18.10.2014, Tonhalle München

ACCEPT + DAMNATIONS DAY

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 29.10.2014

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Nass und ungemütlich draußen, nicht weniger feucht aber dafür kuschlig warm drinnen - so konnte man den Samstagabend beschreiben, an dem ACCEPT in der Tonhalle München Audienz abhielten. Als Support hatten sie dabei die australischen DAMNATIONS DAY im Gepäck, die zum vermutlich ersten Mal auf europäischem Boden vorstellig wurden. 'Vermutlich' deswegen, da die Homepage von

DAMNATIONS DAY

wohl schon seit einem Jahr keine Updates mehr gesehen hat und die Tour mit den teutonischen Metal-Legenden dort demzufolge nicht einmal aufscheint. Die seit beinahe zehn Jahren aktiven Australier scheinen sich in ihrem Heimatland wohl schon eine ordentliche Fanbase erspielt zu haben, können aber bis auf das Album "Invisible, The Dead" aus dem Vorjahr noch keine Veröffentlichungen aufweisen.

Wie also schafft es eine hierzulande noch vollkommen unbekannte Band bei ihrem ersten Sprung über den großen Teich gleich im Vorprogramm einer legendären Band wie ACCEPT zu landen? Eines gleich vorweg - ich weiß es nicht. Am Songmaterial der Australier kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn das konnte nur wenig mitreißen, wie man den verhaltenen Publikumsreaktionen entnehmen konnte. Zumindest den Reaktionen während der ersten drei Stücke, nach denen die Fotografen unisono nicht nur aus dem Graben, sondern gleich komplett aus der Halle gekehrt wurden. Immerhin konnte man leichte Anklänge von EVERGREY in den ersten Songs feststellen, wohingegen "I Am" heavier, mit Thrash-lastigem Riffing um die Ecke kam. Das Ganze wurde von den sympathischen, wie es aussah noch eher jungen Herren technisch gut dargereicht und auch die Bühnenpräsenz kam sehr sympathisch rüber. Alleine Technik und Sympathie machen noch keine wirklich gute Band, wenn der Funke aufs Publikum einfach nicht überspringen will. Das tat er auch nicht während dem Rest des Auftrittes, wie von Seiten mehrerer Besucher bestätigt wurde. Selbst der höfliche Schlussapplaus blieb in weiten Teilen der Halle wohl eher verhalten, sodass man den Auftritt von DAMNATIONS DAY nicht gerade als Triumphzug bezeichnen konnte.

Setlist:

- Invisible, The Dead - The Meaning - I Am - Lucid Dreaming - Carried Above The Sun - Reaper

Umso triumphaler dafür der Einzug der teutonischen Metal-Legenden

ACCEPT

in die zwischenzeitlich fast bis auf den letzten Platz gefüllte Tonhalle. Die Mannen aus der Solinger Stahlschmiede kamen, sahen und siegten. Vom ersten Augenblick an ging das Publikum perfekt mit und grölte bereits zum Opener "Stampede", der live um einiges besser kam als noch auf CD, hingebungsvoll mit. Auch die folgenden "Hellfire" und "Stalingrad" vom gleichnamigen Album wurden abgefeiert als gäbe es kein Morgen. Derweilen kämpften vor der Bühne die Fotografen mit ihrem Equipment, das durch den erzwungenen Aufenthalt in der feuchten Kühle vor der Halle ausgekühlt war und mit stark beschlagenden Linsen den Durchblick erheblich erschwerte. Hätte man die Kameras nicht wenigstens in der Halle lagern können, anstatt rausgeworfen zu werden? Auch die zweite Diskussion mit der Security (die aber trotz allem stets freundlich und korrekt blieb) half nichts, als Fotograf wurde man erneut samt Equipment nach den obligatorischen drei Songs aus der Halle komplimentiert. Der nicht unbedingt kurze Weg zum Auto und wieder zurück quer durch den schön langsam erwachenden Kunstpark Ost sorgte dafür, dass sich die fotografierende Kaste erst wieder zu "Final Journey" in der Halle einfinden konnte. Dort wurde man gleich einmal Zeuge, wie ein etwas beschwipster Konzertgeher im vorderen Teil der Halle versuchte einen der Stützpfeiler der Halle zu erklimmen und dabei die Umstehenden mit Bier duschte. Der Versuch der Security den Klettermaxe von seinem Aussichtspunkt herunterzuholen artete schließlich in einer kleinen Rangelei aus, die dem erhitzten Besucher einen abkühlenden Platz vor der Halle einbrachte. Das war aber auch die einzige Störung der ansonsten friedlichen Stimmung bei der man auch so einige schräge Vögel erblicken konnte. Warum bitte bringt jemand einen Kegel (?!) zu einem Konzert mit? Dem Publikum, das vieles davon nicht einmal mitbekam, war's egal - es feierte zu Klassikern wie "Restless And Wild" und aktuellen Stücken wie "Dark Side Of My Heart" gleichermaßen. Wie immer beeindruckend der Publikumschor zu den Kultstückchen "Princess Of The Dawn" und "Metal Heart", sowie zum legendären 'Heidi-heido'-Intro von "Fast As A Shark" - obwohl man dazu innerlich noch immer die Heliumstimme von Udo Dirkschneider hörte, gelang es Mark Tornillo live locker den "German Tank" vergessen zu machen. Auch der Rest der Truppe präsentierte sich auf der Bühne trotzdem die biologische Uhr nicht stehen geblieben ist spritzig und voller Elan und verwies mit ihrem Stage-Acting so manche jüngere Gruppe auf die Plätze. Nach dem abschließenden "Fast As A Shark" ließen sich ACCEPT von den lauten "Zugabe, Zugabe"-Chören nicht lange bitten, und erfreuten das Publikum im Zugabenblock mit "Teutonic Terror" - wie über den ganzen Abend hinweg in perfektem, ultrafetten Sound. Mit dem Kult-Brecher "Balls To The Wall" fand der Konzertabend schließlich seinen krönenden Abschluss und jedermann konnte verschwitzt und zufrieden wieder heimkehren.



Setlist:

- Stampede - Stalingrad - Hellfire - 200 Years - Losers And Winners - London Leatherboys - Starlight - Dying Breed - Final Journey - Shadow Soldiers - From The Ashes We Rise - Restless And Wild - Ahead Of The Pack - No Shelter - Princess Of The Dawn - Dark Side Of My Heart - Pandemic - Fast As A Shark - Metal Heart - Teutonic Terror - Balls To The Wall Bloß mit der Heimkehr dauerte es dann ein bisschen, bis man aus dem Verkehrsgewühl des Kunstpark Ost wieder draußen war. Bis auf die ohnehin zu voraussehen gewesene Wartezeit bei der Parkplatzausfahrt und die ungünstigen Umstände für Fotografen, war dieser Samstagabend aber ein schönes, rundes Konzerterlebnis - selbst wenn die Vorband ein wenig fehl am Platze war. Hier hätte man durchaus auf ein etwas griffigeres Aufwärmprogramm zurückgreifen können, denn die Gefahr dass jemand ACCEPT die Show gestohlen hätte, bestand zu keiner Sekunde des Abends.


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