07.06.2019, Rockhouse-Bar, Salzburg

Seeds Of Doom - The Festival II - Tag 1

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 13.06.2019

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Das Pfingstwochenende vor der Tür, das Wetter traumhaft – daraus folgend endlose Staus auf den Autobahnen und, als Sahnehäubchen oben drauf, noch chaotische Zustände auf der Bahnstrecke zwischen München und Salzburg. Wer das Glück hatte, nicht durch das bayrische Nadelöhr zu müssen, der fand sich am Freitag beim der zweiten, erstmals zweitägigen Ausgabe des Seeds Of Doom in der Rockhouse-Bar ein. Wie gesagt, wer konnte, denn selbst einige der Bands (glücklicherweise „nur“ jene, die am zweiten Tag des Festivals spielen sollten), blieben irgendwo zwischen Staus und Zugausfällen auf der Strecke liegen. Solcherart stand das Festival unter keinem so guten Stern, was sich dann leider auch an den unterdurchschnittlichen Besucherzahlen zeigte.

Dabei hätte das Seeds Of Doom mit seinem Lineup, das die Nerd-Fraktion der Jünger der Grabesklänge ansprechen sollte, durchaus Potenzial für volles Haus gehabt! Das Who's Who der österreichischen Doom-Szene tummelte sich auch so in der Bar des altehrwürdigen Gemäuers und gab der zweitägigen, mit Herzblut auf die Beine gestellten Veranstaltung die päpstliche Absolution.



OBSIDIAN SEA

Die Festivität startete mit THE TOWER mit träumerisch schönen, traurigen Riffs, die von zweistimmigem, klagendem Gesang akzentuiert wurden. Trotz insgesamt mäßiger Besucherzahlen, tummelten sich zu den teilweise rockigen, dann wieder eher atmosphärischen Klängen der Tschechen bereits vergleichsweise viele Besucher vor der Bühne, die die Darbietung von THE TOWER sichtlich goutierten.

Mit getragenem, klassischem Doom von THE HUMAN CONDITION ging es breitwandig weiter. Für Schmunzeln bei den Besuchern sorgten der weißhaarige Bassist (Santa Claus, bist du das?) und ein sichtlich ergrauter Gitarrist, die in den schweren, walzenden Klängen aufgingen, als hätte man sie direkt in ihre Jugend zurückgeschleudert. Dass THE HUMAN CONDITION zwischendurch sogar einen ihrer durchwegs recht langen Titel abbrachen, da sie sich uneins zu sein schienen, in welcher Strophe sie sich gerade befanden, sorgte für einen sympathisch-schrägen Moment im Auftritt der Engländer, die unterm Strich aber trotzdem ordentlichen Applaus des etwas zusammengeschmolzenen Publikums spendiert bekamen.



NAEVUS

OBSIDIAN SEA aus Bulgarien zogen im Anschluss gefühlt die komplette anwesende Besucherschar vor die Bühne und bestachen mit getragenen Klängen, die für eine nur aus drei Leuten bestehende Besetzung ganz gewaltig Schub gaben. Die musikalisch wirklich starken, wunderbar ausdrucksstarken Soundwelten wurden hauptsächlich Instrumental dargeboten, wussten aber in den richtigen Momenten mit hellen, klangvollen Vocals zu überzeugen. Ausladendes Gefrickel an den Instrumenten ließ die Herzen der Doom-Nerds höher schlagen und sorgte dafür, dass sich OBSIDIAN SEA über anhaltenden Beifall zum Abschluss ihres Sets freuen konnten.

NAEVUS führten die Atmosphäre unter voller Publikumsunterstützung, trotz derer die Bar nicht einmal halb voll erschien, weiter, konnten aber die Dichte der vorherigen Performance nicht ganz erreichen. Das lag wahrscheinlich am ehesten daran, dass die Deutschen vermehrt auf höhere Geschwindigkeit und durchaus rockigere, zugänglichere Einflüsse setzten, was aber bei den Besuchern und dem inzwischen schon fast zu Tode gedoomten Berichterstatter auf fruchtbaren Boden fiel und demzufolge vom Salzburger Publikum kräftigst abgefeiert wurde. Zwar wirkten die Vocals ab und an etwas leiernd, doch dass sich ein Gitarrist während eines Doom-Konzertes mit der Gitarre ins Publikum stürzte (todesverachtend, mit Kabel!), das sah man auch nicht alle Tage. Das ist doch alles viel zu fröhlich hier, wir wollen bitteschön wieder von Grabesklängen zu Boden geschlagen werden! Aber erst, nachdem die sympathischen NAEVUS sich ihren verdienten Applaus für die tolle Auflockerung abgeholt haben!



EVANGELIST

Man wollte von der erdrückenden Schwere bleierner Riffs und finsterer Atmosphäre in den Staub geworfen werden. Man wurde es dann auch wieder. Und zwar vom Headliner des ersten Abends, niemand geringeren als den polnischen Doom-Mönchen von EVANGELIST. Erhaben, fast sakral türmten sich pechschwarze, schleppende Gitarrenwände auf, bereit, über den Zuschauern, die der Performance größtenteils entrückt mitwippend folgten, zusammenzuschlagen. Sehr schwere, doch äußerst atmosphärische und mitreißende Kost war es, die die noch einmal vollzählig angetretenen Zuschauer so richtig durchwalkte. Mächtig rollten die schweren Klänge wie Wellen durch die Bar, dirigiert von den stoischen Männern in ihren Kutten, die in den bleiernen Klängen voll aufgingen. Der vom Sänger kurz geschwungene Schädel sorgte für einen angemessen düsteren Anstrich des intensiven Auftritts, der sich zu recht anhaltenden Jubel abholen konnte.
 

Weitere Fotos des ersten Festivaltags findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure.
Und hier findet ihr in Kürze den Bericht zum zweiten Festivaltag.


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