11.05.2019, Arena Wien,

Vienna Metal Meeting - OPETH + SOLSTAFIR + AMENRA + ROTTING CHRIST...

Text: Gregor Eder | Fotos: Werner Nowak
Veröffentlicht am 16.05.2019

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Am vergangenen Samstag verließen einige dunkel gekleidete Gestalten ihre Behausungen noch bei Sonnenlicht, um sich an einem ganz bestimmten Ort in Wien zu versammeln. In der Arena Wien fand zum dritten Mal das VIENNA METAL MEETING statt, welches schon um 13:30 mit harten Klängen lockte.

 

In diesem Jahr gestaltete sich das Line-up wieder einmal gut gemischt und zum ersten Mal wurde die Open-Air-Bühne genutzt. Mit großer Vorfreude machte ich mich auf und vernahm schon beim Betreten des Geländes die ersten Töne von den slowakischen Doom/Gothic-Metallern DOOMAS, sowie den Soundcheck der werten Wiener Thrash-Maschinen von ENCLAVE. In der Halle, in welcher DOOMAS ihre Instrumente dröhnen ließen, fanden sich schon einige Besucher und als ich mich nach der Dröhnung wieder zur Open-Air Bühne begab, wurde es Draußen auch schon etwas voller.

 

ENCLAVE gönnten sich bei perfektem Wetter einen sehr feinen Gig im Freien. Vom Balkon aus hatte man einen wunderbaren Überblick über die Menge und so konnte ich feststellen, dass auch einige Musiker, die an dem Tag nicht die Bühne betreten würden, herum wuselten. Vorerst dachte ich hier jede Band von der ich Mitglieder traf aufzulisten, doch schlussendlich liefen mir über den Tag so viele Kollegen über den Weg, dass ich darüber eine eigene Story schreiben könnte. Ein Kollege der in Zusammenhang mit ENCLAVE`s Gig jedenfalls erwähnenswert ist, ist Nino Del Carlo, welcher für die Herren am Mischpult tätig war. Mit der Hymne „Austrian Thrash Commando“ beendete die Band ihr Set und in der Halle wartete schon die nächste österreichische Partie.

 

Nun stand Grazer Post-Black-Metal am Plan. Das Quintett namens ELLENDE kennt man in der Szene doch schon recht gut und ich persönlich freute mich schon auf das Gemisch aus atmosphärisch-düsteren Klangwelten, welche von heftigen Blast-Beats zerfetzt werden. Das in diesem Jahr veröffentlichte Album „Lebensnehmer“, welches voller düsterer Melancholie nur so strotzt, dürfte den Hörern anscheinend gefallen haben, da die Halle schon kurz nach ENCLAVE gestopft voll war. Da für mich irgendwie aufgrund der noch scheinenden Sonne die richtige Stimmung für eine solch düstere Musik nicht aufkam, machte ich mich einmal auf um zu erkunden was einem auf dem Gelände noch so geboten wurde.

 

Neben den Foodstands, dem Rettungs/Verwaltungszelt und dem Beisl gab es einerseits einen „Meet and Greet“-Bereich, in welchem vom MOREMETAL.ORG organisierte Signing Sessions stattfanden, andererseits einen ziemlich ausgiebigen Merch-Bereich, bei welchem man von Patches, Shirts, Hoodies, CD`s bis LP`s so gut wie Alles, was das Sammlerherz begehrt, finden konnte. Als ich dann auf die Uhr sah, wurde mir klar, dass ich mich langsam wieder von den Platten lösen und mich Richtung FLESHCRAWL aufmachen sollte.

 

Kaum draußen angelangt zerlegten schon die Herren Sven Gross (Vocals), Oliver Grbavac (Guitar), Manuel Markowski (Bass), Slobodan Stupar (Guitar) und Bastian Herzog, besser bekannt als FLESHCRAWL die Bühne. Mittlerweile war der Rasen vor der Bühne auch schon nicht mehr von gemütlich sitzenden, sondern eher gesteckt stehenden Besuchern besetzt. Die Band versorgte die Crowd mit erdigem Deathmetal der bavarischen Art auch wenn der Sound etwas Bass missen ließ. Den Besuchern schmeckte es sichtlich und kurz nach dem 40-minütigen Set sah man wieder eine Menschenmenge gen Halle wandern.

