30.03.2019, Stadtwerkstatt, Linz

Shredfest Vol.6

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 03.04.2019

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Wenn der BLACK EYED SWAN zum CHAINBREÄKER mutiert, dann kommt es zum DARKFALL und Linz geht VOR DIE HUNDE! Echt jetzt! Eigentlich hätte dazu noch der THIRDMOON am Himmel stehen sollen, doch dieser entschloss sich leider recht kurzfristig dazu, doch nicht aufzugehen. Was zwar sehr schade war, doch in Anbetracht der Symphonie der Zerstörung, die die verbliebenen vier Bands in der Linzer Stadtwerkstatt zur sechsten Ausgabe des Shredfests einläuteten, unterm Strich nicht so sehr ins Gewicht fiel. Vor allem die als Ersatz für die ebenfalls ausgefallenen ATHIRIA auf den Zug aufgesprungenen VOR DIE HUNDE sorgten beinahe dafür, dass tatsächlich alles vor die Hunde ging – nicht nur im übertragenen Sinne! Doch dazu später mehr... zunächst darf die freudige Information verbreitet werden, dass sich die Veranstalter des Shredfests einmal mehr das „ausverkauft“-Schild an die Tür tackern konnten und entsprechend die Kulisse für alle Bands des Abends eine höchste erfreuliche war.


Bereits bei BLACK EYED SWAN tummelten sich entsprechend viele Besucher vor der Bühne, die die motiviert losstartenden Linzer mit Interesse verfolgten. Gesanglich stark, wollte das abwechslungsreiche, aber stilistisch noch nicht so recht gefestigt wirkende Liedgut allerdings bei den Leuten nicht so ganz zünden. Mit deutlichen Crossover-Tendenzen wirkte zwar die Linie klar, doch die Songs präsentierten sich häufig in sich verworren und sich selbst im Wege stehend, sodass man als Zuhörer nicht so recht den Draht zur Musik finden wollte - ein bisschen mehr Mut zu etwas griffigeren Strukturen an den neuralgischen Stellen wäre wünschenswert, denn Potenzial ist zweifelsohne vorhanden. Für ihre sympathische, wenn auch teils etwas statische Performance konnten sich BLACK EYED SWAN dennoch ordentlichen Applaus abholen.


Während die dank Ausfällen ins Billing gerutschten VOR DIE HUNDE, ein oberösterreichisch-bayrisches Nebenprojekt von DISTASTE, die Bühne in Beschlag nahmen, wurde unten gerade das „Ausverkauft!“-Schild an die Tür genagelt und droben wütete der Grindcore-Hammer. Während ein im wahrsten Sinne des Wortes als entfesselt zu bezeichnender Lukas Haidinger (ganz ungewohnt nur mit Mikrofon bewaffnet und ohne Instrument in der Hand) wie ein Derwisch über die Bretter fegte, sprang und sich die Seele aus dem Leib brüllkreischte, zerlegten die drei Instrumentalisten (was für ein Bild – zwei turmhohe Saitenshredderer und dazwischen der menschliche Gummiball Haidinger) mit Vehemenz die Bude. Und das regelrecht bildlich, denn zwei Songs vor Schluss hielt das Fell der Bassdrum dem wohl ungewohnt heftigen Doublebass-Gewitter des Schlagzeugers nicht mehr stand und ging VOR DIE HUNDE (Hah! Den Kalauer mach mir mal einer nach!). Das wollte die Band schon zum Anlass nehmen, das Set solcherart verfrüht zu beenden, doch die vehementen Forderungen der Zuschauer nach mehr grindigen Hassbatzen ließen die Band kurzerhand das Fell fachgerecht mit Gaffa-Tape kleben, um es für zwei Grindcore-untypisch lange Titel noch einmal so richtig herzunehmen und ein paar Takte vor Schluss gleich nochmal durchzuficken. Was für eine Zerstörung in allen Belangen! Wäre es nach dem Publikum gegangen, hätten VOR DIE HUNDE gerne noch unendlich weitermachen können – alleine das in traurigen Fetzen hängende Fell hatte etwas dagegen...


