23.11.2019, Rockhouse, Salzburg

Dome Of Rock 2019 - Tag 3: Der stonende Samstag

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 28.11.2019

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Nur keine Müdigkeit vorschützen, es wartete ja noch der dritte Tag des Dome Of Rock! Der über die Nacht hereingebrochene Fön sorgte für einen spontanen innerstädtischen Temperaturanstieg auf 17°, was bei nicht wenigen wetterfühligen Leuten für erniedrigtes Leistungslevel und eine ordentliche Matschbirne sorgte. So wie dem Berichterstatter erging es wohl einigen am Samstag, da man doch recht viele ziemlich zerstört aussehende Gestalten durchs Rockhouse schlurfen sah. Auch die Security, die unverständlicherweise nach jeder Show auf der großen Bühne alle Besucher konsequent aus dem Saal warf und damit Stau an der Bar und im Foyer verursachte, dürfte unter dem Matschbirnenwetter gelitten haben. Daraus folgend zog sich, nach ebenfalls um einer halben Stunde verspätetem Beginn, auch das weitere Abendprogramm etwas auseinander, sodass sich am Ende fast eine Stunde Verspätung summierte..Nicht unter den Umständen gelitten hatte aber zum Glück das Besucherinteresse, das dem letzten Tag des Festivals erneut ein komplett volles Haus bescherte!


Los ging es gleich auf der großen Bühne mit einem ersten Highlight für die Besucher – WHITE HILLS, an diesem Tag zwar nur zu zweit angetreten, doch deswegen nicht minder leise, konnten trotz zunächst magerer Kulisse gleich einmal auf sich beeindruckend schnell mehrendes Publikum bauen. Vor allem das extravagante Outfit und ebensolche Stageacting der (stehenden!) Schlagzeugerin konnten Aufmerksamkeit schüren und auch die abwechselnde gesangliche Darbietung des Duos konnte beeindrucken. Der Sound grummelte und schob ganz ordentlich und setzte das durchaus spannende, aber höchst spezielle Material der WHITE HILLS gekonnt in Szene. Ein bißchen eine Spaltung war schon im Publikum zu bemerken, so wie ein Teil die hochwertige Darbietung sichtlich erfreute, war ein anderer Teil der Zuschauer (der Berichterstatter eingeschlossen) noch etwas unschlüssig, was davon zu halten war. Als Opener machten WHITE HILLS aber einen verdammt guten Job, auch wenn ihre recht spezielle Darbietung vielleicht nicht jedermanns Fall war.
 

Drüben in der Bar startete man im Anschluss mit GODSLEEP, deren Fronterin mit Wischmopp-artiger Frisur eine beeindruckende Bühnenpräsenz bewies und mit Hingabe und kraftvollem Organ auf den Brettern so richtig abging. Musikalisch bewegten sich GODSLEEP in recht gefälligem Rock-Bereich mit Stoner-Einschlag und gelegentlichen bluesigen Einschlägen in den langsameren Stücken, was beim Publikum, das ordentlich die Matten schwang, sehr gut ankam. Vor allem aber lebte der Auftritt der Griechen, der von psychedelischen Kreationen eines Öl-Künstlers am Overhead-Projektor untermalt wurde, vom Einsatz ihrer bewegungsfreudigen Fronterin, die sogar bis in den Publikumsbereich vordrang.


Etwas weniger Bewegung auf der Bühne gab es hernach zwar bei SOMALI YACHT CLUB, doch dafür konnte man sich von den Ukrainern akustisch nach Strich und Faden verwöhnen lassen. Atmosphärischer, bisweilen psychedelischer, dann wieder ein wenig stonender oder gar postelnder Rock ergoss sich über die Zuschauer in der proppenvollen Halle, die sich von der dichten Performance schnell mitreißen ließen. Wirkliche Action im Publikum sah man dabei nur selten, regierten doch an dieser Stelle hauptsächlich die Genießer, die sich voll und ganz in das einnehmende klangliche Universum von SOMALI YACHT CLUB fallen ließen. Der Berichterstatter tat es dem vollen Saale gleich und knipste für die Dauer der Spielzeit von SOMALI YACHT CLUB kurz einmal die komplette Welt aus. Wunderbar!


