26.12.2018, Rockhouse-Bar, Salzburg

SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH + CARNATION + THEOTOXIN + IRDORATH

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 02.01.2019

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Oh du friedvolle Weihnachtszeit? Nix da! Lasset es Blut und Gedärm regnen und die Spritzkerzen der Hölle die Rockhouse-Bar in ein flammendes Inferno der finstermetallischen Raserei verwandeln! Ach, nein, Moment. Hier ist vielleicht doch ein wenig der Misantroph im Berichterstatter durchgegangen, der sich gezwungen sah, sich gebeugten Hauptes, doch aufrechten Ganges durch die von allgemein aufgesetzter Fröhlichkeit und Herzlichkeit strotzende Weihnachtszeit zu kämpfen. Umso besser, dass am zweiten Weihnachtsfeiertage ein Paket an üblen Gesellen in Salzburg die musikalische Rute zückte – unter ansprechendem Zuschauerzuspruch. Es gab wohl neben dem kleinen Schreiberling noch ein paar Leute mehr, die der zwangsverordneten pseudospirituellen Einkehr entfliehen wollten.
 

Den ersten Vorschlaghammer des Abends packten IRDORATH aus Kärnten aus, die den Zuschauern mit gepflegtem Black/Thrash erstmals einen ordentlichen Scheitel zogen. Da flogen im vom Fleck weg mitgehenden Publikum gleich einmal ausgiebig die Haare, während der Vierer auf der Bühne mit Vehemenz seine Abrissbirnen in die Bar pfefferte. Das kleine Schreiberlein freute sich indes diebisch, die Kärntner endlich einmal live gesehen zu haben (man glaubt es kaum – in all den Jahren hatte es noch nie geklappt!) und attestierte dem heimischen Dekonstruktionskommando extrem starke Bühnenpräsenz und gewaltigen Schub im Sound, der es zur wahren Freude machte, dem kernigen Liedgut zu lauschen.

Setlist (ohne Gewähr):
Devoured By Greed
Sale Of Indulgence
God Raped
Liar
The Curse That Haunts The Earth
Undead Christ
 

THEOTOXIN direkt im Anschluss nahmen das Tempo ein wenig heraus und servierten der hungrigen Meute stampfende Songs mit vielen Midtempo-Passagen, die jedoch immer wieder von kernigen Blastbeat-Attacken durchbrochen wurden. Trotz auf bisher zwei Tonträgern bereits ausgiebig zur Schau gestellter musikalischer Qualitäten im geschwärzten Todesmetall, wollte es bei dem Hauptstädtern aber an diesem Abend nicht so ganz funktionieren und der Funke sprang nicht wirklich über. Die brutal groovenden Walzen von THEOTOXIN ernteten artiges Kopfnicken und verhaltenen Applaus und auch so manches Schmunzeln war drin, ob der auf ihren Ego-Risern beinahe an der Decke des Stollens anstoßenden Gitarristen, doch unterm Strich mag es für die Wiener nahe der Heimat der im selben Genre fischenden Vorzeigezerstörer BELPHEGOR heute nicht wirklich funktionieren. Schade.

Setlist (ohne Gewähr!):
Yersinia Pestis
Deus Impostor
Apokatastasis
Chant of Hybris
Hexenflug und Teufelspakt
Stillstand
 

Der Grund für die verhaltenen Reaktionen zu THEOTOXIN zeigte sich mit der nächsten Band des Abends, CARNATION aus Belgien - eingekeilt zwischen zwei Abrisskommandos vor dem Herrn, hat man es eben wirklich schwer. Der Berichterstatter war wohl auch nicht der einzige, der von den schwerstens nach Schwedentod der alten Schule klingenden Belgiern noch nie etwas gehört hatte – und dafür umso nachhaltiger von der Soundwand geplättet wurde. Was für ein krankes Geprügel war das bitte, das CARNATION den Zuschauern da, vorgetragen von einem blutverschmierten, kettenbehangenen Sänger mit Brutalo-Organ und unterstützt von Rauchsäulen (Memo: Das Zeug als Allergiker besser nicht einatmen...), zutiefst hasserfüllt um die Ohren schlugen? Das kam wirklich überraschend. Kein Wunder, dass die Zuschauer sichtlich angetan von der gebotenen Sicko-Kost waren...

Setlist (ohne Gewähr!):
The Whisperer
Hellfire
Plaguebreeder
Hatred Unleashed
Disciples Of Bloodlust
Sermon Of The Dead
Necromancer
Chapel Of Abhorrence
Fathomless Depths
 

Heißa, Krawall der kranksten Sorte! SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH hatten zum Tourauftakt eine feine Schlachtplatte voller Oldschool-Hassbatzen vorbereitet – natürlich eiskalt serviert und mit dem Bolzenschussgerät mitten in die Eier gepfeffert! Denn so mag es der geneigte Freund des kranken Liedguts und der prügelnden Todesriffs – die PUNGENT STENCH-Variante von Romantik geht eigentlich immer. Vor allem an Weihnachten, wenn man der allgemeinen Harmoniebedürftigkeit überdrüssig ist! Darf's ein bißchen „Dead Body Love“ sein? Wie wäre es mit einer Dosis „Fuck Bizarre“ und einem Schäufelchen „Extreme Deformity“? Und dann nehmen wir noch die „Shrunken And Mummified Bitch“ mit in unser Bettchen und geben uns den nekrophilen Vergnügungen hin. „Viva La Muerte“ skandierte die Meute vor der Bühne, ob des herrlich räudigen Gerumpels, mit dem Martin Schirench und seine beiden Mitstreiter die Rockhouse-Bar füllten – und es bleibt die Erkenntnis: Was auf einer großen Bühne vielleicht ein wenig fußlahm wirkt, knallt in einer kleinen Location dafür umso besser! So machen Feiertage Spaß!

Setlist (ohne Gewähr!):
Fuck Bizarre
Happy Re-Birthday
Aztec Holiday
Suspended Animation
Dead Body Love
Bonesawer
Deadly Medley (For God Your Soul... For Me Your Flesh / Klyster Boogie / Just Let me Rot)
True Life
Rip You Without Care
A Small Lunch
Extreme Deformity
Shrunken and Mummified Bitch
Molecular Disembowelment
Blood, Pus And Gastric Juice
Viva La Muerte


Fotos des Konzertabends findet ihr außerdem bei Images Of Pain And Pleasure.


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