 

In jener erwarteten CHAPEL OF DISEASE aus Kölln schon 5 Minuten nach ihren Kollegen die Crowd und schwangen die Death-Keule weiter. Die 2008 gegründete Band erfreute sich zurecht am großen Interesse der Anwesenden, wobei doch einige Thrash-Liebhaber schon draußen auf CHRIS HOLMES warteten. Ab ELLENDE begannen sich die Bands zeitlich etwas zu überschneiden und da ich selbst schon sehr gespannt auf Herrn Holmes war, gönnte ich mir nur das halbe Set der Kölner, welche die Crowd mit ihren Horror-Lyrics gut im Griff hatten.

 

Nun stand etwas „old-schooligere“ Musik an! Der mittlerweile 60 Jahre zählende Mitbegründer der legendären W.A.S.P. ließ es sich nicht nehmen mit seinen Mean Mans die Open Air Bühne zu zerlegen. Wenn man nun näher auf die Geschichte der Musik des Herren eingehen wollte, dann könnte man sicherlich ein ganzes Buch damit füllen. Aber genug von dem wohl bekanntesten Mitglied der Band CHRIS HOLMES & THE MEAN MEN, hin zu den weiteren Musikern. An Holmes Seite fanden sich Oliver Tindall (Guitar/BackingVocals), Lex Gifford (Bass/Backingvocals) und Stephen Jackson an den Drums. Das Quartett brachte die Crowd mit einigen W.A.S.P.-Songs zum kochen und brachte zum Ende noch Cover wie beispielsweise „Fortunate Son“ von CCR und „Rockin in a free world“ von Neil Young. Wenn man bedenkt, dass kurz zuvor noch heftiger Death-Metal durch die Gegend schallte und später die Crowd den Refrain von „Rockin in a free world“ mitgrölte, zeigt dies nur, dass auf diesem Festival keine wirkliche Genre-Rivalität herrschte. Holmes schaffte es jedenfalls alte und junge Fans zu begeistern und die Stimmung war unglaublich fein.

 

Schlag auf Schlag ging es dann schon wieder in der Halle mit OUR SURVIVAL DEPENDS ON US weiter. Schande über mich, dass mir diese Salzburger Band noch nicht bekannt war! Die doomig sludgige Truppe ließ ihre stampfenden Rhythmen, welche sich mit melodiösen atmosphärischen Parts abwechselten, klingen, während sie mit blutverschmierten Gesichtern von der Bühne schauten. Besonders gefiel mir wie der Keyboarder den ganzen Sound noch etwas auffettete. Fast hätte mich die Band so in ihrem Sound gefangen, dass ich die Zeit übersehen hätte, was fatal gewesen wäre, da mein erstes persönliches Highlight als Nächstes anstand.

 

Mit etwas hurtigerem Schritt bewegte ich mich Richtung Open-Air-Bühne um einem meiner absoluten Favoriten im Black Metal Genre zu frönen. ROTTING CHRIST aus Griechenland betraten die Bühne und die Devil-Horns der Crowd wanderten in die Höhe. Der schon bei anderen Bands zuvor recht motivierte Moshpit vergrößerte sich etwas und ich konnte mich selbst auch nicht mehr halten. Die rhythmischen „Aufbaupassagen“ eignen sich einfach enorm gut um eine Wall of Death vor dem Zusammenstoßen anzuheizen und bei den schnellen deftigen Riffs ging es dann richtig zur Sache. Nach 50 Minuten stand ich dann etwas keuchend in meinem verschwitzten Ledermantel am Bühnenrand und verdaute kurz eine leichte Rippenprellung. Man kann sagen, dass die Band bis zur letzten Minute Alles gegeben hat.

 

Wieder einmal ging es sofort in der Halle weiter. Die Sonne verschwand schon langsam am Horizont, als AMENRA die Bühne betraten. Somit war die perfekte Stimmung für den Post/Sludge Metal der Belgier gegeben und man sah die Anwesenden mit dem nach unten geneigten Kopf die Haare zum doch eher langsamen Takt schwingen. AMENRA fangen einen in ihren anfangs ruhigen und dann immer mehr eskalierenden Tracks ein und lassen erst los, wenn die Crowd von den Klängen hypnotisiert scheint. Ich riss mich nach 25 Minuten dann leider schon wieder los, da draußen ein weiteres meiner Highlights wartete. AMENRA durfte ich mir zum Ersten Mal zu Gemüte führen und bin mir sicher, dass ich dies wiederholen werde.

