Solution .45 - Nightmares In The Waking State - Part I

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VÖ: 20.11.2015
Bandinfo: Solution.45
Genre: Metal
Label: AFM Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Sorry erstmal, denn wahrscheinlich lest ihr das heute zum abertausendsten Mal: Als beinharter SCAR SYMMETRY Fan war ich 2008 wirklich enttäuscht, als die Band den Abgang von Christian Älvestam verkünden musste. Der Schwede war und ist wohl eines DER gesanglichen Aushängeschilder der modernen Metalszene, weil er es wie kaum ein anderer vollbringt, zwischen abgrundtief bösen, gutturalen Tiraden und extrem melodischem, manchmal gar poppigem Klargesang zu variieren, als sei es die einfachste Übung auf diesem Planeten. Wer von MISERATION und TORCHBEARER wenig bis nichts mitbekommen und sich all die Jahre gefragt hat, was der Mann in seiner Freizeit so treibt, sollte SOLUTION .45 in Zukunft dringendst auf dem Schirm haben, denn die haben mit "Nightmares In The Waking State: Part I" erst kürzlich den ersten Teil ihres Doppelalbumkonzepts veröffentlicht, mit dem man sich unbedingt auseinandersetzen sollte.

Das Warum ist für Neulinge wie auch Veteranen der Band schnell umrissen: Im Gegensatz zum "nur" ganz okayen Vorgänger "For Aeons Past" nutzen SOLUTION .45 ihr Potenzial auf dem neuen Longplayer deutlich ausgiebiger als noch auf dem Debüt und agieren ganzheitlicher, geschlossener. Um das bewerkstelligen zu können, hat sich das finnisch-schwedische stolze fünf Jahre Zeit gelassen. Das macht "Nightmares In The Waking State: Part I" allerdings mitnichten zur altbackenen Angelegenheit, wie man bereits im Opener "Wanderer From The Fold" schnell konstatieren wird: Hier regieren zunächst tief-düstere Gitarrenläufe, die zusammen mit Chris' Organ und durch apokalyptische Keyboarduntermalung unterstützt erste Ausrufezeichen setzen können. Einem ähnlichen Muster folgt auch das anschließende "Perfecting The Void", das sich in seinem weiteren Verlauf allerdings zu einem modern-progressiven Alleskönner entwickelt, der weder auf einprägsame Klargesangspassagen noch auf verspielte Taktfolgen verzichtet. Dabei verkommen SOLUTION .45 erfreulicherweise nicht zum amerikanischen Plagiat, sondern bewahren sich ihren kühl-skandinavischen Anstrich. Das wiederum sorgt gleichzeitig dafür, dass man die Vier frühzeitig in einer eigenen Schublade musizierend betrachtet, was in dieser Kategorie definitiv beachtenswert ist.

Ebenfalls beachtenswert ist der Abwechslungsreichtum, mit dem "Nightmares In The Waking State: Part I" über die volle Länge punkten kann bzw. die gelungene Verschmelzung verschiedener Stilmittel, die beispielsweise deutlich melodischere und eingängigere Passagen wie in "Bleed Heavens Dry" oder "In Moments Despair" hervorbringen kann, gleichzeitig aber auch genügend deftigere und zum Teil auch mehr Zeit einfordernde Parts wie im beschließenden 11-Minüter "I, Nemesis" zu bieten hat. So oder so: SOLUTION .45 klingen zu keiner Zeit weichgespült und gerade die Gitarrenfraktion versteht es wirklich hervorragend, Christian Älvestams variablen Vocals gerecht zu werden und ihm tadellose Zuspiele zwischen Kompromisslosigkeit und Melodiösität liefern, die er in "Winning Where Losing Is All" und "Second To None" nahezu perfekt verwandelt. Ganz so reibungslos wie hier funktioniert das im anknüpfenden "Targeting Blaze" zwar nicht, dafür aber in "Alter (The Unbearable Weight Of Nothing)" und vor allem dem erneut vielschichtigen "Wield The Scepter" umso mehr.

Fazit? "Nightmares In The Waking State: Part I" ist verdammt vielversprechend und profitiert hauptsächlich vom besseren Zusammenspiel seiner Protagonisten. Härte, Melodien, Anspruch, Eingängigkeit, Eigenständigkeit und Abwechslungsreichtum - der Zweitling von SOLUTION .45 hat nahezu alles zu bieten, was das Melo-Death-Herz begehrt. Auch wenn nicht jeder Handgriff sitzt, weiß das Gesamtwerk zu gefallen, schürt die Vorfreude auf den zweiten Teil immens und beweist zudem, dass in diesem Sektor längst noch nicht alles gesagt ist. Ob SOLUTION .45 schlussendlich über den Status des Sidekicks von MISERATION hinauskommen, wird sicherlich keine Frage der Qualität des Songmaterials sein, sondern eher eine Frage dessen, ob die Herren Älvestam und Stefanović zusammen mit ihren Mitstreitern Gardberg und Pilve gewillt sind, aktiver am Geschehen teilzunehmen. Egal wie es auch kommt: "Nightmares In The Waking State: Part I" ist ein richtig gutes Album, das seine Langzeitwirkung bei mir bereits unter Beweis gestellt und sich somit einen Platz in der heimischen Sammlung redlich verdient hat.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (26.11.2015)

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