27.10.2019, Backstage (Club), München

MAJESTY + WARKINGS + VICTORIUS

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 31.10.2019

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Es ist Sonntag und ein kleines Stormbringer-Schreiberlein steht wieder einmal mit Kameras bewaffnet in einer Konzerthalle. Soweit nichts Neues, doch – halt! Was ist da los? Es ist keine der Stammlocations in Salzburg oder Oberösterreich, da hat sich der Berichterstatter doch glatt wieder einmal nach München gewagt! Ins über die Jahre ebenfalls ans Herz gewachsene Backstage, in dessen kleiner Location, dem Club, melodischer Powermetal der epischsten Sorte angesagt war.


Das nahmen bereits VICTORIUS mehr als wörtlich, die mit ihren schnell ins Ohr gehenden Songs sofort schnittig in die Gehörgänge fuhren. Für kitschklebendes Liedgut braucht man bekanntlichermaßen auch ein gewisses Maß an Selbstironie, welches die Buben rund um den göttlich posenden Sänger David auch mitbrachten. Damit konnten sie das Publikum im vollen Club ordentlich in Wallung bringen, sodass fleißig mitgeklatscht wurde und die flotten Ohrwurmrefrains streckenweise äußerst textsicher mitgegrölt wurden. Mit im Gepäck hatten VICTORIUS auch einen brandneuen Song vom kommenden, im Januar 2020 erscheinenden neuen Album, der, obwohl erst kürzlich samt Video veröffentlicht, von den Zuschauern mit Begeisterung aufgenommen wurde. Das musikalisch quietschbunte außerirdische Spektakel bot einen perfekten Auftakt für das noch folgende und wurde vom Publikum zu Recht mit donnerndem Applaus bedacht.


Hernach durfte man sich auf einen musikalischen Kreuzzug begeben – geleitet von den mysteriösen untoten WARKINGS (der Berichterstatter hatte bereits eine Begegnung mit selbigen in Valhalla...), die mit schnittigem, hymnischen Power Metal in dieselbe Kerbe schlugen und die Zuschauer erstmals so richtig anzünden konnten. Keine Frage, der Trend zu Bands mit starkem Image und optischem Konzept spielt den WARKINGS, die erst im Vorjahr ihr erstes Album veröffentlichten, in die Hände – doch man muss die ganze Chose trotz Kostümen und dem ganzen Brimborium (wiewohl die beengte Eckbühne im Club keinen Platz für allzu ausufernde Bühnendeko ließ...) auch entsprechend überzeugend rüberbringen können. Und genau das stand bei den vier untoten Königen (samt grunzender Königinnenunterstützung beim Oberohrwurm „Sparta“), die sich im Anschluss des Konzertes auch noch fannah zeigten und sich mitten im Publikum zur Fotosession stellten, außer Zweifel. Starke Ohrwurmsongs, starke musikalische Vorstellung, begeistertes und heftigst abgehendes Publikum – was will man mehr? Größere Bühnen für die vier untoten Könige vielleicht, doch dass das nicht mehr lange dauern wird, steht bei der heutigen Machtdemonstration nicht mehr zur Debatte. AHOU!


Dass sich die Publikumsreihen anschließend beim Headliner MAJESTY, altgedient und live bekanntlich immer eine Bank, ein wenig lichteten, war doch überraschend. Wiewohl die treue Fanschar der Recken rund um Tarek Maghary ordentlich Stimmung machte und die simplen Ohrwurmhymnen kräftig abfeierte, kam man nicht umhin zu bemerken, dass sich die Live-Masche der immer wieder einmal runderneuerten und mit Frischblut versorgten Truppe trotz kontinuierlich hochwertiger Outputs, über die Jahre ein wenig abgenutzt hatte. Vor allem Sänger Tarek, der auch häufig nicht wirklich Druck hinter die Stimme bekam, wirkte inmitten seiner jugendlichen Kollegen  trotz betont modernem Outfit (bitte die Weste eine Nummer größer nehmen, BITTE!) und schnittigem Kurzhaarschnitt wie ein Relikt aus den 80ern, das krampfhaft Anschluss an die Moderne suchte. Mit bieder-melodischem Powermetal, der trotz Ohrwurmfaktor mit Fortdauer der Show durch zu enge Struktur und zu viele Ähnlichkeiten irgendwie den Biss verlor, gelingt die überzeugende Modernisierng jedenfalls nicht so wirklich – wenn man allerdings Fan ebenjener Musikrichtung ist, dann kann man vor der Hartnäckigkeit und durchgängigen Qualität (vielleicht keine extremen Highlights, aber auch keine Totalausfälle) nur den Hut ziehen. Dem noch verbliebenen, zahlenmäßig noch immer starken Publikum war das jedoch wurscht – es feierte zu den Klängen von MAJESTY noch eine ordentliche Party, als der Berichterstatter schon wieder den zweistündigen Heimweg antrat.
 

Melodischer Powermetal lebt und ist wohlauf – vielleicht in kleinem Rahmen, doch dafür mit umso stärkerem musikalischen „Nachwuchs“, der seine Qualitäten an diesem Abend ziemlich eindrucksvoll unter Beweis stellte. So muss das!

Mehr Fotos gibt's bei Images Of Pain And Pleasure!


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