05.07.2014, Bäckerberg

Sick Midsummer 2014

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 14.07.2014

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Am beschaulichen Bäckerberg, eingebettet in die wunderbare oberösterreichische Naturkulisse von Scharnstein, ging dieses Jahr zum fünften Mal das Sick Midsummer Festival über die Bühne. Ursprünglich, wie der Name schon sagt, rund um die Sonnenwende angesiedelt, wurde das kleine, aber sehr feine Festival mit Ausrichtung auf Black und Death Metal wegen Terminkollisionen dieses Jahr in die erste Juliwoche verlegt. Die in einem Vierkanthof mitten im Nirgendwo (und das ist wörtlich zu nehmen, legte man die letzten Kilometer doch auf teilweise nur noch geschotterten Güterwegen zurück!) stattfindende Veranstaltung präsentierte sich gut organisiert, Parken und Einlass funktionierte reibungslos, und selbst ein kleiner Campingplatz für die mit Fortdauer des Abends größtenteils nicht mehr fahrtüchtigen Besucher stand zur Verfügung. Angenehme Besucherzahlen (voll, aber nicht überfüllt) sowie äußerst moderate Preise bei Essen und Getränken machen das Festival zu einem kleinen Geheimtipp - man merkt, dass hier Metalheads mit Herzblut im Einsatz sind, und es ist wohl ein Statement der Extraklasse, dass den Besuchern nebst einer amtlichen Gulaschkanone über dem offenen Feuer (die aber Chili Con Carne enthielt) sogar selbstgebackener Kuchen mit Sick-Midsummer-Logo kredenzt wurde. Daumen hoch für so viel Liebe zum Detail! Ach ja, neben der schönen Landschaft und der bodenständigen Bewirtung ging es natürlich auch noch um Musik! Einziger Wermutstropfen für so einige Besucher war hier die kurzfristige Absage des norwegischen Headliners RAGNAROK, denen kurz zuvor Fronter Hans Fyrste Lebewohl gesagt hatte. Als Last-Minute-Ersatz konnte die schwedische Black Metal-Formation VALKYRJA als Co-Headliner gewonnen werden. Dafür gab sich aber der heimische Melodic Death-Geheimtipp THIRDMOON nach sieben Jahren erstmals wieder ein Stelldichein auf der Bühne, was von nicht wenigen mit Spannung erwartet wurde.

Die unangenehme Aufgabe an diesem schwül-heißen Samstagnachmittag zu eröffnen, hatten die Linzer von

MAMMON

, die sich auf der Bühne redlich abmühten das sich größtenteils im Schatten des teilüberdachten Innenhofs verkriechende, noch nicht sehr zahlreiche Publikum auf Touren zu bringen. Dennoch wurde an allen Ecken der verstreuten Zuschauerhäufchen artig zu dem Black/Death Metal-Gebolze der Linzer Gruppe mitgewippt, und auch die ersten kreisenden Matten des Tages konnten gesichtet werden. MAMMON klingen nicht nur hart, sondern sind auch hart im Nehmen, wie Drummer Moe bewies, der den Gig offensichtlich mit verletztem Bein bestritt. Daumen hoch!

Setlist:

(Ohne Gewähr) - Rex Regum - Disillusioned - A Monument To Hypocrisy - Phosphoros - Peasants - Superstitio Illicita Mit

UNDER DESTRUCTION

aus der Steiermark gab es als nächstes Melodic Death mit einer kleine Prise Metalcore auf die inzwischen aufgewärmten Zuschauerohren. Auch von den Grazern ließen sich bereits so einige Fans dazu hinreißen die stehende Hitze mit wirbelnden Haaren ein wenig erträglicher zumachen, wiewohl sich trotz Aufforderung seitens der Band noch kaum jemand aus der angenehmen Kühle des überdachten Eingangs- und Barbereichs hinaus in die pralle Sonne vor der Bühne getraute. Doch davon ließen sich UNDER DESTRUCTION nicht die Laune verderben, und bretterten mit Vollgas durch ihr etwa halbstündiges Set aus Nackenbrechern wie "Origin Of The Blight", und verteilten nebenbei noch CDs und T-Shirts im Publikum.

