INCURA - Incura

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VÖ: 21.02.2014
Bandinfo: INCURA
Genre: Progressive Metal
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

"Gut Ding will Weile haben" sagt der Chef und behält damit Recht. Ein Kunstwerk, egal welche Sinne es anspricht, braucht eben seine Zeit. Dass Schnellschüsse zumeist nichts taugen, beweisen unzählige Releases. INCURA haben sich sogar ganze zehn Jahre Zeit gelassen, bis sie uns ihr selbstbetiteltes Debüt präsentieren können. Zwar war man in den vergangenen Jahren nicht untätig und nahm unter anderem diverse Demos auf, aber bis zum ersten vollwertigen Release verging eine stolze Weile. Wie gesagt, der Chef behält Recht.

Was INCURA da abliefern, ist so einfach nicht zu kategorisieren. Aufs Wesentliche reduziert liegt hier eine moderne Prog-Rock-Scheibe vor. COHEED & CAMBRIA fallen als Referenz ein. Mit mächtigen Abstrichen auch ALTER BRIDGE, zumal Sänger Kyle Gruninger wie eine jugendliche Version von Myles Kennedy klingt. Nur weitaus exzentrischer. Im wahnsinnig abgedrehten Stück "I Breathe This" klingt er sogar ein wenig wie MICHAEL JACKSON. Was dieser Kerl generell hinter dem Mikro abliefert, ist nicht anders als sensationell zu bezeichnen. Aber auch der Rest der Mannschaft liefert durchweg Großartiges ab. Royce Whittaker als Allrounder an der Gitarre zum Beispiel. Ob harte, metallische Stakkato-Riffs, halsbrecherische Soli, gefühlvolle Leads oder akustische Parts, alles liefert er in einer beeindruckenden Qualität. Beim ersten, unvoreingenommenen Anchecken der Platte ohne Blick auf Line-Up und Pressetext war ich davon überzeugt, dass hier zwei Gitarristen am Werk sein müssen. Weiterhin hervorgehoben werden muss die Arbeit von Keyboarder Jim McLaren. Er trägt einen wesentlichen Beitrag zum Klanggebilde INCURAs bei, da die Kompositionen durchweg symphonischer ausfallen als bei oben genannten Referenzen. Obgleich höchst theatralisch, spielt er sich nie in den Vordergrund. Da auch die anderen Mitglieder immer an der Grenze zum überweltlich Großen agieren, gehen alle Teilnehmer eine absolut stimmige Symbiose ein, die in einer lange nicht gehörten Intensität gipfelt.

Wie klingt das jetzt alles? Im Prinzip finden sich auf dem Album zehn Mini-Epen, die einzeln zu beschreiben gar nicht möglich sind und auch nicht sein sollen, da die vielen kleinen Überraschungen im Songwriting erheblich zum Hörspaß beitragen. Allerdings bekommt bei aller Vielfalt ausnahmslos jeder Song einen absoluten Killerrefrain spendiert, der das Songmaterial auch einer breiteren Masse zugänglich macht. Das mag an einigen Stellen vielleicht schon gen Radio-Airplay schielen, doch sind die Stücke an sich einfach zu komplex und schlicht zu hart, um der Band da irgendwelche Anbiederungsvorwürfe machen zu können. Nein, die Refrains geben den Songs ein Gesicht und verleihen ihnen die nötige Dramatik, um greifbar und nachfühlbar zu sein. Als Beispiel seien hier nur mal "Who You Are" und "Turning Blue" genannt. Hier bleibt beim ersten Hören einfach die Luft weg.

Fazit: Wow! Einfach nur wow! Höchstnote? Nicht ganz, denn da ist noch Potential für ein Vielfach-Wow! Sofern man nicht den Fehler begeht, einen Schnellschuss hinterherzuwerfen, so kann man sich die volle Punktzahl mit dem Zweitling fast schon sicher einholen!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (27.02.2014)

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