Saor - Roots

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VÖ: 30.01.2015
Bandinfo: SAOR
Genre: Pagan Metal
Label: Northern Silence Productions
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Lineup  |  Trackliste

Im Mai 2014 war es, da machte mich "Aura" völlig baff. Daran hat sich wenig geändert. Dieses perfekte Kunstwerk rotiert auch Monate später noch häufigst im heimischen CD-Player, dient nach der Arbeit zur Entspannung, entführt in die mystische, wundervolle Natur Schottlands - die Highlands. Um die geht es auch im Vorgänger, der Anfang 2015 durch Northern Silence neu veröffentlicht wird. Allerdings als SAOR. ÀRSAIDH ward, wie bereits im letzten Sommer erzählt, Geschichte. Aber warum wird "A Highland Lament" nach nicht einmal drei Jahren nochmal aufgelegt?

Die offizielle Begründung, die Andy Marshall seinerzeit zur Umbenennung seines Projektes lieferte, war, dass sich SAOR einfacher aussprechen ließe. Okay. Gleichzeitig bedeutete das aber auch den endgültigen Weggang von einem einschlägigen deutschen Label, welches ihn alleine schon durch seinen Ruf bzw. die Kreise, die es bedient, in eine Sparte steckte, in der er vermutlich gar nicht verweilen mochte. Darüber lässt sich natürlich vortrefflich diskutieren, zumal es dem modernen Zeitgeist entspricht, mahnend und selbstgefällig den Zeigefinger gegen Personen zu erheben, die man nicht mal ansatzweise kennt. Der Abgang von einem zweifelsohne bedenklichen Plattenlabel hin zu einem harmlosen muss in diesem Falle genügen. Wem das nicht reicht: Es gibt noch viele andere Bands, habe ich mir sagen lassen.

Nicht ansatzweise so streitbar wie dieses Thema ist wie schon auf "Aura" die Klangwelt von "Roots". Dieses erscheint in seinem Gesamtbild aber ruppiger und anklagender, in der Stimmung minimal düsterer. So fällt schon im Opener und Titeltrack auf, dass sich ÀRSAIDH und SAOR bislang nicht nur im Namen unterschieden, sondern auch in musikalischer Hinsicht. Die Mischung aus Post Rock und atmosphärischen Black Metal ist zwar auch hier das Grundgerüst, doch Flöten, Klargesänge und Chöre zum Beispiel müssen hier noch deutlich zurückstecken bzw. hintergründiger auftreten als man das vom geistigen Nachfolger "Aura" gewohnt ist. Dies tut der eindringlichen Stimmung auf "Roots" allerdings keinen Abbruch und außerdem kann man auf diese Weise wunderbar erkennen, in welchen Punkten sich das Projekt weiterentwickelt und das Soundbild somit ausgebaut hat.

In zwei Punkten aber sind sich alle Marshall-Projekte bisher eins: In der Dynamik und der Emotionalität. Und genau das hebt seine Kunst auch von den meisten anderen Genrevertretern ab. Andy schafft es auch auf "Roots" wie kein Zweiter, mit viel Talent und Geschick vergleichsweise rohe Schwarzmetallpfade mit malerischen Gesängen und Melodiebögen ("Carved In Stone") zu unterlegen und dadurch eine selten so vernommene, bildschöne Atmosphäre zu erzeugen. Der Faden reißt ihm auf diesem Weg nicht, denn das, was er schon zu ASKIVAL-Zeiten verstand, weiß er auch hier mit dem Interlude "Saorsa" und "A Highland Lament" zu meistern: Er erzeugt einen ununterbrechbaren Strom, der seinen Hörer in den Bann zieht, der bis zum Ende fesselt. Jeder Ton der Akustikgitarre, jede klangvolle Verschnaufspause, aber auch jeder Gefühlsausbruch kommt zur richtigen Zeit und so entfesselt bzw. ungezwungen das auch alles klingen mag, so zielbewusst agiert der junge Mann hier.

Wie sich zeigen sollte, hat er seine Qualität als Songwriter und glaubwürdiger Geschichtenerzähler auf dem Nachfolger "Aura" letztlich ja auch bestätigt. "Roots" hat seinem Namen gerecht die Grundlage dafür geschaffen und muss sich vor seinem Nachfolger grundsätzlich überhaupt nicht verstecken. Dieser gefällt mir persönlich zwar noch eine Nuance besser, ein Referenzwerk ist "Roots" in dieser Sektion allerdings trotzdem mühelos. "Roots" wird also nicht nur Liebhaber diverser Kapellen, die ich bereits in meiner "Aura"-Rezension erwähnt habe, ansprechen, sondern auch die, die SAOR längst ins Herz geschlossen haben und bereit sind, die etwas brüskere Seite, den Ursprung des Projektes zu erkunden. In der Neuauflage findet sich mit "Pictish Pride" übrigens noch ein Cover von AINSHVAL, welches sich wunderbar fügt und durchaus Mehrwert bietet. Ich wiederhole mich zwar ungern, aber auch für "Roots" gilt zweifelsohne: Unbedingt anchecken, ich verspreche nicht zu viel.



Ohne Bewertung
Autor: Pascal Staub (26.01.2015)

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