05.07.2019, Böllerbauer, Haag

Blood Moon Festival 2019 - Tag 1

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 10.07.2019

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Im Vorjahr feierte das Blood Moon Festival beim kultigen Böllerbauer in Haag seine Premiere mit hochkarätigen Acts wie DEBAUCHERY und KAISER FRANZ JOSEF (Stormbringer berichtete von Tag 1 und Tag 2) – dieses Jahr gingen die Veranstalter einen Schritt zurück und lieferten mit der zweiten Auflage eine reine Werkschau des heimischen Musikuntergrunds. Grund genug für ein kleines Stormbringer-Schreiberlein, das Wagnis einzugehen mit zwei Festivals zu jonglieren (am zweiten Tag fand zeitgleich das Sick Midsummer am Bäckerberg statt), um sich die Party im endzeitlichen Ambiente nicht entgehen zu lassen.

Selbst der Wettergott schien dem Blutpakt des Festivals beigetreten zu sein, hielt er doch seine schützende Hand über beide Festivaltage und beschenkte die Metalheads mit perfektem, nicht zu heißem Wetter am Freitag und nur spärlichen Regentröpfchen am schwülen Samstag.


Dennoch lief zum Auftakt nicht alles so rund, wie es eigentlich sollte, denn bereits die Opener 15GB, die sich um eine Viertelstunde verspäteten, sorgten für etwas Verzögerung im Programm. Ein  motiviertes Häufchen an Zuschauern lauschte dem erdigen, handgemachten Rock der Welser, der zunächst ein wenig zum Übersteuern neigte, aber dann trotz etwas zu heftiger Lautstärke doch ordentlich Spaß machte. Geradlinige, ohrwurmige Songs mit oftmals auch ein wenig punkiger Schlagseite machten es den vielleicht noch nicht übermäßig zahlreichen, aber dennoch sichtlich unterhaltenen Zuschauern leicht. Ein starker Opener!


Zu den folgenden KENDRA fanden sich dann alsbald mehr Leute ein, die sich von der unschuldig aussehenden, aber bisweilen gar garstig grunzenden Sängerin einen ordentlichen Scheitel ziehen ließen. Trotz weiterhin zu laut eingestelltem Sound (was sich dann auch im Verlaufe des Abends nicht mehr ändern sollte) konnten KENDRA dank ihres einnehmenden Liedguts, das geschickt an der Schnittmenge zwischen mitreißender Melodie und thrashigem Arschtritt tanzte, bei den Besuchern richtig gut landen und durften sich über lauten Applaus freuen. Der vorprogrammierte Posingexzess des Bassisten Hias gipfelte an diesem Abend glücklicherweise nicht wieder in einem von der Bühne fliegenden Monitor –  für Randale auf der Bühne sollte später des Abends noch jemand anderer sorgen...


Die bis dato aufgebaute Verzögerung von einer halben Stunde sollte sich im folgenden linear durch den Rest des Programms ziehen, das dann aber den verschobenen Zeitplan einigermaßen einhielt. Die Veteranen von AS GOD CREATED, mit im Vorjahr vorgestelltem Neu-Shouter Paz von RAZE YOUR GODS, übernahmen als nächstes das Bühnenzepter und schmirgelten mit ihrem brutalen Sound schier den Putz von den Wänden des Gewölbes in dem die Bühne untergebracht war. Zeit auch für das Publikum, erstmals so richtig brutal abzuschädeln, und zu den derb schiebenden Klängen des heimischen Thrashcore-Kommandos amtlich auszurasten. Es war vielleicht hie und da noch die eine oder andere winzige Unsicherheit im Zusammenspiel zu erkennen, doch dafür gab der Fünfer so brutal Stoff, dass man sich zu den derben Klängen einfach nur noch die Nackenmuskeln zerstören konnte.


Auch BEFORE ALL GOES DOWN standen dem Abrisspotenzial um nichts nach – zwar deutlich melodischer orientiert, aber dennoch mit kräftigem Arschtrittfaktor, ließen sich die fünf Musiker nicht lumpen und gaben gewaltig Gas. Zwischen episch-melodischen Passagen und knackigen Breakdowns konnten BEFORE ALL GOES DOWN die Zuschauer schnell für sich gewinnen und für ordentlich Bewegung im Gewölbe sorgen. So war es nicht weiter verwunderlich, dass die ordentlich abgehenden Besucher gerne noch eine Zugabe von dem Fünfer gehört hätten und diese auch recht hartnäckig forderten – doch der nach hinten verschobene Zeitplan ließ dies (auch sehr zum Bedauern des Berichterstatters, der die Burschen schon beim Saunagang am Burn Down The District für gut befunden hatte) leider nicht zu.


