31.01.2011, PPC Bar

NECKBREAKERS BALL feat. KATAKLYSM

Veröffentlicht am 02.02.2011

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Kaum sind die letzten Akkorde des vorweihnachtlichen Rock The Nation „Thrashfest 2010“ abgeklungen, schickt Österreichs Topveranstalter bereits das nächste Hammerpackage auf Europa-Tour. Der NECKBREAKERS BALL setzt sich aus fünf stilistisch unterschiedlichen Bands zusammen und macht insgesamt gleich vier Mal in Austria Station. Den Abschluss bildet dabei der Gig in der steirischen Landeshauptstadt, wo das PPC bereits durch den Vorverkauf beinahe vollgefüllt war. Trotz der großen Raucherlounge ist die Bewegungsfreiheit angesichts der prallgefüllten Location enden wollend. Einerseits großartig, weil die Stimmung an diesem Montagabend (!!) wirklich am kochen ist, andererseits hätte man in diesem Fall vielleicht wirklich in das doch größere Orpheum ausweichen können. Mit Fotograben war im Endeffekt auch nix, wodurch mein hochgeschätzter Kollege quasi einen Katastropheneinsatz einlegen musste und nur mühsam ohne Schrammen entkommen ist. Punkt 19:00 wird der bunte Reigen mit den stark gehypten Ziegenfetischisten MILKING THE GOATMACHINE eröffnet. Bereits jetzt ahnt man, dass die Bude aus allen Nähten zu platzen droht, finden sich doch schon beim Opener an die 80% des Publikums ein. Erst vor wenigen Monaten haben die deutschen Farmtiere im benachbarten Deutschlandsberg nichts als verbrannte Erde hinterlassen, derart abgefeiert wie MTG wurde schon lange keine Konzerteinstiegsband. Anfangs noch verhalten und abwartend, lassen sich die Anwesenden von grindigen Death-Krachern der Marke „March Into Shed“ und „Goat Thrower“ in die kranke Welt der Teutonen einführen. Gerade die älteren Semester scheinen MTG noch nicht allzu gut zu kennen, spätestens beim knarzigen „Here Comes Uncle Wolf“ bilden sich aber die ersten Moshpits. Spätestens mit dem vergrindeten SACRED REICH-Cover „Surf Goataragua“ hat man die jüngere Klientel endgültig eingesackt – als Anheizer sind MTG wohl das letzte Mal unterwegs.

Nach diesem explosiven Riffgewitter wird es für die schwedische Viking/Folk Institution MÅNEGARM natürlich nicht einfach, den Stimmungslevel hoch zu halten. Trotz zweier Gitarren und sichtlich bemühter Bühnenperformance tun sich die Skandinavier wahnsinnig schwer, das zuvor gewaltbediente Auditorium bei der Stange zu halten. Zudem krankt es am Sound – Janne Liljeqvists Geige ist zwar das eindeutige Markenzeichen MÅNEGARMs, da selbige aber meist nur im Hintergrund fidelt und sich nicht bemerkbar machen kann, mangelt es dem Quintett an Authentizität. Das Wotan-Publikum hält sich heute zudem in Grenzen, der Großteil ist hier doch für die brutaleren Kollegen MÅNEGARMs vor Ort. Songtechnisch liefern die Jungs einen schönen Querschnitt ihrer Karriere ab, legen den Fokus natürlich auf das auch schon wieder zwei Jahre alte „Nattväsen“-Album, gehen aber auch kurzfristig auf ganz alte Hadern zurück. Sichtlich bemüht, aber klassisch fehlbesetzt sind MÅNEGARM die klaren Verlierer des Abends.

Das kollektive Abfeiern der bayrischen Spaß/Humppa/Viking/Sauf-Truppe EQUILIBRIUM habe ich noch nie so richtig verstanden. „Turis Fratyr“ war zwar ein gutes Album, doch vor allem das ziemlich frische „Rekreatur“ ist an Peinlichkeit und Plattitüden nicht zu übertreffen. Den pickelgesichtigen Teenagern in den ersten Reihen scheint das süddeutsche Funkommando besonders gut zu gefallen – als die Bayern nach einem elendslangen Intro die Bühne betreten, erstrecken sich dutzende Pommesgabeln gen Sänger und Neuling Robse Dahn, der optisch aber irgendwie an den ultraschwuchteligen Joey DeMaio erinnert. Auch in punkto peinliche Ansagen (zB. „Wollt ihr den totalen Krrrriiiieeeg?“) gleichen sich die beiden wie ein Ei dem anderen. Die vorwiegend lang gehaltenen Songs gehen dem Publikum trotzdem runter wie Öl. „In heiligen Hallen“, „Der ewige Sieg“ und das Schunkelliedchen „Die Affeninsel“ kommen neben dem programmatischen „Met“ besonders gut an. Da sich die Gewaltästheten unter den Anwesenden bei dieser Partyvorstellung lieber in die Raucherlounge verziehen, bleibt den zahlreichen EQUILIBRIUM-Anbetern auch genug Platz, um den Frontbereich in ein Tollhaus zu verwandeln. Ob Sympathie oder nicht – die Stimmung ist bei EQUILIBRIUM großartig, das Bier fließt in Strömen, den Leuten gefällt’s. Geschmäcker sind ja gottseidank verschieden…

