03.-06.08.2022, Wacken Festival Area, Wacken

Wacken Open Air 2022 – Return to the Acker – Kapitel 1

Text: Jazz Styx | Fotos: Frauke Ross
Veröffentlicht am 11.08.2022

Die Welt des wohl bedeutenden MMORPG (Massive Metal Offline Reality Playing Game) der Metalwelt – das Wacken Open Air – lag seit Jahren unter einem finsteren Fluch, der zu grausam wütete, um ihn in scherzhaften Formulierungen zu bagatellisieren. Und so dauerte es drei entbehrungsreiche Jahre, bis die Heldentruppe, die sich zuletzt 2019 so tapfer schlug, wieder auf den Acker des Metals zurückkehren konnte. Doch nur wenige Tage vor ihrer Ankunft auf dem Holy Ground geschah das Unfassbare: Die Elfenprinzessin wurde von eben jenem grausamen Fluch erfasst. Mussten die restlichen Helden sich ganz allein der großen Schlacht stellen? Allein die Monster bezwingen? Allein zum Spielball der Metal-Elemente werden?

Seid gegrüßt, liebe Leserinnen und Leser. Willkommen zu den Chroniken des Krachs, Buch zwei, Return to the Acker, Kapitel 1. Ich bin es, eure Elfenprinzessin. Ich werde euch von einem Wiedersehen mit dem Wacken Open Air berichten, wie es noch nie zuvor erwartet wurde. Doch zunächst stelle ich den Vergesslichen unter euch unsere Protagonisten und Protagonistinnen erneut vor, damit ihr zu würdigen wisst, wer für euch in die Schlacht gezogen ist. (Detailliertere Informationen gibt es im Prolog des ersten Buchs der Chroniken des Krachs.)

Ich bin Jazz Styx vom hohen Geschlecht der nordischen Waldelfen, Prinzessin und Chronistin des Krachs. Mein Talent liegt in der Magie der Worte und des (Besser-) Wissens, doch ich bin noch immer schwer angeschlagen von meinem Kampf gegen jenen finsteren Fluch, der unsere Welt seit Jahren belastet. Ich feiere meinen 15. Besuch des W:O:A.

Mir zur Seite steht Rainwarriorking, Stratzmeister und Canwithahammersmasher Beeroy Henkins. Er ist unser Nahkämpfer, unser Tank und steht nicht nur in der Schlacht in der ersten Reihe, sondern auch dann, wenn es heißt, Erstkontakte zu fremden Helden herzustellen. Seine Wahlheimat ist das verregnete Inselreich im Westen. Für ihn ist es bereits das 20. W:O:A.

Auch Dr. Ju DK, ihres Zeichens Mage of Mind und Psy-Torture-Queen, ist entgegen aller Wahrscheinlichkeiten wieder zugegen, obwohl sie dafür eine Reise aus dem selbstgewählen Exil antreten musste, das etwa 7.000 Kilometer weit im Süden liegt. Ihre Belastbarkeit ist noch von den ziemlich süßen Folgen eines dämonischen Parasitenbefalls geschwächt. Sie hat bereits 10 mal das W:O:A besucht.

Vollständig wird jede Gruppe doch erst durch einen Barden. Unserer jedoch trägt einen Namen, der vom Ende der Zeit widerhallt: Iceburner, -burner, -burner. Mit der Ukulele unterm Arm und dem Schalk im Nacken setzte er schon vor vielen Tagen seine prachtvolle Kutsche auf Nordkurs, um Wacken wieder zu einem sicheren – oder albernen? – Ort zu machen. Die geschichtsschreibung hat keine ausreichenden Daten, wie oft er bereits das W.O:A besucht hat; vielleicht öfter als es je stattgefunden hat?!

Und tatsächlich kam es wie befürchtet. Iceburner, Dr. Ju DK und Beeroy Henkins mussten die Elfenprinzessin auf dem Krankenbett zurücklassen und allein das Basislager unweit jenes Ortes aufschlagen, an dem die kommenden Tage die Hölle über sie hereinbrechen würde. Später berichteten die drei mir von unglaublichen Taten und verrückten Kontakten. Das Trio absolvierte bereits ein Kampftraining beim Heimorgelgott und Metalimitateur MAMBO KURT. Es sei wie immer gewesen, was wohl auch das Problem an KURT ist: Die erste Begegnung mit ihm ist umwerfend. Dann nimmt es von mal zu mal immer weiter ab. Schade. Kult ist er trotzdem! Insbesondere Henkins habe große Opfer gebracht, als es darum ging, einer Gruppe Mexikaner ihren destillierten Agavensaft wegzutrinken.

Mittwoch

So wurde es Mittwoch, bis endlich das kleine rote Mal auf einem weißen Balken vollständig verblichen und der Fluch gelöst war: Ich konnte mich auf dem Weg zum Metalmekka machen. Eine Reihe Dimensionsportale später sitze ich auf einem schwer beladenen geliehenen (Draht-) Esel, der mich durch die Hitze über den Acker trägt. Im Lager meiner Mitstreiter angekommen falle ich zu Boden und küsse das Gras in tiefer Dankbarkeit, dieses großartigste aller Events doch noch miterleben zu dürfen. Natürlich bin ich noch nicht wieder belastbar und trinke daher nicht … bis ich zehn Minuten später merke, dass sich das Ganze nicht ohne Alkohol/Heiltränke durchhalten lässt.