Dafür gab es im Anschluss bei in INDORSIA, die sich für den Auftritt beim Böllerbauer Bassist Hias von KENDRA ausgeborgt hatten, gleich wieder ordentlich auf die Birne. Dieses Mal „nur mit Viertelplayback“ (O-Ton Fronter Robert, beim kürzlich erfolgten Auftritt bei den Metalheads Austria in Enns war man bekanntlich nur als Trio unterwegs), räumten die Linzer im Gewölbe ganz gewaltig auf. Und das war bei den fein zwischen träumerischen Melodien mit starkem Klargesang des Schlagzeugers und wütenden Passagen mit garstigem Gebrüll pendelnden Klängen von INDORSIA an diesem Abend wirklich wörtlich zu nehmen, denn der absolut entfesselt agierende, häufig sogar direkt im Publikum agierende Fronter Robert kickte im Adrenalinrausch gleich beide Monitore herzhaft von der Bühne. Dass dabei sogar eines der Schutzbleche davonsprang, konnte man nur als Kollateralschaden im wahnwitzig starken Gig der Linzer hinnehmen- zumal sich parallel dazu die Besucher in rabiaten Moshpits heftigst die Kante gaben. Was für ein verflucht starker Auftritt, bitte mehr davon!


Nach so einem Abriss braucht man einfach ein bißchen Romantik – am besten in Form von ALL YOUR SORROWS aus Wien (wem das bekannt vorkommt, die Herren saunierten kürzlich gemeinsam mit BEFORE ALL GOES DOWN in Vöcklabruck). Was das kleine Schreiberlein dazu noch nicht sagte, das war, dass es sich hierbei um die Brachialromantik der Hustenzuckerl-Fraktion aus der härteren Ecke des Metalcore-Spektrums handelte – derbstes Geprügel also, das den inzwischen schon ein wenig schwächelnden Besuchern mit Nachdruck in den Schädel gedrückt wurde. Fast ausschließlich im Publikum zugegen, grunzte Brüllwürfel Gerald die Besucher quasi durchgehend von Angesicht zu Angesicht an, was empfindlichere Charaktere durchaus ein wenig verstören hätte können – doch von solchen war an diesem Orte ohnehin niemand anwesend. Die Zuschauer waren gekommen um sich heftigste musikalische Eskalation um die Ohren blasen zu lassen – was sie von ALL YOUR SORROWS auch in besonders qualitativer Form bekamen!


Zu später Stunde hievten sich als Abschluss noch die Lokalmatadore von AMONG THE GODS (an diesem Abend verstärkt durch Saitenwürger Shred von STREAMBLEED) auf die Bretter, um das was vom Publikum noch in diversen Aggregatszuständen übrig war, mit der todesmetallischen Abrissbirne unter Schutt und Asche zu begraben. Die Neuerfindung des Death Metal darf man natürlich nicht erwarten, doch wenn man einfach nur zu brutalen Klängen das Kleinhirn durch den Schädelinnenraum purzeln lassen will, bis dass sich die Ganglien dreimal in sich selbst verstrickt haben, dann sind die jungen Burschen von AMONG THE GODS genau die richtige mitternächtliche Medizin für den krawallhungrigen Metalhead. Leider musste das kleine Schreiberlein durch die entstandene Verzögerung im Programm etwas verfrüht die Segel streichen und die ungebrochen motivierten Zuschauer mit der jungen Rumpelkombo zwecks Vollendung des Zerstörungswerks alleine lassen -  doch Berichten zufolge überlebte das Böllerbauer-Gewölbe die rabiate Behandlung mit Schallwellen der Marke AMONG THE GODS gerade so eben. Ein mehr als würdiger Abschluss eines schweißtreibenden ersten Festivaltages!
 

Wer die Heimfahrt nicht auf sich nehmen wollte, der stellte sein Zelt (mal mehr, mal weniger gekonnt) oder Auto kurzerhand irgendwo am weitläufigen Böllerbauer-Gelände ab – Regeln gibt es hier keine, dafür ein gemütlich-schräges Ambiente mit einem gewissen postapokalyptischen Punkkommunen-Feeling – oder pumpte sich in einem Eckchen eine Luftmatratze auf, um die laue Nacht unter freiem Sternenhimmel im Schatten von ausrangierten, bizarr in die Nacht ragenden Arbeitsmaschinen und im Beisein von niedlich miauenden Babykätzchen zu verbringen. Anderntags sollte man sich in aller Frische wieder sehen...

Eine Fotogalerie vom ersten Festivaltag findet ihr in Kürze auch bei Images Of Pain And Pleasure.
Wer dem goldigen Kätzchen (ja, wir kennen die Schwächen von euch bösen Metalheads!) nicht widerstehen konnte - mehr Cat-Content vom Böllerbauer gibt es als Bonus noch obendrauf.


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