Setlist:

(Ohne Gewähr) - Rapture - Nitrogen Narcosis - Declaration - Fire - Traitor - Ice - Origin Of The Blight - Truth - Mercy - Regret Von heißem Todesblei zu eiskaltem Schwarzmetall - als nächste war die Reihe an den bayrischen

MORGENGRAU

. Ausladend und mit Pathos vorgetragen gab es an den Kompositionen der Bayern wenig auszusetzen, aber durch die schiere Länge der Stücke und die Tatsache, dass die prinzipiell wohl stimmungsvollen Black Metal-Walzen im hellsten Sonnenschein und bei suboptimaler Soundqualität vorgetragen wurden, wirkte der gesamte Auftritt ein wenig surreal. Indes breitete sich aber auch vor der Bühne schön langsam Schatten aus und mit diesem kamen auch die Zuschauer erstmals dem Geschehen näher und lauschten andächtig dem dargebotenen Songmaterial der Corpsepaint-Träger.

Setlist:

(Ohne Gewähr) - Vom Dasein Meiner Kalten Seele - Kalte Finsternis - Stimme Der Vergeltung - Höllenfeuer - Epitaphe Griffig und tödlich wurde es danach bei

CRIMSON DEATH

- die feschen Schwaben punkteten sowohl klanglich als auch optisch auf allen Längen. Auch die Idee dem Gitarristen "Crimson" und dem Bassisten "Death" aufs weiße Unterhemd (original Huber Doppelripp!) zu malen und den Fronter mit gepinseltem Bandlogo auf gleichem Textil ins Rennen zu schicken gefiel und regte zum Schmunzeln an. Geradlinig und eingängig, mit einer deutlichen Schlagseite in Richtung rumpeligem Thrash, zeigte sich das Material der vier in Stuttgart beheimateten Herren und knallte dabei so richtig derb in die Fresse - woran auch die sehr laut abgemischten, aber dabei auch richtig kernigen Vocals einen Anteil hatten. "Once They Tasted Blood" - einmal Blut geleckt, ließ sich auch das Publikum mitreißen und die Haarpropeller im Zuschauerbereich vermehrten sich stetig. Eine willkommene Abkühlung ob der noch immer im oberen Bereich des Thermometers angesiedelten Temperaturen.

Setlist:

(Ohne Gewähr) - Breaking Out To Kill - Rotten Kingdom - Awakening - Once They Tasted Blood - Starving - Chainsaw Forever - I Am Death

Den Exotenbonus am Sick Midsummer hatten

PANYCHIDA

, die entgegen der sonstigen Ausrichtung des Festivals (Einheimisches und Nordisches) aus der Reihe fielen, da aus Tschechien stammend. Auch musikalisch wanderte die Band mit dem schwer auszusprechenden Namen auf abwegigeren Pfaden, aber präsentierte sich dabei auch sehr wandelbar. Zwischen wütendem Gekreische und irrem Tempogebolze zeigten sich vermehrt ruhigere Momente und Mid-Tempo-Einschläge, und sowohl Clean-Gesang als auch folkloristische Instrumentierung (die, stellenweise extrem im Vordergrund stehend, bisweilen and die Humppa-Könige KORPIKLAANI erinnerte) fanden ihren Platz. Eine interessante, höchst faszinierende Mischung, die aber an diesem Abend ob der generellen Ausrichtung des Festivals nur wenig Zuspruch fand, zumal durch die sehr leisen Vocals auch die Ansagen zwischen den Songs kaum zu verstehen waren. Eigentlich schade für die Band, die auf der Bühne richtig Gas gab. Bei

DARKFALL

kann eigentlich nichts schiefgehen - sofern nicht die Technik w.o. gibt. So geschehen, als Drummer Thomas schon bei den ersten Takten sein Pedal schrottete. Die daraus resultierende Verzögerung sorgte dafür, dass DARKFALL ihr Set mit wenigen Ansagen ohne Rücksicht auf Verluste durchprügelten und dem Nacken des Publikums dabei keine Pausen gönnten. Die Zuseher nahmen die Dreiviertelstunde Dauerbeschallung von Death/Thrash der Marke DARKFALL sehr gut auf und ließen die Matten gnadenlos rotieren. Ein recht knackiger, aber überzeugender Gig der Grazer!