Nach dem fröhlichen Spaßprogramm sind die Mägen bereits gut abgefüllt, die Besucherschar angeheitert und die Merchandise-Stände schwer frequentiert. Gleichzeitig ist es aber endgültig vorbei mit der Met-seligen Karnevalsstimmung, denn die holländischen Highspeed-Thrasher LEGION OF THE DAMNED gehen schon wesentlich ernsthafter ans Werk. Doch was ist denn da los? Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass den Holländern nicht nur (wie so oft schon angemerkt) eine zweite Gitarre fehlt, sondern dass der Sound unheimlich dünn und breiig aus den Boxen eiert. Bei brandneuen Songs wie „Night Of The Sabbath“ oder „Shrapnel Rain“ ist von der shreddernden Urgewalt, die man von CD gewohnt ist, nichts zu merken. Erst im Laufe der Zeit bringt der Tontechniker das Dilemma auf ein erträgliches Niveau, die Jungs selbst stören sich daran aber ebenso wenig wie die dauerbangende Crowd. Den gut 50-minütigen Auftritt verhunzen LOTD leider mit viel zu vielen Sample-Einlagen, ein bis zwei Songs mehr hätten es auch getan, für eine ungewohnte „Thrash-Polonaise“ reicht das Ganze trotzdem. Auffallend sympathisch agiert aber Sänger Maurice, der sich des Öfteren (erfolgreich!) in deutscher Sprache artikuliert und Sechssaiter Richard Ebisch, der aus seinen Haaren mittlerweile einen meterhohen Turban wickeln könnte. Mit „Killzone“, „Son Of The Jackal“ oder der Bandhymne „Werewolf Corpse“ begeistern LOTD natürlich trotzdem auf allen Linien, auch wenn man „echte” Thrasher wie EXODUS oder DEATH ANGEL mit den “Beutethrashern” LEGION OF THE DAMNED nicht in eine Liga stecken kann.

Setlist LEGION OF THE DAMNED

(ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit): Night Of The Sabbath Legion Of The Damned Shrapnel Rain Cult Of The Dead Death's Head March Killzone Pray And Suffer Hand Of Darkness Son Of The Jackal Werewolf Corpse

Zeit für den Headliner und bessere Planung. Dem lieben Veranstalter geht nämlich schon vor dem ersten KATAKLYSM-Riff das Wieselburger aus – wären nicht 0,33l Puntigamer als Ersatz vorhanden gewesen, hätte die Meute das PPC wohl zerpflückt. Die Kanadier selbst sind nicht nur mit ihrem neuen Album „Heaven’s Venom“ sehr zwiespältig aufgenommen worden, die Arbeitstiere begeben sich auch fast das gesamte Jahr 2011 auf Tour. Ein KATAKLYSM-Konzert ist gleichbedeutend mit instrumentalen Effekten und Schummeleien, bis zur Unkenntlichkeit getriggerten Drums und ohrenzerstörenden Soundeffekten. Den exaltierten Leuten im PPC sind die „Nintendo-Produktionsvorwürfe“ völlig egal, sie sind nur hier um ihre Faves abzufeiern, die halbe Halle in einen Pit zu verwandeln und den gestressten Barleuten auch noch die letzten Tropfen Gerstensaft abzunehmen. Dass auch KATAKLYSM mit nur einer Axt ans Werk gehen, fällt bei diesem Brachialsound überhaupt nicht auf. Zwischen dem Sperrfeuer von „Serenity In Fire“, Halsschmerz verursachenden Krächzern in „Manipulator Of Souls“ und dem Jahrhundertsong „In Shadows And Dust“ hält Sänger und Symphatikus Maurizio Iacono viel Interaktion mit dem Publikum. Den Anwesenden werden noch einmal die letzten Reserven abverlangt, bei „As I Slither“ versammeln sich gar 20 Leute auf der Bühne, um das letzte Drittel des Songs hypnotisch ausrastend mitzuverfolgen. Eine bessere Werbung gibt es für das oft vernachlässigte Graz gar nicht – fantechnisch mit Sicherheit das Highlight der bisherigen Tour. Nach dem regulären Ende kehren die Ahornblätter für „To Reign Again“ und den Rausschmeißer „Like Angels Weeping (The Dark)“ noch ein letztes Mal auf die Bühne zurück, um einen fünfstündigen Metal-Marathon würdig zu beenden. Technik hin oder her – welche Death Metal Band zieht den heutzutage regelmäßig so viele Leute an und erfreut sich auch beim Nachwuchs stets größter Beliebtheit? Wer kann für ausverkaufte Hallen sorgen? DEICIDE bestimmt nicht, SIX FEET UNDER längst nicht mehr und selbst CANNIBAL CORPSE sind da weit entfernt. Also – KATAKLYSMs Wucht einfach live genießen und das Meckern einfach mal vertagen.

Setlist KATAKLYSM

(ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit): A Soulless God Serenity In Fire The Ambassador Of Pain Push The Venom Manipulator Of Souls Let Them Burn Years Of Enlightmend/Decades In Darkness In Shadows And Dust As I Slither At The Edge Of The World The Road To Devastation Crippled And Broken Encore: To Reign Again Like Angels Weeping (The Dark) Sämtliche Pics der Show gibt's hier zu sehen!


WERBUNG: Hard
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