16.02.2019, Posthalle, Würzburg

Metal Assault IX Festival

Veröffentlicht am 20.02.2019

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Ich bin grundsätzlich nicht der größte Festival-Freund unter der Sonne. Langes Stehen (ab einem gewissen Alter durchaus ein Problem), das Stolpern über Alk-Leichen und eine Woche Dünnpfiff wegen mauer Verpflegung sind da ja meist keine Seltenheiten. Aber zum Metal-Assault-Festival gab es wenige Ausreden, nicht zu erscheinen, zumal dort Bands am Start waren, die es selten bis gar nicht zu sehen gibt. Und einmal FIFTH ANGEL live zu sehen ist schon Argument genug für den Ticketkauf. Leider ging den Jungs aus Seattle ihr etatmässiger Gitarrist/Sänger kurz vor der Show verlustig und es wurden zwei Ersatzleute angeheuert. Zwar nicht die besten Voraussetzungen, aber es verblieb ein gewisser Grundoptimismus.

Nach einer knappen Stunde Anfahrt von Nürnberg aus war man auch schon an der altehrwürdigen Posthalle in Würzburg angekommen, die seit Jahren leider vom Abriss bedroht ist. In Nürnberg gibt es  eine Location (Fassungsvermögen würde ich schätzen mindestens 3000 +) für derartige Veranstaltungen leider gar nicht. Der Einlass gestaltete sich am frühen Nachmittag unproblematisch. Alles lief freundlich und unkompliziert ab. Beeindruckend die vielen CD-Stände mit sehr vielen guten Angeboten, insbesondere aus dem US-Powermetal-Bereich. Da dürfte so mancher Geldbeutel geblutet haben.

Die Running-Order war sehr straff gezogen, was mich grundsätzlich einmal zweifeln ließ, ob das so durchziehbar sei - aber es wurde bis auf zehn Minuten Verzögerung  tadellos geschafft. Die Veranstalter sind u.a. bekannt vom kultigen "Keep It True" Festival.

Zu dem Wichtigsten, den Bands:

PULVER und auch SEVEN SISTERS fielen leider etwas dem ersten Umsehen auf den Ständen zum Opfer und liefen von daher eher unter "Hintergrundbeschallung" muss ich leider zugeben. Was man so hörte war sicherlich nicht von schlechten Eltern, aber nun auch nicht so, dass man jetzt in Reihe eins stürmen musste. Was bereits zu Beginn auffiel, war die gute Akustik der Halle und die feine Abmischung des Sounds, was sich im Verlaufe des Abends auch nicht mehr großartig ändern sollte. Manchen war es wohl etwas zu leise - mir hat es gepasst. Vielfach wird ja bestialisch aufgedreht und die Feinheiten (sofern überhaupt vorhanden) gehen dann sehr oft unter.

TRANCE waren dann die erste wirklich interessante Band. Die Jungs haben ja schon etliche Jahre auf dem Buckel (Gründung 1979), zwar früher oftmals als SCORPIONS-Klone verspottet, aber durchaus mit eigener Note. In der aktuellen Besetzung (einziges Gründungsmitglied ist Gitarrist und Hauptsongwriter Markus Berger) sind Trance mit dem 27-jährigen Holländer Nick Hollemann am Start, der einen tollen Job hinlegte. Auch Kult-Drummer Neudi (bekannt vom Breakout und von Manilla Road) war am Start, sodass das Ganze eine durchaus unterhaltsame Geschichte wurde. 

UNIVERSE aus Schweden haben ebenfalls eine bewegte History hinter sich, die bis in die Anfangstage von EUROPE zurückreicht. In der aktuellen Besetzung lieferten sie klassischen Hardrock ab, der durchaus Laune machte und bei dem man sich auch mal die Mühe machen sollte, in den Backkatalog einzutauchen.

Die Italiener DOMINE fielen dann weitgehend dem Drang nach Nahrungsaufnahme zum Opfer, ihr speediger Metal kam aber offenbar ganz gut an was man so mitbekommen hat. Die megahohen Schreie des Sängers sorgten aber manchmal doch für leichtes Zucken. Zum Glück wurde das Bier in Plastikbechern ausgeschenkt, sonst wäre wohl das eine oder andere Glas der hohen Frequenz zum Opfer gefallen.

SARACEN stammen aus dem Dunstkreis der NWOBHM, gehören aber meines Erachtens eher in die Kategorie Pomprock eingereiht. Mir waren keine Songs der Band bekannt, was sich aber auch schnell einmal ändern sollte, denn die Truppe hatte absolute Qualitäten. Der Gesang von Originalstimme Steve Bettney war über allen Zweifel erhaben, sowohl in den tiefen als auch in den hohen Lagen und die Songs wurden gut abgefeiert. Von treibenden Nummern bis hin zu Balladeskem war alles vorhanden, was das Herz begehrt und die Band wurde nach ihrem knapp einstündigen Auftritt begeistert verabschiedet.

