FROSTTIDE - Blood Oath

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VÖ: 27.02.2015
Bandinfo: FROSTTIDE
Genre: Folk Metal
Label: Noiseart Records
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Lineup  |  Trackliste

Was hat mich "Awakening" im Jahr 2013 überrascht. Nachdem FROSTTIDE für mich bis dahin stets ein billiger ENSIFERUM-Abklatsch waren, haben sie bis zum Debüt einen bemerkenswerten Sprung hingelegt und landeten musikalisch irgendwo zwischen den Schwerttragenden, WINTERSUN, EQUILIBRIUM und TURISAS. Allerdings mit durchaus spür- und hörbarer eigener Note. Was da seinerzeit nicht mithalten konnte, war die Produktion bzw. das Mastering, wodurch vor allem die Gitarren allzu häufig vom Keyboard ersäuft wurden. Da hat man sich für den Ende Februar erscheinenden Zwilling "Blood Oath" (ein lyrisches Prequel) mehr vorgenommen und konnte mit Mika Jussila (Finnvox Studios) einen renommierten Soundbastler engagieren. Aber reicht das aus?

Jedenfalls lässt sich Keyboarder Felipe Munoz stolz zitieren, man sei "wirklich gewachsen" und nun "findet alles auf dem nächsten Level statt". Selbstbewusste Töne, aber das ist vermutlich auch nur normal, wenn man als Newcomer auf einer gemeinsamen Tour mit Szenegrößen schon tosende und einen feiernde Fanscharen vor der Bühne sieht, wo andere Emporkömmlinge noch gähnende Leere bespielen müssen und deutlich im Schatten der Headliner stehen.

Verdient ist das durchaus, denn FROSTTIDE sind auf dem Teppich geblieben, trieben sich seit ihrer Gründung in diversen Internetportalen rum, haben Kritik bzw. Anregungen entgegen genommen und scheuen die Weiterentwicklung daher nicht. Typisch finnisch bodenständig eben und typisch finnisch legen die Jungspunde auf "Blood Oath" nach dem atmosphärischen Prolog auch direkt mit dem Titeltrack los, der direkt mal deutlich satter aus den Lautsprechern feuert und mit einer Melodieführung vorlegt, für die Bands aus dem Land der tausend Seen überwiegend bekannt sind. Dazwischen die mittlerweile ebenfalls handelsübliche Rezeptur: Symphonische Keys, Chöre, folkige Cleangitarren, flirrende Soli.

Das klingt erstmal arg gewöhnlich, aber FROSTTIDE haben es bereits auf "Awakening" geschafft, das Ganze mit einem frischen Anstrich und vor allem viel Energie zu würzen, sodass man zwar durchaus wusste, woher sie ihre Inspiration beziehen, man sie aber trotzdem von ihren Vorbildern unterscheiden konnte. Das gelingt auch auf "Blood Oath", dafür bekommt man in "Gates Of The Asylum" und "Fate Redifined" aber schnell das Gefühl, man hätte es hier mit guten B-Seiten des Debüts zu tun - ein von der Band nicht betitelter Song aus der Songwritingphase des Debüts soll es ja auch auf den Zweitling geschafft haben. Der lässt sich aufgrund der Gleichförmigkeit des Materials allerdings nur schwerlich identifizieren, wobei sich das alles schlimmer liest, als es tatsächlich ist. Bis hin zu "Traitor Within" funktioniert diese epische Mischung nämlich auf unterhaltsamer Ebene gut.

Dem Longtrack "New Reign" und "Winds Of Winter's Call" geht danach leider ein wenig die Luft aus, wodurch man klar merkt, in welchen Bereichen bei FROSTTIDE noch Verbesserungsbedarf herrscht und, dass sie sich bei Vorbildern wie WINTERSUN hauptsächlich in Kernbereichen (Songwriting bzw. Songaufbau) noch das ein oder andere abgucken können. Wenn man nun aber bedenkt, wie blutjung FROSTTIDE nach wie vor sind, ist das trotzdem weit mehr als man anfangs vielleicht für möglich gehalten hat. Denn trotz einer gewissen (und definitiv verzeihbaren) Stagnation ist "Blood Oath" ein wuchtig produziertes, ordentliches Album im Stile epischen Folk Metals, das mich auch aufgrund der Unbekümmertheit/Unsouveränität deutlich mehr bewegt, als es die neue ENSIFERUM-Platte "One Man Army" beispielsweise tut. Und damit allein ist FROSTTIDE im Jahre 2015 schon ein Achtungserfolg gelungen, auf dem sich aufbauen lässt. Die Jungs sind talentiert wie auch lernwillig und werden - so sollten sie sich nicht irgendwie verkrachen und infolgedessen auflösen - in Zukunft gewiss noch für Furore sorgen. Viele der heutigen Größen sind schließlich auch nicht als Meister vom Himmel gefallen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (19.02.2015)

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