Das nachhaltige Zerstörungswerk der Grindcore-Maschinerie sorgte dafür, dass sich die folgende Umbaupause für DARKFALL naturgemäß kräftig in die Länge zog, da, in Ermangelung eines Ersatzfells vor Ort, in der Zwischenzeit eine Ersatzbespannung organisiert werden musste. Diese wurde dann von den Steirern, die es (unglaublicherweise) an diesem Abend zum ersten Mal in ihrer 25-jährigen Geschichte nach Linz geschafft hatten, auch gleich hingebungsvoll strapaziert, überlebte die Prozedur aber, im Gegensatz zum Pedal des Schlagzeugers, das sich zwischendurch aufdröselte und den Klöppel beinahe quer über die Bühne schoss. Blastbeat from Hell, Baby! Zum Drum-Gewitter wurden sägende Death/Thrash-Riffs serviert, breitwandig und teilweise technisch orientiert, die den Zuschauern gleich das nächste heftige Brett über den Schädel zogen. An den absoluten Irrsinn von VOR DIE HUNDE zuvor kamen DARKFALL zwar nicht mehr heran, dennoch konnten sie mit ihren mit Vehemenz ins Auditorium geschwungenen Abrissbirnen von Songs beim Publikum gut landen. Da wurden die Fäuste in die Luft gerecht, die Matten geschwungen und fleißig applaudiert, während die steirischen Buben auf der Bühne ordentlich die Sau rausließen. Zwar wirkte Fronter Spiwi ab und an ein wenig gquält in seinem infernalischen Gegrunze (wenn man krank ist, passiert das schon mal - Respekt fürs durchhalten!), doch DARKFALL taten ihre Schuldigkeit und hinterließen verbrannte Erde und ein, trotz inzwischen vorgerückter Stunde, zufriedenes Publikum.


Trotzdem CHAINBREÄKER, die die Headlinerposition von THIRDMOON geerbt hatten, aufgrund der Verzögerungen erst nach Mitternacht auf die Bühne gehen konnten, ließen sich die Zuschauer nicht vertreiben und blieben hartnäckig Anwesend zur Darbietung der Locals. Vier knuffige Buben machen Krawall – und zwar ganz schön heftigen! Speed/Thrash Metal mit einer deutlichen Vorliebe für die 80er trommelte auf das zahlreiche Publikum ein, das die Nackenmuskeln zu der hysterischen Tempobolzerei ordentlich strapazierte. Knackige, bretternde Riffs, straighte Songs und herrlich angepisstes Geschrei führte die an diesem Abend dargebotene Symphonie der Zerstörung zu einem schlüssigen und würdigen Ende – da hielt jeder gerne bis zum Schluss durch! Außer ein kleines Stormbringer-Schreiberlein, welches zu den letzten Takten von CHAINBREÄKER, die Birne windelweich geprügelt von den musikalischen Brettern die darauf eingeschlagen hatten, die Segel strich und die Heimfahrt antrat, während die Besucher in der Stadtwerkstatt noch unerschütterlich motiviert die Fäuste in die Luft reckten und die gewaltig Gas gebenden Burschen abfeierten. So muss das!

Als Fixpunkt in der heimischen Konzertlandschaft hat sich das Shredfest bei seiner sechsten Ausgabe einmal mehr bewährt und trotz des unverschuldeten Lineup-Chaos' im Vorfeld und des Bassdrum-Unfalls eine wieder einmal durch und durch unterhaltsame Veranstaltung auf die Beine gestellt. Ein kleines Schreiberlein sagt einmal mehr Danke für die Einladung zur kollektiven Zerstörung und freut sich bereits auf eine kommende siebente Ausgabe des Wahnsinns am gleichen Orte!

Mehr Fotos findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure. Und wer eine besonders exklusive Erinnerung an dieses Event haben möchte, für den verlosen wir EXKLUSIV das original von VOR DIE HUNDE zerfickte und signierte Fell! Wie ihr an dieses gute Stück kommt - einfach eine Email an den Berichterstatter schreiben und anfügen, warum genau DU dieses Teil unbedingt brauchst!


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