15.12.2019, Zenith, München

GHOST + ALL THEM WITCHES + TRIBULATION

Veröffentlicht am 23.12.2019

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Genug von Weihnachtsmärkten, gestressten und verhaltensauffälligen Mitmenschen, überteuerten Glühweinen und künstlichem Weihnachtsglück überall? Hier wird ihnen gehelft.

Ab ins Auto und ab nach München zu GHOST.

Ich hatte die grandiose Idee, mein Auto schon am Vormittag zur Halle zu stellen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, die Innenstadt von München zu besuchen. Die ist, das wusste ich vorher nicht, ein einziger Weihnachtsmarkt mit vielen Ständen und noch viel, viel mehr Menschen… Dann lieber zur Halle zurück und Sudoku lösen.

Vor der Halle standen schon am Vormittag viele Fans, teilweise in aberwitzigen Verkleidungen, um sich Plätze in den ersten Reihen zu ergattern. Für Menschen in meinem Alter nicht mehr möglich, da das Sitzen am eiskalten Boden zu einer Blasenentleerung alle 15 Minuten führen würde und das für mehrere Wochen. [Anm. d. Lekt.: Nur die Harten komm'n in' Garten! Oder die erste Reihe...]

Wobei ich sagen muss: Hut ab vor dem Zenith!

1. Die haben dort eine Toilette vor dem Eingang, die schon seit Vormittag offen hat, damit die wartenden Fans aufs Klo gehen können. TOP!
2. Die dort arbeitenden Menschen sind sowas von freundlich und kundenorientiert, dass es eine wahre Freude ist.
3. Die Security verdient wahrlich ein Extralob. Tiefenentspannt, freundlich aber bestimmt. Mit denen kann man reden, die helfen einen und wenns brennt schalten die sofort um auf „Einsatz“.

Um 17:30 dann der Einlass.

Ich bekomme ohne Probleme und Diskussion meine Eintrittskarte und einen Fotopass und werde höflich gefragt, ob ich die Vorbands auch fotografieren möchte. Selbstverständlich will ich das und ich werde genauestens instruiert, wann und wo ich sein soll um von einem Security abgeholt zu werden, der mich zum Bühnengraben bringt. Und hier wieder ein Extralob – ich werde pünktlichst abgeholt und der sehr nette Security bringt mich und einige Kollegen zum Bühnengraben, bietet uns an, seitlich unser Equipment hinzustellen und hilft, wo es nur geht.

Zum Konzert selber:

Ein Blick aufs Publikum bestätigt es: GHOST sind im Mainstream angekommen. Mit allem was dazu gehört. Enttarnung des Papa Emeritus I bis III, sowie Cardinal Copia, dazu eine Unmenge von Selfies von Fans mit Tobias Forge und eigenen Cardinal Copia Plüschfiguren.

Ist das gut oder schlecht? Ich persönlich traue mir dazu kein wirkliches Urteil abzugeben. Das müssen die Fans für sich selber entscheiden. Fakt aber ist: Aus der Band mit dem mystischen Image, die aus jedem Konzert ein Ritual machte, wo sich um die Bandmitglieder und den Papa Legenden bildeten, ist eine Show-Band geworden. Aber ich vergleiche es immer mit einem guten Fleischhauer, der Top-Qualität abliefert: Anfangs unterstützt man ihn, auch wenn das Fleisch bei ihm teurer ist. Man lobt ihn, man erzählt Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten davon und eines Tages plötzlich ist der Laden voll. Plötzlich muss man sich lange anstellen und man teilt sich den anfänglichen Geheimtipp mit unzähligen anderen Leuten, teilweise auch mit Personen, mit denen man normalerweise nichts zu tun haben will.

Und hier trennt sich der Spreu vom Weizen. Wenn der Fleischhauer weiterhin seine Top-Qualität abliefert, spricht absolut nichts dagegen, ihm weiterhin die Treue zu halten, ihn weiterhin zu unterstützen und auch die Kunde seiner Qualität in die Welt hinauszutragen. Anders ist es aber, wenn dieser Fleischhauer angesichts der Massen im Geschäft anfängt, die Qualität der Produkte nicht mehr sooo ernst zu nehmen und nur mehr viel Geld für wenig Klasse zu nehmen.

Diese Gefahr besteht bei GHOST nicht - dafür ist die Qualität der Songs einfach zu hoch. Und ich ziehe den Hut vor Tobias Forge. Wie groß müssen seine Eier sein, um sich vor zigtausenden METALLICA-Fans hinzustellen und SEINE-Show abzuziehen? Wahrscheinlich sind die Familienjuwelen grösser als das Ego von Glenn Danzig und Dave Mustaine zusammen. Laut Fanberichten und meinen persönlichen Eindrücken konnten er und seine Nameless Ghouls und Ghoulettes sich den Respekt der METALLICA-Fans erspielen. Keine Ahnung wieviele dieser METALLICA-Fans an diesem Sonntag ins Münchener Zenith pilgerten, aber der Laden ist voll. Randvoll!

