Larceny - Into Darkness

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VÖ: 30.04.2015
Bandinfo: Larceny
Genre: Metal
Label: SAOL
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Lineup  |  Trackliste

Man schätzt die Meinung der werten Kollegen ja schon. Als der Verfasser dieser Zeilen vor circa eineinhalb Jahren zum ersten Mal auf die deutsche Melo-Thrash-Formation LARCENY traf, war er ziemlich angetan. Um so überraschender dann die Tatsache, dass besagte Band auf mitbewerbenden Review-Plattformen mit ihrem neuen Output "Into Darkness" eher durchwachsene Kritiken einheimste. Also schnell selbst eine Promo organisiert und reingehört. Und was soll man sagen, bei genauer Betrachtung fallen tatsächlich einige Kritikpunkte auf. Was aber der anfänglichen Symphatie nicht zwingend im Wege steht.

Erste und vielleicht allerwichtigste Neuerung gegenüber "My Fall" ist wohl der Abgang von Sängerin Anna Rantou. Kurios: Anstatt eine neue Frontdame zu suchen, übernimmt Gitarrist Oli Gaupp einfach die Vocals. Noch kurioser: Er schafft es wahnsinnig gut, Rantou zu intonieren. Das muss man, auch gerade ob des Vorzeichenwechsels, erst einmal draufhaben. Und schließlich bleibt man so dem bereits etablierten Bandsound treu. Dafür Respekt!

Nun zum eigentlichen Songmaterial. Melodic Thrash heißt es auf der offiziellen Facebook-Seite, auf der Website ordnet man sich eher der Melodic-Death-Gattung unter. Was auch besser zutrifft, denn abgesehen vom wirklich famosen Opener "Detour To Hell" sind die Thrash-Einflüsse gering. Und hier liegt schon der größte Knackpunkt: Die Kombination von gelungenen Thrash-Riffs mit nordeuropäischen Düstermelodik-Refrains hört man heutzutage recht selten und sollten daher forciert werden. Zumal man, wie der Opener beweist, ein Händchen für gute Thrash-Riffs besitzt. Um sich auf dem überlaufenen Melodic-Death-Markt zu platzieren fehlt dagegen das dringend nötige Alleinstellungsmerkmal. Und leider auch das Gespür für die fast schon obligatorischen instrumentalen Wow-Effekte. So sind die Death-Riffs im Albumverlauf eher als beliebig und austauschbar zu bewerten. Loomis, Amott, Laiho, Gelotte, Bjöler und Larsson: Das sind die Namen, die in diesem Genre zur Zeit die Messlatte setzen und davon ist man leider meilenweit entfernt.

Die melodischen Refrains hingegen können direkt in einem Atemzug mit größen wie DARK TRANQUILLITY oder INSOMNIUM genannt werden. Tolle Melodiebögen wie in "Afterlife" oder "Hold The Last Light" ziehen den Hörer direkt in den Song. Atmosphärisch unterstützt wird das Ganze durch die dezente Keyboard-Untermalung von Conny Ott - wobei "dezent" diesmal wirklich wörtlich genommen werden darf. Hier und da eine Klaviermelodie, ein paar Streicher dort, mehr muss nicht sein, um in den richtigen Momenten für Akzente zu sorgen. Auch das auf Deutsch vorgetragene "Limbus" begeistert.

Gleich vier alte Songs neu aufgenommen sind allerdings drei zu viel. Gerade durch eingangs erwähnte stimmliche Ähnlichkeit hält sich der Effekt und die Notwendigkeit der Neueinspielungen in Grenzen. Somit befinden sich auf dem neuen Album lediglich sechs neue Songs plus Intro, was eher einer EP gleichkommt.

Fazit: Melodisch und atmosphärisch dichtes Album mit Defiziten auf instrumentaler Ebene und leider etwas zu viel altem Material. Mit künftiger Fokussierung auf Thrash oder Death (dann aber mit Verbesserungsbedarf) würde das Ergebnis sicherlich einiges nachhaltiger ausfallen. Dennoch macht das Hören von "Into Darkness" sehr viel Spaß und man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die Band zukünftig weiterentwickelt.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (20.07.2015)

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