Setlist:

(ohne Gewähr) - Phoenix Rising - War Has Come - Fading Away - The Gods Await - Rise To Dominate - Land Of No Return - Misery Of Peace - Peacemaker Mit

SELBSTENTLEIBUNG

betrat sodann der heimliche Headliner die Bühne - pardon, die Mannen rund um Tötung betraten die Bühne nicht einfach - sie erschienen. Irgendwo zwischen Agonie und Depression, gnadenlosem Hass und grenzenloser Wut kreierten die Wiener eine Magie, der man sich nur schwer entziehen konnte. Nicht umsonst präsentierte sich der gemütliche Innenhof bei SELBSTENTLEIBUNG dicht bepackt mit Zusehern, die der stimmungsvollen Zelebrierung des höllischen Liedguts beiwohnen wollten. Kristallklarer Sound wie an diesem Abend noch nicht gehört, donnernde Drums, sägende Gitarren und gnadenloses, bis ins Mark schneidendes Kreischen untermalten den ersten und einzigen Moshpit des Abends - selbst der Himmel verdunkelte sich zu den nihilistischen Klängen und schickte finstere Gewitterwolken vor die untergehende Sonne. Ein wahrlich beeindruckender Auftritt von SELBSTENTLEIBUNG und eine ganz klares Statement, dass es sich wirklich lohnt, sich diese Band einmal live zu geben - selbst wenn man dem schwarzmetallischen Bereich ansonsten nicht so zugetan ist. Überzeugt euch selbst!

Nach dem tödlichen schwarzmetallischen Ernst hatten

THIRDMOON

einen schweren Stand. "Wer san denn de?" fragten so einige jüngere Semester im Publikum, während einige Metalheads fortgeschrittenen Alters bereits in glückseliger Erwartung schwebten. Seit sieben Jahren hatte man die Mannen rund um Wolfgang Rothbauer nicht mehr auf den Bühnen erblicken dürfen, doch rechtzeitig zum 20-jährigen Jubiläum kroch die Formation aus ihren finsteren Kellern und gab sich ein Stelldichein am Sick Midsummer. Mit zur zwei Proben aber dafür jeder Menge Bier intus pfiff die grundsympathische Formation auf alle Konventionen und brachte Leichtigkeit und Spaß zurück ins oberösterreichische Scharnstein. THIRDMOON gingen vom locker-lässigen Soundcheck quasi direkt über in den Opener "Cartharsis In Azure". Trotz einiger technischer Schwierigkeiten ("I hör mi net!") und anfänglich lauten, dann wieder etwas matschigen Gitarren zeigten sich die fünf Vollblutmusiker professionell und ließen sich nicht davon abhalten so richtig Spaß auf der Bühne zu haben. Fronter Wolfgang unterhielt das Publikum mit ausschweifenden, witzigen Ansagen und lockerte die Stimmung damit auf. "Red net, spü!" schallten ungeduldige Rufe aus dem Publikum - und THIRDMOON taten genau das und schwangen pflichtbeflissen Abrissbirnen wie "Nothing" in die Menge. Mit "Kaleidoscope Of Mourning" und "Thy Forth Kill" waren auch noch zwei brandneue Songs am Start, die vom Publikum sehr gut aufgenommen wurden. Ein weiteres Highlight nach dem beeindruckenden Auftritt von SELBSTENTLEIBUNG, eine trotz kleineren technischen Schwierigkeiten (die ihnen aber nach nur zwei Proben gegönnt seien!) so souveräne und vor Freude sprühende Band zu sehen. Musik ist nicht todernst, sondern soll Spaß machen - genau das beweisen THIRDMOON eindrucksvoll! Mehr davon, und bitte nicht erst wieder in sieben Jahren! Die Fotos des Auftrittes findet ihr natürlich auch auf Stormbringer: http://www.stormbringer.at/pics.php?id=796

