18.07.2020, Headbangers Headquarter, Bramberg am Wildkogel

Pinzgauer Headbangers 10 Year Anniversary - MISSION IN BLACK + STORMRAGE + CYROX + VOIDSTALKER + MAGEM

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 22.07.2020

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Wir befinden uns im Jahre 20 nach dem Millenium. Ganz Österreich ist von einem heimtückischen Virus besetzt... Ganz Österreich? Nein! Ein von unbeugsamen Metalheads bevölkertes Dorf in den Salzburger Alpen hört nicht auf, dem virulenten Eindringling Widerstand zu leisten...

Zugegeben, einfach ist es nicht, unter dem Damoklesschwert der teils widersprüchlichen Verordnungen und der allgegenwärtigen Viruspanik eine schweißtreibende Metalshow auf die Beine zu stellen. Die Pinzgauer Headbangers ließen sich jedoch zu ihrem 10jährigen Jubiläum nicht unterkriegen und schmissen in ihrem gerade ein Jahr altgewordenen Headquarter in Bramberg am Wildkogel kurzerhand eine private Party mit fünf Bands für handverlesenes Publikum. Unter vorbildlicher Einhaltung aller Sicherheitsrichtlinien wie Gästeregistrierung, Desinfektionsstationen und Maskenpflicht im Innenraum, war auch Stormbringer zu der illustren Runde aus dem Who's Who der Zentral- und Westösterreichischen Metalszene geladen. Zum ersten Konzert seit vier Monaten, das die aus der Übung gekommenen Nacken der Beteiligten gehörig strapazierte...


Beim Auftakt mit MAGEM überwog augenscheinlich noch ein wenig das durch die ungewöhnlichen Gegebenheiten irgendwie entfremdete Gefühl, sodass die ersten sägenden Klänge des Abends noch nicht so wirklich auf fruchtbaren Boden fallen wollten – zu allem Überfluss bremste auch noch ein Saitenriss gleich im ersten Song die Band kurz ein. Wiewohl tight und mit Nachdruck vorgetragen, wollte der Funke noch nicht so recht überspringen, trotzdem sich die beiden derb röhrenden Sänger nach Kräften bemühten, Stimmung in die Bude zu bringen. Die großen Höhepunkte offenbarte das eher modern orientierte, durchaus melodische Songmaterial (mit verletztem, Krückenbewehrtem Sänger als „Invaliden-Core“ eigendefiniert) von MAGEM zwar nicht, doch mit ihrer sympathischen Bühnenpräsenz konnten die Tiroler dennoch eine Menge Bonuspunkte einheimsen.


Im Anschluss zeigten VOIDSTALKER erst einmal wo der Bartl den Most holt – herrlich stumpf dahinnagelnder Schwarzmetall, pfeilschnell und räudig, zu Beginn heftigst übersteuernd, von Tonnen an Nebel, rotem Licht und Stroboskop in Szene gesetzt – da passt der Lack! Gnackwatschn links, Gnackwatschn rechts und dann noch ein gezielter tonaler Tritt direkt in die Fresse – so muss das! Den ganzen Corona-Frust hinausgebrüllt, die Haare zur vorgeschriebenen Innenraumlüftung umfunktioniert, war Stumpf bei VOIDSTALKER einfach Trumpf. Auch der pietätlose Abgang, kommentarlos, Mann für Mann, bis dass auf der leeren Bühne nur noch ein zehrendes Störgeräusch dem geschundenen Gehörgang den Rest gab. Genau das braucht man in Corona-Zeiten - harte Liebe für dieses kompromisslose aurikuläre Massaker!