Kontrastprogramm gab es dafür danach in der Bar, in der HEMELBESTORMER aus Belgien, in stimmungsvolle Dunkelheit gehüllt (der Fotograf seufzt und schraubt den ISO noch höher), die garstigere Seite des Post Metal enthüllten. Durch wunderbare Melodiebögen, donnernde Doom-Riffs und garstige Sludge-Eruptionen mäandernd, räumten die Belgier vor dicht gedrängten Horden in der bis auf den letzten Platz gefüllten Bar so richtig ab. Wie in Trance wippten und zuckten die zukünftigen Nackenpatienten ( © Volker ) im Takt der massiven Klänge, die HEMELBESTORMER auf die Besucher losließen. War bereits der letzte Auftritt in der Bar vor einigen Jahren ausnehmend dicht geraten, so konnte der Vierer nun als stilistischer Exot des Tages sein Meisterstück abliefern. Was für eine verflucht starke Darbietung!


Für jene, die gerade in der Bar gründlich durchgewalkt worden waren, war es nun vielleicht schwer sich auf die für MY SLEEPING KARMA ins Boot geholten MARS RED SKY aus Frankreich einzulassen. Komplett konträr zu dem finsteren Bastard der Bar, wurden fließende, träumerische Gitarrenmelodien geboten, die zwischen wenig ruppigem Heavy Rock und ausufernd-psychedelischen Soundwelten pendelten. Mit ihrer einnehmenden, sympathischen Art und technisch auf enorm hohem Level war es eine Freude dem Trio zuzusehen – lediglich die doch sehr spezielle Stimme von Gitarrist Julien spaltete die Gemüter ein wenig. Wo die einen aufmerksam und sichtlich entzückt dem klagenden Gesang lauschten, ergriffen andere (das kleine Schreiberlein in diesem Fall eingeschlossen) ob der Stimmlage kurzerhand die Flucht. Ob man die Stimme nun mochte oder nicht, waren MARS RED SKY, die sich schon längst aus dem Status eines Geheimtips gemausert haben, objektiv gesehen ein würdiger Ersatz für die deutschen Klangzauberer. Der Applaus war ihnen sicher!
 

Die nächste Psycho-Breitseite folgte in der Bar mit L'IRA DEL BACCANO aus Italien auf dem Fuße. Erneut mit den herrlich Gehirnzersetzenden Projektionen stimmungsvoll (wenn auch bisweilen etwas dunkel) in Szene gesetzt, konnte man sich zu dem überraschend fetten Instrumentalsound der Italiener noch einmal ordentlich das Rübchen durchbeuteln. Auch der Berichterstatter schwankte zu den vier Italienern ein wenig – allerdings weniger aufgrund der psychoaktiven Klänge, als wegen fortschreitender Ermattung ob des vorangegangenen Wärmeeinbruchs.


Für STONED JESUS, die im Saal so richtig aufdrehten, wurden aber noch einmal alle Kräfte zusammen genommen. Und es zahlte sich auch aus – und wie! Mitreißend, schwer groovend und dabei mächtig ins Gebälk fahrend präsentierte sich der kernige Stoner Rock des ukrainischen Trios von seiner allerbesten Seite. Das spitzbübische Grinsen des Fronters, gepaart mit der Fußakrobatik des agilen Bassisten bescherte den Zuschauern auch ordentlich etwas fürs Auge, während die streckenweise fast ein wenig proggigen Klänge den Nachbrenner zündeten und so manchen Besucher zu spontanen Ausrufen der Verzückung verleiten konnten. Ein mehr als würdiger Abschluss auf der großen Bühne, der sich seinen anhaltenden Beifall redlich verdient hatte!
 

Müdigkeit und Matschbirne, gepaart mit den sich über den Abend nach hinten geschobenen Spielzeiten sorgten dann dafür, dass der Berichterstatter schweren Herzens die starken CHANGÓ aus Ebensee unbesehen ziehen lassen musste. Leider ging es wohl, Berichten zufolge, vielen Leuten ähnlich, sodass CHANGÓ als kleines Abschluss-Glanzlicht mit vergleichsweise dürftigem Publikum auskommen mussten. Man wird halt – leider – auch nicht jünger...


Unterm Strich konnte sich das inzwischen zum ernsthaften Fixpunkt in der heimischen Festivalszene gemauserte Dome Of Rock einmal mehr profilieren. Sowohl mit angenehmer Atmosphäre, als auch mit einer starken Mischung aus Bands verschiedenster Genres, die allesamt wirklich starke Auftritte abliefern. Und natürlich auch durch das gewaltige Publikumsinteresse, welches sowohl am ersten Tag die Bar, als auch an den beiden Folgetagen das komplette Rockhouse bis zum Anschlag befüllte. Da bleibt nur noch eines zu sagen: Wir freuen uns schon auf das Dome Of Rock 2020!

Weitere Fotos des dritten Festivaltages (inklusive – nona – Dunkelheit) gibt es in Kürze bei Images Of Pain And Pleasure zu entdecken.


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