09.11.2019, Pfarrsaal Lenzing, Lenzing

The Sinister Feast 2019

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 13.11.2019

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Erinnert ihr euch noch an den 24-stündigen Wahnsinn vom Metalnight Outbreak in gedrucktem Wort und bewegtem Bild? Bestimmt! Als natürliche Reaktion auf die Belastungsprobe schwor der Berichterstatter, derartige Aktionen nicht so schnell wieder zu bringen. Ihr könnt euch denken, dass kaum ein Monat später die Schwüre an den eigenen, geschundenen Körper nur noch Schall und Rauch waren, als das Sinister Feast 2019 in Lenzing über die Bühne ging. Von Zehn Uhr Morgens bis halb Vier Uhr Morgens am Folgetag sorgte ein kleines Antha gemeinsam mit einem motivierten Haufen an Freunden und Bekannten dafür, dass die bisher größte Veranstaltung von The Feast einigermaßen reibungslos über die Bühne gehen konnte.

Größere und kleinere Katastrophen wurden gekonnt umschifft, des Nachmittags mal kurz die Nerven weggeschmissen, heimtückische Schlafanfälle überwunden und des Nächtens noch einmal verbissen gebuckelt. Ein Wechselbad der Gefühle also, das die Belegschaft des leider unterm Strich nicht übermäßig stark besuchten Events durchlitt und von dem die den schwarzmetallischen Klängen zugetanen Besucher nur wenig mitbekamen.



SVARTA

Diese konzentrierten sich naturgemäß mehr auf die Bands, die da am frühen Abend in Sichtweite der Lenzinger Kirche ihre finsteren Klänge erschallen ließen. Vom Opener REGNUM NORICUM, die nach eineinhalbjähriger Live-Pause erstmals in neuer Besetzung (Kompletttausch der Gitarrenfraktion) auf der Bühne standen, bekam das kleine Schreiberlein sehr zum eigenen Bedauern nur wenig mit – das streikende Fotoequipment sorgte für Sorgenfalten und erhöhten Stresslevel, sodass der kernige Black/Death-Bastard der Lokalmatadoren nicht so wirklich genossen werden konnte. Umso mehr freuten sich aber die Zuschauer über den Auftritt der Kiltträger, die, trotzdem sie ihm Dunst des Amok laufenden Bühnenneblers beinahe versanken, von den Anwesenden mit lautem Applaus bedacht wurden.

Bei SYNKENDE hatte sich dann sowohl die Nebelmaschine im Griff, als auch ein kleines Antha seine Fotoausrüstung – die in weiser Voraussicht mitgebrachte und eigentlich für die Montage auf dem Drumset gedachte Ersatzkamera musste herhalten und wurde ob des eher suboptimalen Lichts bis an ihre Grenzen und darüber hinaus getrieben. Und noch jemand hatte jemanden im Griff: nämlich SYNKENDE das Publikum! Die Truppe rund um den sympathischen, sich wie immer halb tot schwitzenden Berni konnte auf volle Unterstützung in Lenzing bauen und punktete mit ihrem melodischen Schwarzmetall, der ohne großes optisches Trara, aber dafür mit umso mehr Hingabe vorgetragen wurde.

Die Reaktionen bei der zehnjährigen Jubiläumsshow von SVARTA hielten sich im Anschluss, überraschenderweise, da auch diese mit dem Lokalmatadorenbonus rechnen konnten, in Grenzen. Düster, schwer und depressiv legten sich die Kompositionen von SVARTA über das geradezu paralysierte Publikum, so wie sich der nasskalte Novembernebel draußen vor der Halle über die Industriestadt herab senkte. Zählflüssig wie schwarzer Schleim quollen die melancholischen Nummern aus den Boxen und quetschten das letzte Fünkchen Lebenswillen aus den Anwesenden – wer die dichte, niederschmetternde Atmosphäre nicht mehr aushielt, der wanderte an die Bar, um sich einen Seelentröster in Form güldenen Hopfengebräus zu genehmigen.