 

UNLEASHED waren schon bei ihrer ersten Nummer als ich mich unter die Leute mischte. Der Death-Metal der Schweden, welche nun schon seit satten 30 Jahren aktiv sind, wurde von der mittlerweile schon ziemlich großen Crowd dankbar angenommen und die Mähnen flogen wie wild durch die Gegend. Mittlerweile begann man einen leichten Temperaturabfall zu bemerken, was den Anwesenden aber nichts ausmachte, da einerseits genug Bewegung stattfand, andererseits einem beim Headbangen nicht unbedingt kalt wird. Eine satte Stunde wurde von UNLEASHED feinste „Rifferei“ und moshbare Rhythmik zu Ohren gebracht.

 

Mittlerweile wurde mir klar, dass ich mir meine Energie gut einteilen musste, da schon einiges davon bei den vorigen Bands draufgegangen war und die weiteren Bands hochkarätiger nicht sein konnten. Da um 19:50 eine Autogrammstunde von ROTTING CHRIST anstand, nahm ich jene als kleine Pause war und freute mich unglaublich darüber mein T-Shirt signieren lassen zu können. Nachdem ich mich für den fetten Gig bei den Musikern bedankt hatte ging es dann direkt weiter in die Halle.

 

BENIGHTED waren schon voll im Gange und die Halle dementsprechend gut gefüllt. Die energiegeladene Performance der französischen Brutal Death/Grind Partie war dann noch um ein Stückchen härter als der alt ehrwürdige Death von UNLEASHED. Die Crowd war auch schon ganz schön in Fahrt und somit ließ der Pit nicht lange auf sich warten. Ich durfte mir die Band schon des Öfteren gönnen und kann sagen, dass sie mich bisher noch kein einziges mal nicht zum moshen bewegt hätte, doch diesmal musste ich mich zurückhalten um nicht noch eine Prellung zu kassieren. So bewunderte ich das Massaker aus der Ferne und freute mich über die vorherrschende Stimmung.

 

Als ich mich dann gen Ausgang begab um mir SOLSTAFIR näher anzusehen, musste ich feststellen, dass sich der Himmel dazu entschieden hatte uns nun mit Regen zu nerven. Mit der Kapuze an der Bar stehend begutachtete ich die isländische Post-Rock/Metal Band von der mir schon einiges berichtet wurde. Das Wetter passte definitiv zur Musik, da jene nicht melancholischer hätte sein können. Ich war sehr überrascht wirklich mehr Rock als Metal-Elemente herauszuhören und die Stimmung die aufkam, war ganz eigen. Ein Kollege meinte, dass diese Stimmung für isländische Musik typisch wäre. Interessiert lauschte ich dem was vorgetragen wurde und ließ mich dabei langsam vom Regen durchnässen. SOLSTAFIR ist jedenfalls eine Band mit der ich mich noch näher auseinandersetzten werde, da mich die Musik etwas verwirrt hat, mir aber auch irgendwie dann doch gefallen hat.

 

Weniger unsicher war ich mir dann bei der in der Halle musizierenden Band. Da ich bei düsterem Himmel und Regen schon etwas durchnässt gen Bühne ging kam schon auf diesem Weg die richtige Stimmung für den atmosphärischen Black Metal von URFAUST aus Holland auf. Benannt nach der ursprünglichen Version des Goeth`schen Meisterwerk „Faust“, liefert das Duo alles was das Okkultisten-Herz begehrt. Das nihilistische Ritual, welches in der Halle zelebriert wurde, fand bei den Jüngern vor der Bühne enormen Anklang. Abgesehen von der wirklich gelungenen Show gab es dann doch auch noch eine Nachricht seitens der Band, welche einige etwas traurig stimmte. URFAUST verkündeten, dass sie sich aus dem Live-Business zurückziehen.

