Temperance - Limitless

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VÖ: 27.03.2015
Bandinfo: TEMPERANCE
Genre: Modern Metal
Label: Audioglobe
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Lineup  |  Trackliste

Der 27. März dürfte den Anhängern des Female Fronted Metals zu allererst als VÖ Tag des jüngsten NIGHTWISH Meisterwerkes in Erinnerung geblieben sein. Still und heimlich im Hintergrund lauerte allerdings noch eine andere Genrescheibe auf die Input-bereiten Ohren der geneigten Konsumenten. Die Rede ist von "Limitless" aus dem Hause TEMPERANCE, welche letztes Jahr mit ihrem Debüt eine detailgetreue AMARANTHE Kopie vorlegten und exakt zwölf Monate später ihr Zweitwerk hinterherschieben. Und auch heuer sind die Schweden Vorbild für den Bandsound, wobei man inzwischen genug Eigenständigkeit und ein fast besseres Gespür für Hits attestieren muss.

Mit den Hits legen wir auch gleich mal los und schauen in die Mitte des Albums, namentlich auf ein Stück namens "Mr. White". Hier wird zwar nach wie vor stark bei AMARANTHE geklaut, vor allem im sehr gut gelungenen Ohrwurmrefrain, jedoch werden die Zutaten wie Wechselgesang und die modernen Riffs in eine Story um einen Crystal Meth Panscher (!) gepackt, die gerade den Wechselgesang zwingend nötig anstatt willkürlich erscheinen lässt. Und allein mit diesem Song beweisen TEMPERANCE handwerklich wie kompositorisch, dass sie die stark nachlassenden AMARANTHE spätestens auf dem nächsten Album hinter sich lassen können. Auch die späteren "Burning", die Vorabsingle "Me, Myself & I" oder "Get A Life" sind perfekt arrangierte, technisch anspruchsvolle Kracher mit Mitgrölparts on Top, bei denen man den Spaß der Truppe an genau dieser Art von Musik spüren kann.

Von einer eins zu eins Kopie kann man indes nicht mehr sprechen. Man höre sich den Opener "Oblivion" an, der fast schon progressiv anmutet und mit gleich mehreren Hooks und variablem Gesang von Frontröhre Chiara Tricarico aufwarten kann. Im folgenden "Amber & Fire" werden fernöstliche Klänge in den Bandsound integriert und selbst die Ballade "Omega Point" klingt wesentlich eigenständiger als zuletzt. Im finalen "Limitless" wird mit Melodic Death Metal Passagen (ja, Death Metal, kein Core) der Härtegrad auf die Spitze getrieben. So hört sich Abwechslung an.

Eine gewisse Vorliebe für Trash benötigt man allerdings immernoch, um dem Gesamtkonzept von TEMPERANCE etwas abgewinnen zu können. Kirmestechnofreunde der Früh-Neunziger werden bei BLÜMCHEN-Intros wie bei "Here And Now" in freudiger Nostalgie schwelgen, während den Traditionalisten die Schamesröte im Gesicht aufsteigen wird. Man muss halt wissen, auf was man sich einlässt.

Fazit: Das Projekt "Weiterentwicklung" ist auf "Limitless" geglückt. Auch wenn AMARANTHE immernoch allgegenwärtig sind, beweisen TEMPERANCE inzwischen genug Eigenständigkeit und übertrumpfen die Vorgänger in punkto Hits und Abwechslung. Der richtige Weg wurde eingeschlagen, die nächsten Alben dürfen mit Spannung erwartet werden, wenn die jetzige Konsequenz beibehalten wird.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (08.05.2015)

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