Das nächste Metal-Massaker ließt mit CYROX, den Anwesenden, vor allem der Metalheads-Abordnung aus Steyr, noch von legendären Böllerbauer-Abenden bestens bekannt, nicht lange auf sich warten. Das hochstrapaziöse Nacken-Workout, das die Steirer mit ihrem vielfältigen Liedgut zwischen (melodischem) Death, Thrash und klassischen Metal-Anleihen anleierten, katapultierte wohl so manchen Anwesenden direkt ins Schleudertrauma – der energiegeladene Abstands-Circlepit und die berührungslose Wall Of Death sorgten zwar für Schmunzeln, doch auch für den nach der Konzertpause dringend benötigten Aggressionsabbau. Von der gnadenlos guten Live-Band angetrieben, zerstörte sich so mancher recht nachhaltig die untrainierten Muskeln und trug danach wohl seine Wirbelchen im Säckchen nach Hause – scheiß drauf! Wenn CYROX Eskalation fordern, dann bekommen sie sie auch! Und wie!


Nach solchen Stimmungskanonen auf die Bühne zu müssen ist natürlich eine Aufgabe – die die Salzburger Krawallbrigade von STORMRAGE (bei einem Song auch mit Unterstützung von SCAPEGOD-Mäx) aber mit Bravour meisterte. Beziehungsweise, kurzerhand ohne Rücksicht auf Verluste mit ihren angeschwärzten und angethrashten Genickbrechern über die noch von den Vorgängern paralysierte Meute hinweg bretterte. Erst wenn das Blut spritzt und die Trommelfelle reißen, fühlt es sich gut an – wie hat der durchschnittliche Metalhead dieses Feeling vermisst, von blutbesudelten, dämonischen Gestalten musikalisch durch den Fleischwolf gedreht zu werden! Selbst wenn die Anwesenden, groggy von der steirischen Abrissbirne zuvor, gegen Ende hin ein wenig schwächelten – es sei verziehen, wir sind solcherart hingebungsvolles Geprügel, das einem bei vollem Bewusstsein die Beißer aus der Kauleiste stemmt, einfach nicht mehr gewöhnt...


Und dabei standen zu später Stunde noch MISSION IN BLACK aus dem benachbarten Deutschland auf der Matte, um dem ermatteten Publikum endgültig den Rest zu geben. Noch einmal hymnischesTodesblei mit amtlicher, thrashiger Arschtritt-Kante – da konnte nichts mehr schief gehen. Die verbliebenen Zuschauer hängten sich auch noch den Rest der Nackenwirbel aus und ließen sich mit Freuden von Fronterin Steffi ansingen und anrülpsen. Die Dame schlägt mit ihrem derbem, kellertiefen Gegurgel Schlumpfinchen und andere Wichsvorlagen in die Flucht und lockt mit ihrem hingebungsvollen Brunftgebrüll wahrscheinlich sogar Oberwikinger Johann Hegg in ihre Kemenate - SO hörte das kleine Schreiberlein noch keine Frau ein AMON AMARTH Cover grunzen... Zugegebenermaßen hätte man sich (vielleicht war es auch der vorgerückten Stunde und den häufiger werdenden Ausfallserscheinungen geschuldet) ein paar mehr (musikalische) Höhepunkte im ansonsten tadellosen Material von MISSION IN BLACK gewünscht – doch mit der gesanglichen Performance hatten die Ulmer die Besucher im Pinzgau ohnehin voll an den Eiern.
 

Was lernen wir aus der 10-Jahres-Feier der Pinzgauer Headbangers? Man kann sehr wohl auch in schwierigen Zeiten etwas auf die Beine stellen, wenn man mit Herz und Hirn dabei ist. Die Schwermetall-Dosis nach vier Monaten Entzug tat äußerst gut. Der Metallernacken braucht, wie jeder andere Muskel auch, regelmäßiges Training – wie wohl 99% der Beteiligten des Abends am nächsten Tag leidvoll erfahren mussten. Auch der Berichterstatter versucht zur Stunde noch immer, seine gröblich in Unordnung geratenen Halswirbel wieder einigermaßen in den Ursprungszustand zurückzuversetzen...

Mehr Fotos findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure!


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