THORONDIR

Ein ganz anderes Bild hernach bei den Bayern THORONDIR, die mit deutlicher Pagan-Schlagseite die Exoten im Billing des auf Krawall gebürsteten Sinister Feast waren – und mit kernig-melodischen Titeln mit epischer Schlagseite die Gunst der Stunde nutzen konnten. Inzwischen ordentlich in Fahrt, feierten die Zuschauer mit THORONDIR eine heftige Party, dass es eine Freude war zuzuschauen  - man war fast versucht zu konstatieren, dass die sympathischen Bayern mit ihren Pagan-Hymnen so etwas wie die heimlichen Headliner waren. Zumindest den Pokal für die enthusiastischsten Publikumsreaktionen konnten sich THORONDIR für ihre starke Show zu recht abholen!

Solcherart erst einmal in Stimmung gebracht, ließen die Anwesenden auch zum rasenden Irrsinn von KRATER ausgiebigst die Matten kreisen. Unterm Strich vielleicht etwas eintönig, konnte man sich zu dem wüst dahin böllernden Schwarzmetall mit Hingabe bei vollem Bewusstsein die Rübe abschrauben – wozu sich auch nicht wenige Anwesende befleißigt fühlten.

Windelweich geprügelt, machten sich bei FIRTAN schön langsam Ausfallserscheinungen beim Publikum breit. Das wunderbar atmosphärische Liedgut der Deutschen verbreitete angemessen düstere Atmosphäre, verstrickte sich jedoch durch viele Tempowechsel und vielschichtige Arrangements etwas in sich selbst, sodass die noch an den Nachwirkungen der Gnackwatschn von KRATER leidenden Zuschauer teils nur schwer Zugang zu den komplexen Songs der Deutschen fanden. Man musste allerdings auch ehrlich zugeben, dass das spannende Material von FIRTAN eher für stille Genießer als für Eskalation geeignet war – ein Bisschen mehr Reaktion des augenscheinlich recht ermatteten Publikums hätte man sich aber unterm Strich schon gewünscht.



SUN OF THE SLEEPLESS

Zum Abschluss mit SUN OF THE SLEEPLESS gab der Nebelwerfer noch einmal alles und verband sich mit dem in den Salatschüsseln (!) abgebrannten Räucherwerk von SUN OF THE SLEEPLESS zu einer zunächst wirklich abartigen Nebelwand, wie man sie wirklich nur selten sah. Von der Stimmung her passte das allerdings ziemlich gut zu den elegischen Gitarrenwänden, die sich da in der Halle türmten und mit atmosphärischer Schlagseite noch einmal das letzte aus den Zuschauern heraus kitzelten. Dass SUN OF THE SLEEPLESS die Headlinerposition ganz und gar nicht zu Unrecht inne hatten, das bewiesen sie im Verlaufe ihres dichten, unheimlichen starken Auftritts mehr als hinreichend! Leider waren, als sich der Bühnennebel dann lichtete, nicht mehr sehr viele Zuschauer vor der Bühne, doch jene, die bis zum Schluss durchhielten, zeigten sich von der massiven Bühnenpräsenz von SUN OF THE SLEEPLESS schwer beeindruckt. Dennoch hätten sich diese mehr verdient – vor allem mehr an Publikum!

So ging das Sinister Feast unter Strich, trotz starker Shows aller Bands, ein wenig unbefriedigend zu Ende. Gerne hätte man mehr Leute gesehen, vor allem gegen Ende der Veranstaltung, doch im Großen und Ganzen war das Publikum ok.  Als Gewinner des Abends konnten sich somit hauptsächlich die lokalen Acts sehen, die letztlich mit das zahlenmäßig stärkste Publikum vor der Bühne versammeln konnten.

Über die ganze Tragik wenigen Lichts und schlechter Kamera könnt ihr euch bei Images Of Pain And Pleasure noch etwas ausgiebiger amüsieren.


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