03.-06.08.2022, Wacken Festival Area, Wacken

Wacken Open Air 2022 – Return to the Acker – Kapitel 2

Text: Frauke Ross, Jazz Styx
Veröffentlicht am 12.08.2022

Nachdem sich unser Heldenquartett am Mittwoch endlich vervollständigt hatte, wurden einige große Schlachten geschlagen, nordische Götter geehrt, Schönheit bewundert, das Wackinger-Village durchstreift und vor Wasteland-Raiders geflohen. Nachzulesen im ersten Kapitel der diesjährigen Chroniken des Krachs, dem Fantasy-RPG-Livebericht vom Wacken Open Air. Nun beginnt der Freitag.

Freitag

Die erste Freude des Freitags war leichter Regen. Der erste Kampf des Freitags war der gegen die leere Spirale aus Italien. LACUNA COIL sind ein Monster, das halb aus Quetschen, halb aus Grollen besteht – Alternative Metal aus der Gothic-Ecke. Die Musiker an den Instrumenten tragen äußerst ansprechendes Make-Up und erzeugen auch einen hervorragenden Sound. Bei den Stimmen scheiden sich dann die Geister. Aber ins aktuelle Werk „Black Anima“ kann man ruhig mal reinhören. Obwohl wir ohne Dr. DK kämpfen, fällt uns diese Begegnung leicht. Nicht zuletzt, weil wir angenehme Unterstützung vom perfekten Festival-Regenbogenwetter unterstützt werden.

Unabsichtlich taumele ich alleine, aber voller Met und Wodka durch die Kampfgebiete und bin erstaunt, wie unglaublich gut das Stoner-Ungetüm ist, an dem ich dort vorbeiziehe. CLUTCH erzeugen einfach Stimmung. Freiwillig wäre ich dort eigentlich nicht gelandet, aber in Zukunft werde ich die mehr auf dem Zettel haben!

Aber eigentlich will ich ja zu THE O'REILLYS AND THE PADDYHATS, einer irischen Bande, die das Wackinger-Dorf überfallen hat. Wie gewohnt, wie zu erwarten, wie immer ist das ein grandioser Höhepunkt. Nichts auf diesem Wacken Open Air hat mehr Spaß gemacht, als diesen Folk-Punk so tief zu spüren, das das Blut grün wird. Tanzen, tanzen, tanzen! Allein, zu zweit oder mit allen in der Wall of Folk! Hört euch „Dogs On A Leash“ und auch die vorherigen Alben an und feiert mit den PADDYHATS das bittersüße Leben! Einfach perfekt!

Noch voller Motivation, aber schon stark abgekämpft von den Iren, begebe ich mich alleine zu einem Monster, das niemand hier in Wacken erwarten würde: ein rappendes Krokodil. Ich begegne noch einem befreundeten Eisriesen und wir stürzen uns in den Tumult, von dem ich eigentlich nur ein paar Minuten mitnehmen wollte, dann aber doch für die ganze Schlacht blieb. Auf der Louder Stage ist eine kleinere Bühne, die Mega Stage, aufgebaut, die im Laufe des Konzerts abgetragen wird. ALLIGATOAH ist für seine besonders geistreichen Texte bekannt, die nun endlich zu harter Musik erklingen. Also kluger Hip-Hop zu Metal Musik. Fuck yeah! Und mit welcher Sicherheit er auf diesem Metal-Event seine eigenen Zeilen auslässt! Wohl wissend, dass das gesamte Publikum mitsingen kann und keine Lücken entsteht! Und voll ist es! Beeindruckend! Wirklich beeindruckend! All jene, die sich dafür zu trve sind, können sich stattdessen ja HYPOCRISY oder SATAN geben – letzteren übrigens im Doppelpack mit LUCIFER: Welches Höllenportal hat sich denn da geöffnet?!

Gern hätte ich noch den Zwergen von WIND ROSE einen Besuch abgestattet, aber meine Energie ist leider noch unfassbar endlich, sodass ich erst etwas später mit zwei meiner drei Mitstreiter zusammen wieder bei IN EXTREMO in den Kampf gehe. Doch da der „Vollmond“ schon früh aufgeht und auch mein Wunsch nach „Liam“ bald erfüllt ist, trete ich eine frühe Reise zurück ins Lager an, um mich der schweren Aufgabe zu stellen, eine Dose Ravioli zu essen. Dank unglaublich freundlicher Nachbarcamps ist die Dose bald offen und auch Feuer gefunden. Kraftlos, aber sehr zufrieden schlafe ich so früh ein wie nie zuvor auf Wacken.

Andere werden mir später voller Begeisterung von SLIPKNOT, MANTAR und IMPERIUM DEKADENZ erzählen, die ich leider verschlafe.


Samstag

Der letzte Tag des Wacken Open Air 2022 beginnt, doch meine Energie ist aufgebraucht. Ich reiße mich mit aller Kraft zusammen, doch zu den Bühnen schaffe ich es an diesem Tag nur für einen einzigen müden Kampf. Und dann nicht einmal zu NEAERA, auf die ich mich sehr gefreut habe, sondern „nur“ zu ORDEN OGAN, deren Programm zwar nicht schwach ist, aber für meinen Geschmack nicht gerade Festivalfinalniveau hat. Zum Glück scheinen da viele anderer Meinung zu sein, denn das Infield ist alles andere als leer.

Feiert noch, kämpft die letzten Schlachten, bleibt gesund! Ich verabschiede mich in die Erschöpfung. Der Fluch sitzt noch zu tief, die Kräfte sind noch zu endlich. Für ein paar schöne Gespräche unter Lagernachbarn reicht es noch, aber nicht mehr für ARCH ENEMY, INFECTED RAIN oder POWERWOLF. Ich sattele meinen (Draht-) Esel und lasse den heiligen Acker hinter mir. Vollkommen KO, aber glücklich, doch noch dort gewesen zu sein. Ich hätte Wacken sonst sehr vermisst. Tschüss und bis nächstes Jahr. Dann sicher mit mehr Energie auf meiner Seite.

Erstes Kapitel verpasst?


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