Cradle Of Filth - Hammer Of The Witches

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VÖ: 10.07.2015
Bandinfo: CRADLE OF FILTH
Genre: Dark Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Gespannt durfte man sein auf das neue CRADLE OF FILTH Album. Bei insgesamt acht von zehn vollwertigen Studioalben war Gitarrist Paul Allender federführender Songwriter und fast im Alleingang für alles klampfentechnische verantwortlich. Ausgerechnet die beiden Alben, an denen er nicht beteiligt war, hören auf die Namen "Dusk And Her Embrace" und "Cruelty And The Beast" - zwei Werke, die nicht nur bei Fans als unbestrittene Klassiker gelten und die den unverwechselbaren Sound der Band maßgeblich prägten. Doch sind auch die Werke nach seiner Rückkehr wie "Midian" oder "Nymphetamine" aus dem Fundus der Dark Metal Pioniere nicht mehr wegzudenken, und Allender hat sich über die Jahre als unverzichtbarer zweiter Mann hinter Frontschreier Dani Filth etabliert. Wie wird sich sein Weggang nach so langer Zeit auswirken? Gerät das musikalische Gerüst ohne den Hauptsongwriter aus den Fugen? Oder steht uns vielleicht sogar ein neuer Klassiker ins Haus?

Zumindest letztere Frage kann auch nach gefühlten 1.000 Durchläufen von "Hammer Of The Witches" nicht beantwortet werden. Klassiker werden nämlich nicht nur von der Band selbst, sondern auch von den Fans gemacht, die das Album annehmen und wertschätzen müssen. Und CRADLE Fans gelten laut Dani Filth als besonders empfindlich und wählerisch, was Neukompositionen und deren Ausrichtung angeht (man erinnere sich an das eigentlich gute, aber völlig an der Hörerschaft vorbeikomponierte "Thornography").

Doch grade der Input dieser Fans wird auf "Hammer Of The Witches" so arg berücksichtigt wie seit langer Zeit nicht. Denn man orientiert sich tatsächlich beim Songwriting an beiden eingangs genannten Referenzwerken, vornehmlich "Cruelty And The Beast". Kein Song kommt ohne heftige Blastattacken aus, es gibt kaum Verschnaufpausen, auf kommerzielle Hits wie "Nymphetamine" wird konsequent verzichtet. Auf Gitarrenseite wurde viel Potential ausgenutzt. Komponierte Allender stets so, dass die Gitarrenparts auch mit nur einem Gitarristen funktioniert hätten (die zweite Gitarre diente meist nur als Support und der Klangfülle), so harmoniert das neue Duo Ashok und Richard Shaw fantastisch miteinander. Neben benannten Blasts und drückenden Death Metal Riffs packen die beiden beeindruckende Soli und harmonische Doppelleads Marke JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN aus. Damit geben die beiden den Songs ein wesentlich zugänglicheres Bild, als es auf den letzten beiden Allender-Alben der Fall war. Dass das Werk Paul Allenders dabei nicht übergangen wird, zeigt sich in den unzähligen, von seinem markanten Stil inspirierten thrashigen Riffs, was als respektvolle Verneigung aufgefasst werden darf.

Dennoch denkt man das Konzept der frühen Alben weiter, komponiert kompakter, zugänglicher und vor allem (noch) melodischer. Der Opener "Yours Immortally" besitzt dermaßen viele melodische Widerhaken, dass man den Song im CRADLEschen Kontext schon als "happy" durchgehen lassen kann. Was keineswegs als Kritik zu verstehen ist, da der Song hierdurch eine wahnwitzige Präsenz entwickelt. Das nachfolgende "Enshrined In Crematoria" steht dem in nichts nach, drosselt nur Anfangs ein wenig die Geschwindigkeit, bevor auch hier die donnernden Blasts und der eingängige Refrain direkt begeistern können. Der gleich drei Mal wiederholte Refrain (für CRADLE sehr unüblich) von "Blackest Magic In Practise" geht sogar noch weiter, bleibt nach dem ersten Hören direkt und unwiederrufbar im Kopf hängen. Dass der Song dennoch weit davon entfernt ist, als Hit durchzugehen, beweist der im Death Metal angesiedelte, extreme Mittelteil.

Bei "Right Wing Of The Garden Tritpych" bekommt Neu-Keyboarderin und Sängerin Lindsay Schoolcraft zum einzigen Mal die Bühne vollständig freigeräumt, und auch dieser Song entwickelt sich nach und nach zum Volltreffer. Als repräsentativ für das Album darf er dennoch nicht gesehen werden, da ihre Stimme ansonsten eher selten und subtil eingesetzt wird. Auch ist der offensichtliche, von ihr vorgetragene lyrische Wink mit dem Zaunpfahl gen Frühwerke ("Queen Of Winter Throned") in diesem Song falsch gesetzt. Lindsay bekommt im Albumverlauf vor allem einige Spoken Word Passagen in den Mund gelegt, was erneut Erinnerungen an das "Cruelty" Album aufwirft. Schade eigentlich, da ihr Können im Studio und vor allem Live schwerstens überzeugt und daher gerne mehr eingesetzt werden darf, um dem Ganzen *noch* mehr Variabilität zu verleihen.

Wirklich Oldschool wird es dann beim Titelstück und den letzten beiden "The Vampyre At My Side" und "Onward Christian Soldiers". Wer bis dahin nicht überzeugt ist, oder wem die melodischen Komponenten zu präsent waren, bekommt hier das, was er von CRADLE kennt und liebt. Diese Stücke brauchen dann auch wie gewohnt einige Spins mehr, bis sie sich nachhaltig im Gehör platzieren. Dennoch darf vermutet werden, dass vor allem das Titelstück bald in einem Atemzug mit "Cruelty Brought Thee Orchids" genannt werden kann.

Fazit: Kompromisslos, melodisch, schaurig schön! Die beste CRADLE seit langer Zeit! CRADLE meistern den Weggang von Paul Allender bravourös und liefern ein zwar kompaktes, aber unvergleichbar zwingendes Album ab, welches sich nicht vor den Klassikern verstecken muss und vor allem die letzten beiden Werke deutlich hinter sich lässt. Ob "Hammer Of The Witches" das Zeug zum neuen Klassiker hat und ob die deutlich melodischere Ausrichtung jeden Fan ansprechen wird, das zeigt die Zeit. Aber auch wenn nicht, man hört, dass die Band miteinander harmoniert und entsprechend gut funktioniert. Der Spaß an der Sache ist zurück. Und das überträgt sich auf den Hörer.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (01.07.2015)

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