Vor den kommenden Schlachten findet ein Tanz- und Sangritual statt, in dem wir Odin, Thor, Njord, Tyr und alle weiteren ehren, die die Geschicke unserer anstehenden Gefechte lenken. BROTHERS OF METAL sind jene legendären Krieger des Nordens, die den Takt dabei angeben. Selbstredend liefern die Geschwister eine überragende Show, die aus vielen tausend Kehlen wiederhallt, aber leider ist die Akustik vor der Louder-Stage eher an der unteren Grenze dessen, was man wackenwürdig nennen kann. Nichtsdestoweniger fühlen wir uns alle glücklich und gesegnet, diese Zeit mit den höchsten aller Priester erlebt zu haben. Dafür allein haben sich die 66,66 Goldtaler für den Extra-Mittwoch schon gelohnt. Wer nicht da sein konnte, kann die BROTHERS OF METAL auf der Platte „Emblas Saga“ genießen.

Der Weg zurück ins Lager führt an MR. IRISH BASTARD vorbei, der gerade mit dem „Soundtrack Of My Life“ das Wackinger-Dorf zum Tanzen zwingt. Meine Wenigkeit und Mind-Mage Ju taumeln nur daran vorbei und noch beinahe in den Highspeed-Metal-Aasgeier VULTURE hinein, der seit 2021 mit dem Tod handelt, bevor wir wieder in der Sicherheit unserer kleinen Zeltburg landen.

Hätte meine Kraft gereicht, wäre ich sicher noch im Gemetzel um den GLORYHAMMER zu sehen gewesen und ein letztes Mal gegen die Gossenmonster von KNASTERBART angetreten, die im Begriff sind, sich aufzulösen. Doch die Folgen des Fluchs zwingen mich zur Schonung.

Donnerstag

Der Donnerstag beginnt mit guten Gesprächen mit den Nachbarn. Unter ihnen tut sich der Thrash-Zwerg hervor, der mit Freude THUNDERMOTHER empfiehlt, die er aufgrund der Hitze später aber doch nicht sehen wird. Auch berichtet er von seinen Qualen, dass er von seiner weniger bärtigen Hälfte zu EPICA geschleift wurde.

Auch unsere kleine Heldentruppe macht sich bald wieder auf, um das Wackinger-Village vor gefährlichen Gegenständen kultisch-religiöser Verehrung zu bewahren. Mittelalterlich wird bei RELIQUIAE wie auch bei CORVUS CORAX gerockt. Henkins und Iceburner schicken wir den Kampf gegen die Krähe, den sie wohl nie erreicht haben, weil das Futter im Village zu lecker roch. Dr. Ju und ich setzen uns RELIQUIAE aus. Doch zum „Gegenstand“ meiner Verehrung wird nicht, was dort auf der Bühne passiert, sondern was sich davor bewegt. Ja, natürlich auch moschende Massen, aber insbesondere ein Wesen, das wahrscheinlich zu teilen Riesen-, zu teilen Elfenblut besitzt. Kennt ihr das, liebe Leserinnen und Leser, wenn ein Konzert zur Nebensache wird, weil ihr eine Person erblickt, die euch vollständig in ihren Bann zieht? Schon ihre reine Schönheit mit den einzigartigen Gesichtszügen, den aus dem Gesicht gefächerten Haaren und der fliegenden Feder im Ohr, war berauschend. Dazu gesellte sich die wilde Grazie ihres versunkenen Tanzes. Nur sehr selten in meinem Leben habe ich so etwas Wundervolles sehen dürfen – eine ganze Stunde lang. Danke RELIQUIAE, dass ihr dieses Wesen angezogen und zum Tanzen gebracht habt. Dafür erwähne ich auch gern noch euere neueren Werke "Babylon" und „Gestrichen“.

Die kommenden Stunden sind geprägt vom Kampf gegen die Sonne. Also bleiben wir den Schauplätzen der Kämpfe wie z. B. der Spinnenhöhle CIRITH UNGOL fern und stellen uns auch nicht den GRAILKNIGHTS. Und von PESTILENCE habe ich sowieso gerade genug.

Erst die BUTCHER BABIES, jene Raider-Truppe, die am Abend die Wastelands terrorisiert, lockt uns wieder hervor. Die beiden Anführerinnen spucken übelste Schreie auf die Menge, während sich die Flammen darüber schon mal für die Memorial Show von Sir Henry Hot aufwärmen – Rock in Peace! Ein Spektakel mit MEGABOSCH, für das mir leider die Energie fehlte. Die aggressiven BUTCHER BABIES hingegen zwingen mit „Monsters Ball“ zur Bewegung: „No, you can't stop moving!“ Ein Gemetzel, das dem Namen der Raider alle Ehre macht! Wir können uns nur mit Mühe und Not aus dieser Groove-Thrash-Metalcore-Schlacht retten.

Fast geraten wir dadurch noch in den dämonischen Einzugsbereich eines unheiligen Priesters, dem sich zum Glück genug andere Streiter entgegenstellen, sodass wir unsere geschundenen Knochen im Lager ausruhen können. Doch JUDAS PRIEST hallt noch lange in unseren Ohren nach.

Kapitel zwei der Chroniken des Krachs folgt in Kürze!


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