Angefangen von den Hardcore-Fans, die wie schon erwähnt, seit dem Vormittag vor der Halle warten bis zum 10jährigen, dem das GHOST-Shirt bis zu den Knöcheln geht. Und sie werden nicht enttäuscht, soviel kann ich schon sagen.

 

TRIBULATION 2019 live @ Zenith/München
TRIBULATION live @ Zenith/München

 

Pünktlich um 18:30 startet das Intro von TRIBULATION.
Die Band post, spielt und .... begeistert. Wirklich! Hier passt alles. Die Show, die Songs, die Attitüde... Hut ab vor dieser Band, die die schon jetzt sehr gut gefüllte Halle auf Betriebstemperatur bringt.

Setlist TRIBULATION:
1. Nightbound
2. Melancholia
3. The Lament
4. The World
5. Cries from the underworld
6. The motherhood of god
7. Strange Gateways beckon


Danach ALL THEM WITCHES: Das BLACK SABBATH Intro gibt die Richtung vor.
Ich möchte mich jetzt bei der Band entschuldigen. Sie mögen nett sein, sympathisch, sie mögen im Moment der heißeste Scheiß am Retro-Rock-Sektor sein und fleißig noch dazu, aber warum spielen die nach TRIBULATION? Eine Band, denen die Mega-Bühne deutlich zu groß ist? Die wahrscheinlich in einem Club die Leute begeistern können, aber im Vorprogramm von GHOST nicht reinpassen.

 

ALL THEM WITCHES 2019 live @ Zenith/München
ALL THEM WITCHES live @ Zenith/München

 

Kurz vor 21:00 dann die schon bekannten Intro-Intros (welch ein Wort) – „klara stjärnor“ von Jan Johansson und „misere mei, deus“ von Gregorio Allegri. Die jetzt volle Halle beginnt zu kochen.

Dann das eigentliche „Ashes“ als Intro ... der Vorgang fällt und die Band startet mit „Rats“. Gleich mit dem ersten Ton wird klar, Mainstream oder nicht, die Band drückt an, dass es eine wahre Freude ist. Als der Cardinal die Bühne betritt brandet lauter Jubel auf. Man merkt, dass auf der US-Tour genug Selbstvertrauen getankt wurde und das Publikum frisst Copia aus der Hand. Weiter geht es mit „Absolution“. Das Publikum singt laut mit und auch das folgende „Faith“ kann begeistern. „Mary on a cross“ ist ja schon auf der neuen EP. Ein klasse Song (höre ich eigentlich als Einziger das „Marihuana“- heraus?), aber live noch eine Spur (oder zwei) besser. Klasse!

Das anschliessende Gitarren-Solo-Duell nimmt der Show ein wenig die Luft raus, aber verständlich – Der Cardinal muss sich umziehen. Es folgen Hit auf Hit, „Cirice“, „Ghuleh/Zombie Queen“ „Spirit“ und und und... Wahnsinn wieviele Hits diese Band schon geschrieben und eingespielt hat. Der Cardinal hält sich heute ein wenig mit den Ansagen zurück, singt aber top. Auch sein „vom Herzen kommende Danke“ an die Fans in der Halle kommt nicht peinlich, sondern ehrlich rüber. Das Publikum singt fleissig mit, klatscht, tanzt, opfert seine Seele dem Leibhaftigen… oder auch nicht und wird bis zum krönenden Abschluss mit „Square Hammer“ nicht müde. Und das an einem Sonntag Abend!

 

GHOST 2019 live @ Zenith/München
GHOST live @ Zenith/München

 

2020 wird ein angeblich ja ein live-technisch mageres Jahr für GHOST (bisher nur ein Konzert in Mexiko angesetzt), aber es wird vielleicht sogar ein neues Album geben und ich persönlich freue mich schon jetzt drauf, da es laut Angaben von Hr. Forge wieder eher in die düstere Richtung von „Meliora“ gehen wird. Wir werden ja sehen.

In dieser Verfassung und mit dieser Brillianz sowohl live, als auch auf Platte, sehe ich die Zukunft von GHOST mehr als rosig und ich persönlich freue mich schon auf das Kommende!  

Setlist GHOST

1. Ashes
2. Rats
3. Absolution
4. Faith
5. Mary on a cross
6. Devil Church
7. Cirice
8. Miasma
9. Ghuleh/Zombie Queen
10. Helvetesfönster
11. Spirit
12. From the pinnacle to the pit
13. Ritual
14. Satan Prayer
15. Year zero
16. He is
17. Mummy Dust
18. Kiss the go-goat
19. Dance Macabre
20. Square Hammer

 


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