05.11.2019, Rockhouse-Bar, Salzburg

AMENRA + ELR + YLVA

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 11.11.2019

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Der November ist angebrochen. Die Tage werden dunkler, die Welt wird düsterer und kälter – und so auch die Klänge in der Rockhouse-Bar. Wogen an postmetallischer Kost brandeten an diesem Dienstag Abend durch die bis zum Anschlag gefüllte Bar, als die belgischen Post-Metal-Größen AMENRA in der Mozartstadt gastierten.


Dabei begann der Abend mit YLVA zunächst etwas verhalten, dafür aber gehörig laut – die Australier beschallten die Bar mit einer knackigen Post/Sludge-Mischung, die oftmals auch in bleischwere doomige Gefilde abglitt. Von schwermütiger Atmosphäre durchzogen, wippte das bereits höchst zahlreiche Publikum angetan im Takt der Musik – der zunächst ziemlich übersteuernde Bass trübte das Hörvergnügen zwar ein wenig, doch dafür fuhren die starken Klänge von YLVA wortwörtlich durch Mark und Bein. Dennoch konnten die Australier ungerechtfertigterweise nur eher höfliches Interesse, denn wirkliche Begeisterungsstürme generieren, wiewohl die sympathische und kommunikationsfreudige Truppe sich im Nachgang am Merchtable doch noch in die Herzen der Besucher schleichen konnte...


Düster und entrückt ging es auch mit ELR weiter. Die beiden Schweizer Damen samt ihrem Schlagwerker fuhren ein ganz schönes Brett auf, das mit pumpendem Bass und kernigen Riff-Eruptionen zu schamanischen Gesängen und spärlichem Einsatz elektronischer Klänge einen höchst eigenständig klingenden, modernen Sound in die Bar brachte. Irgendwo zwischen verträumtem Post-Metal und melancholischem Doom aus dem Tonkeller konnten ELR beim Publikum gut landen – auch wenn erwartungsgemäß der stille Genuss gegenüber euphorischen Reaktionen überwog. Für ein wenig Schmunzeln sorgte die Deko der naturverbundenen Schweizer, die aus LED-Kerzen (immerhin Echtwachs!) und zum Teil getrockneten und künstlichen Pflanzen bestand und die sich auf den Lautsprechern, auf denen sie stand, immer wieder selbständig machte und über die Boxenoberfläche surfte. Aufmerksame Zuschauer rückten die Vasen immer wieder zurecht und spendierten der Band im Anschluss auch wohlwollenden Applaus für die intensive Darbietung.


Dass die Zuschauer in der inzwischen fast gänzlich vollen Bar nur auf das belgische Post-Metal-Flaggschiff AMENRA gewartet hatten, das war schon zum stimmungsvollen Auftakt der Band klar. Zwar gab es immer wieder einige Leute, die kaltschnäuzig in die erhabene Stille der fast sakralen Atmosphäre des minimalistischen, doch wirkungsvollen Intros plapperten, doch ein scharfes „psssscht!“ tat hier glücklicherweise meist seine Wirkung. Umso schärfer der Kontrast, als AMENRA mit den unvermittelten musikalischen Eruptionen ihre garstige Sludge-Seite zum Vorschein kehrten. Getragen von den weichen Wellen träumerischer Sequenzen, bohrten sich die eskalativen, mit besonderer Hingabe vorgetragenen, wütenden Ausritte nur umso nachhaltiger in die Gehörgänge. Bleischwer rollten die massiven tonalen Monolithe über die Anwesenden hinweg, während die abgespeckte, gar puristische Lichtshow die Band in Verbindung mit psychedelischen Projektionen ansprechend in Szene setzte und den Fotografen einmal mehr die Tränen der Verzweiflung in die Augen trieb. Die bisweilen etwas ausufernde Verwendung von Bühnennebel und der gerade im vorderen Bereich etwas arg laute Sound, trieben den Berichterstatter im Mittelteil des Sets zu einer kurzen Frischluftkur, ehe der Rest der extrem intensiven, mitreißenden Show von weiter hinten verfolgt wurde, wo auch der Sound deutlich mehr Nuancen des fein akzentuierten Liedguts von AMENRA preisgab. Der Jubel der Zuschauer hielt nach der Show auch noch entsprechend lang an und gar nicht wenige Besucher blieben trotz des Wochentags noch relativ lange nach dem Konzert, um angeregte Gespräche zu führen. Angesichts der massiv starken Vorstellung der Belgier kein Wunder...


Weitere Bilder aus der Düsternis gibt es bei Images Of Pain And Pleasure.


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