Setlist:

(Ohne Gewähr) - Catharsis In Azure - Scargod - Nothing - Crawl Through Subspecies - Kaleidoscope Of Mourning - Dimorphic Cynosure - Thy Forth Kill - Persecution - Blood For Blood - Obsolete Scars Nach dem einnehmenden Auftritt brauchte der Nacken erst einmal eine Pause, um für die anschließenden

VALKYRJA

bereit zu sein. Die aufstrebenden Schweden sprangen bekanntlich für den wegen Personalproblemen kurzfristig abgesprungenen Headliner RAGNAROK ein und machten ihre Sache auch sehr gut. Nur fühlte man sich sowohl beim Posing als auch bei dem Songmaterial häufig an WATAIN erinnert und konnte sich selten des Gefühls erwehren, das Ganze schon einmal irgendwo gesehen oder gehört zu haben. Zudem sorgte der Bühnenaufbau der Schweden (Stimmungsvoll mit Fackeln) für eine weitere Ausdehnung der Verzögerung, die sich seit dem Pedalbruch von DARKFALL und den technischen Problemen von THIRDMOON aufgebaut hatte. Das Alles in Summe sorgte dafür, dass gegen Ende des soliden, aber bei weitem nicht so stimmungsvollen Gigs wie bei SELBSTENTLEIBUNG, das Publikum schön langsam abzuwandern begann.

Setlist:

(Ohne Gewähr) - Betrayal Incarnate - The Cremating Fire - Laments Of The Destroyed - The Vigil - Welcoming Worms - Madness Redeemer - Eulogy - The Womb Of Disease - Oceans To Dust - Frostland

Mit beinahe einer Dreiviertelstunde Verspätung setzten schlussendlich

THYRGRIM

den Schlusspunkt des Sick Midsummer 2014. Die Schwarzwurzeln aus dem deutschen Oberhausen beeindruckten auf der Bühne schon ob ihrer schieren Körpergröße - einer Kante wie Sänger Kain möchte man nicht begegnen wenn der mal sauer ist... Eiskalt und pfeilschnell schossen THYRGRIM ihren stimmungsvollen, deutlich melodischer ausfallenden Black Metal ins Publikum und zeigten sich dabei eingängiger und wandelbarer als ihre schwedischen Vorgänger in der Running Order. Auch die ruhigen Töne kamen bei THYRGRIM nicht zu kurz, was die dichte Atmosphäre von Songs wie "Kniet nieder" ein wenig auflockerte. Das zur vorgerückten Stunde noch verbliebene Publikum nahm den Höllenritt mit melodisch-melancholischen Zwischenspielen deutlich besser auf als das Gebolze der Schweden und sah so einen gelungenen Abschluss eines grandiosen Festivals.

Setlist:

(ohne Gewähr) - Verräter - Die Erlösung - Des Menschen Feind - Bare døden - Kniet nieder - Endzeit - Mørket av Frykt Das Sick Midsummer Festival kann man ohne Übertreibung als einen Geheimtipp der heimischen Festivalszene bezeichnen. Vom Ambiente bis zum Publikum passt hier alles. Und wem die stilistische Ausrichtung des Festivals zusagt, der sollte sich nicht scheuen die Expedition ins oberösterreichische Scharnstein anzutreten (Navi oder GPS sind hier Grundvoraussetzung!) - er wird mit einer kleinen, gemütlichen Veranstaltung belohnt, die sich wohltuend vom "größer-höher-weiter"-Wahn vieler Veranstalter abhebt. Da kommt man gerne wieder.


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