolz wären.

Dass "Värähtelija" ganze 69 Minuten brodelt, fällt dabei nicht weiter auf, denn ORANSSI PAZUZU wissen über die komplette Spieldauer zu faszinieren und wechseln immer wieder gewandt zwischen ungezügeltem, stets positivem Overkill-Irrsinn und dann dagegen fast schon stoischen Momenten ("Havuluu"), variieren auch innerhalb der einzelnen Stücke desöfteren die Ausrichtung und fordern einem alles ab. Auf der anderen Seite liegt u.A. genau darin aber auch die Vehemenz, mit der die Finnen einem einheizen und das Material schmackhaft machen.

Hat man sich da einmal durchgekämpft, tritt auf "Värähtelija" zweifellos ein sich schier endlos flechtender, finsterer Drift in Erscheinung, der in Sachen Extravaganz kaum zu überbieten ist. Ansonsten ist zum Viertling von ORANSSI PAZUZU eigentlich alles gesagt. In der Zeitrechnung des Jahres 2016 befinden wir uns zwar erst im Februar, aber mit tausendprozentiger Wahrscheinlichkeit haben diese kranken Genies eine außergewöhnliche Meisterleistung eingespielt, die im Avantgarde-Sektor ihresgleichen sucht, für mich in diesem Jahr - soweit lege ich mich jetzt schon fest - von allerhöchstens einem Album überboten werden kann und definitiv auch den ein oder anderen Abnehmer von euch verzaubern wird - sofern er sich denn darauf einlassen möchte. Eintauchen und entführen lassen, das hier ist Kunst von einem anderen Stern. Wie sie kaum besser geschaffen werden kann.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (19.02.2016)

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