 

Während ich diese Nachricht etwas verdaute begab ich mich auf den überdachten Teil des Balkons um mir OPETH zu gönnen. Aufgrund der Überschneidung eilte ich von URFAUST direkt hinaus und stellte fest, dass meine Eile unbegründet war. Aus einem mir unbekannten Grund verzögerte sich der Auftritt der Band um ca. 25 Minuten, was den im Regen Stehenden sicherlich etwas im Magen lag. Als die Band dann die Bühne betrat und ihr Set begann, schien die Stimmung dann aber doch gerettet. Die progressiven Schweden eröffneten mit dem Titeltrack ihres letzten Albums namens „Sorceress“ und brachten weitergehend eine nette Mischung der vorangegangenen Alben. Durch die Verzögerung und die Lärmschutzverordnung kam es dann am Ende zu einer etwas lustigen Situation. Der Band wurde mitgeteilt, dass sie noch 5 Minuten an Spielzeit hätten, woraufhin Sänger Akerfeldt nur meinte, dass sie keinen 5 Minuten langen Song hätten und nun die letzten fünf Minuten des geplanten Songs spielen würden. In meinen Augen eine schnelle und flexible Lösung, welche dem Set einen netten einzigartigen Schluss gab.

 

Wieder in der warmen Halle angekommen, ging es von progressiven Songkonstrukten zurück zu hartgesottenem Blackened Death Metal. NECROPHOBIC wurde schon von einer derartigen Masse erwartet, dass die Securities an den Einganstoren leider ein paar Leute warten lassen mussten. Vor voller Hütte zerlegten die Schweden mit brachialer Gewalt die Bühne, bis die Corpsepaints sich langsam zu verflüssigen begannen. Die Vocals von Anders Strokirk sind immer wieder verdammt ranzig und passen unglaublich gut zu den heftigen Klängen der Instrumentalsektion.

 

Nach dem Set von NECROPHOBIC stellte sich ein leichtes Abflauen der Crowd während der 20 minütigen Umbauphase ein. So wurde es etwas gemütlicher, wobei die noch vorhandene Crowd die Halle doch gut füllte.

 

Nach kurzem Warten standen dann SECRETS OF THE MOON auf der Bühne und legten mit ihrem interessanten Gemisch aus Black und Alternative Metal los. Die deutsche Partie beeindruckte mit einerseits recht atmosphärischen Klängen, andererseits mit wirklich interessanten Rhythmus-Passagen, welche den ein oder anderen Headbanger leicht aus dem Takt kommen ließen. Neben mir hörte ich einen Besucher sagen: „Die Mukkn is ua geil, owa die Rhythmik pock i ned!“. Ich glaube das beschreibt die Show der Band recht gut. Nach guten 50 Minuten hatte sich die Crowd dann schon etwas aufgelöst, doch eine Truppe stand noch am Plan.

 

HELLAVISTA sprangen nach der kurzfristigen Absagen von INSANITY ALERT ein und spielten vermutlich den zeitlich am spätesten angelegten Gig ihrer Bandgeschichte. Das Quintett vernichtete sozusagen noch den letzten Rest vom Schützenfest, welcher sich sogar noch zu einem kleinen 3 bis 4 Mann großen Circle-Pit hinreißen ließ. Man hat es nicht einfach um so eine Uhrzeit die noch Anwesenden zu motivieren, doch HELLAVISTA ließen sich nicht aufhalten und spielten ihren groovigen Thrash bis die Uhr 02:00 schlug.

 

So ging ein mit 17 Bands geladener Festival-Tag vorüber und ich machte mich vollkommen zufrieden auf den Weg. Wie schon am Anfang erwähnt, war ich durchaus mit Vorfreude erfüllt und nun kann ich sagen, dass jene absolut berechtigt war.

 

Ein großes Dankeschön an die komplette Crew, die so einen feinen Festival-Tag ermöglicht hat und natürlich auch an die Bands, die die Crowd wirklich fein beschallt haben. Es war ein wirklich gelungenes Metal-Meeting und ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

 

Für 2020 stehen übrigens schon PARADISDE LOST, KATATONIA, DEMOLITION HAMMER, GRAND MAGUS und CARNATION am Plan! Das wird sicherlich wieder ein feines Fest!

 

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