Tanzwut - Freitag der 13.

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VÖ: 13.02.2015
Bandinfo: Tanzwut
Genre: Mittelalter Rock
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Wie sagte Charles Baudelaire einst? Die schönste List des Teufels ist, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt. Seit 2011 hat's der Teufel mitsamt seiner Mannschaft nicht mehr so mit Geheimnistuerei und die mittelalterliche Liedermaschine TANZWUT läuft wieder auf Hochtouren. Kein Anzeichen von Abstinenz, wuseln er und seine runderneuerte Mannschaft emsig, haben nach der stromlosen "Eselsmesse" bereits das nächste Werk im Anschlag. Im Jahre 2015 scheinen TANZWUT nun abergläubisch zu werden, denn die neue Rockplatte wurde auf "Freitag der 13." getauft und erscheint passend dazu am Dreizehnten im Februar - natürlich ein Freitag.

Und jetzt ratet mal, wie viel Songs diese Platte wohl fasst? Applaus. Das bleibt aber unter uns, sonst klopfen bald noch die TV-Sender bei mir an und wollen mich für ihre "geistreichen" Fragen zum Pausentee engagieren. Bloß nicht, der Journalistenjob macht in solchen Momenten wie diesem nämlich am meisten Spaß. War das Comeback-Album "Weiße Nächte" noch etwas durchwachsen und beliebig, hat die Berliner Mittelalter-Combo pünktlich zu ihrer "Höllenfahrt" wieder an Schwung aufgenommen und diesen auch mit in die Aufnahmesessions zu "Freitag der 13." genommen.

"Hereinspaziert, Manege frei", verkünden TANZWUT zu Beginn in "Brot und Spiele" und bilden mit kantigen Stakkato-Riffs und treibenden Sackpfeifen einen schmissigen Opener, dessen Hitlastig- und Livetauglichkeit direkt von "Brüder im Geiste" übernommen wird. Mit dem Titelstück dunkelt das Szenario der Thematik entsprechend dann allerdings ab, und entfesselt die Industrial-Komponente früherer Tage sowie mächtige NDH-Gitarren. Ähnlich ausgearbeitet sind auch "Ohne Sünde" und "Der Zeitdieb", die allerdings mehr auf ausgedehnte Refrains und Dudelsackmelodien bauen. Dazwischen klingt "Spielzeugland" wehmütig, "Die Zeit heilt alle Wunden" gar balladesk aus der Anlage - sichtlich bemüht um Abwechslung.

Genau das gelingt TANZWUT auf ihrem neunten Output auch erstaunlich gut. Folgte "Höllenfahrt" noch einem zuweilen limitierten Muster, kriegt man auf "Freitag der 13." eine größere und vor allem uneingeschränkte Bandbreite geboten. Diese reicht von teils trübsinnig, teils pathetischen Stücken wie "Vorbei ist vorbei" und "Niemals mehr" über mit beschwörenden Marktsackpfeifen unterlegte, eingängig-tanzbare Medieval-Rocker wie "Bis der Morgen graut", "Spiegelkabinett" oder auch "Des Teufels Braut" bis hin zu metallisch-industriellen Hybriden wie dem bereits zitierten Opener oder auch dem Titeltrack.

Da kann man TANZWUT bei 13 Songs auch die ein oder andere Länge nachsehen, die sich primär in den ruhigeren Stücken ab und an mal einschleichen. Trotzdem ist "Freitag der 13." ihr vom Songmaterial her am besten austariertes Album zwischen Aberglaube, Brüderlichkeit und schaurigen Geschichten, das zwar wieder vermehrt auf Industrial setzt, den Mittelalterhinstrumenten aber nach wie vor reichlich Spielraum bietet. Und auch wenn man die Einflüsse aus neuer deutscher Härte und Mittelalterrock vernehmen kann, sollte man stets bedenken, dass TANZWUT auch schon ein ganzes Weilchen in der Mittelalterszene auf dem Buckel haben und mit ihrem nach wie vor frisch klingenden Gemisch sowie ihrem einzigartigen Sänger Teufel auch weiterhin eine eigenständige Spielmannstruppe bleiben werden, die es sich zwischen etablierten Größen in einer eigenen kleinen Nische gemütlich macht. Pech hat da am 13. Februar also nur der, der Fan dieser Gattung ist und sich dieses Must-Have nicht zulegt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (06.02.2015)

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