               

Mit ECLIPSE war dann auch etwas Jugendlicheres vertreten. Auf Konserve klang mir die Band (insbesondere auf dem letzten Album) doch oftmals zu eintönig. Doch bereits mit den ersten Tönen wurde klar, dass der Auftritt ein Erfolg werden würde. Frontman Erik Mårtensson wirkte wie ein JON BON JOVI in seiner Hochphase, so agil war er auf der Bühne unterwegs, ohne jedoch seinen Gesang zu vernachlässigen. Die Band lieferte ein Sammelsurium ihrer bekanntesten Nummern ab und auch die Instrumentalfraktion überzeugte. Beim Gitarrensound mussste man ein paar Abstriche machen, was sich jedoch besserte, als auch Erik seine Sechssaitige umschnallte. Auch hier war nach 60 Minuten leider schon Schluss. Es ist bald mit einem neuen Album der Band zu rechnen, welches erst letzte Woche beendet wurde.

               

GEOFF TATE hatte ein "Special oldschool Set" angekündigt und genau das bekam das dürstende Publikum vorgesetzt. Zwar war nicht unbedingt klar, ob er nun als OPERATION:MINDCRIME auftritt oder unter seinem eigenen Namen (wie es auch auf dem Backdrop stand), aber letztlich war das egal. Es wurde sehr tief in die Raritätenkiste gegriffen, insbesondere war es schön zu hören, dass in erhöhtem Umfang auf "Rage For Order"-Songs wie "Neue Regel", "Screaming in Digital" oder "I Dream In Infrared" zurückgegriffen wurde. Meines Erachtens ist die Scheibe keinen Deut schlechter als Operation: Mindcrime, die natürlich auch entsprechend gewürdigt wurde. Bei "Before The Storm" vom Album "The Warning" musste GEOFF gar auf ein iPad zurückgreifen, weil er wohl den Text nicht mehr intus hatte. Der hyperaktive Roadie, der ständig über die Bühne flitzte, um kleine Problemchen zu erledigen (offenbar nich übermotiviert in seiner Probezeit), war ziemlich amüsant zu beobachten. Am Schlagzeug war EDGUY/AVANTASIA-Drummer FELIX BOHNKE zu sehen, den GEOFF TATE  wohl aus der gemeinsamen Zeit bei AVANTASIA kennengelernt und gleich engagiert hat. Man kann von GEOFF TATE als Person halten was man will (oft hört man ja nicht viel Gutes, wobei das ja letztlich dann auch nur nur überlieferte Geschichten sind), stimmlich hat er es auf jeden Fall noch drauf, auch wenn er doch der einen oder andere Tonhöhe aus dem Weg gegangen ist, was aber dem Vergnügen keinen Abbruch getan hat! Besonders erwähnenswert die beiden Gitarristen, die die nicht gerade einfache zweistimmigen Wilton/DeGarmo-Gitarrenarbeit prima reproduziert haben. Ein sehr kurzweiliger Nostalgieauftritt.

                                    

                  

Dass ich noch einmal FIFTH ANGEL live performen sehe, hätte ich auch nicht gedacht. Nach fast 30-jähriger Pause kam ja letztes Jahr das bärenstarke "The Third Secret"-Album auf den Markt. Wie oben erwähnt, mussten FIFTH ANGEL leider damit kämpfen, dass GItarrist und Sänger ​​Kendall Bechtel vor knapp drei Wochen der Band unvermittelt Lebewohl gesagt hat. Der Ersatz war jedoch aller Ehren wert: ETHAN BROSH (bekannt von ANGELS OF BABYLON), optisch ein kleiner NUNO BETTENCOURT, war an der Klampfe hervorragend und auch der mit einer ungewöhnlichen Optik (eine Mischung aus KIP WINGER und JEAN BEAUVOIR) ausgetattete neue Sänger STEVEN CARLSON lieferte eine bärenstarke Performance, als ob beide schon seit Jahren am Start gewesen wären. Fast schon sensationell, wie eingespielt das Ganze klang. Songs wie "Call Out The Warning", "In The Fallout", "Midnight Love", "The Night" und viele andere von den beiden 80er Klassikern oder auch drei Stücke der neuen CD live zu hören hat irre Spass gemacht. Star der Band ist natürlich Drum-As KEN MARY (neuerdings auch bei FLOTSAM AND JETSAM), der teilweise für offene Münder sorgte und neben seinem präzisen Spiel auch noch Zeit hatte, mit seinen Schlagzeugstöcken zu jonglieren. Ein verdienter Headliner.

              

Alles in allem ein Topfestival. Perfekt organisiert, es gab keinerlei Schlangen an den Getränkeständen. Der etwas uneinladende Foodtruck (an sich nur ein Wohnwagen) konnte auch mit Essen vom nahen Bahnhof ersetzt werden und auch die CD-Händler waren mit sehr guten Angeboten am Start und haben hoffentlich ein gutes Geschäft gemacht. Für 53 Euro Tageskasse an sich ein Schnäppchen für das, was geboten wurde. Der nächstjährigen Auflage sehe ich bereits jetzt mit Freude entgegen. Vielleicht wird da ja auch seitens des Veranstalters die Akkri-Anfrage zumindest beantwortet. Wäre schön.


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