16.12.2018, Wiener Stadthalle (Halle D), Wien

A PERFECT CIRLCE + CHELSEA WOLFE

Veröffentlicht am 22.12.2018

Nach der langen Wartepause seit den prägenden 2000er Alben „Mer de Noms“ und „Thirteenth Step“ erschien dieses Jahr endlich das neue Studioalbum „Eat The Elephant“ der Ausnahmeband A PERFECT CIRCLE. Die Erwartungshaltung an das Album und auch an das erste Live-Konzert in Österreich in der Wiener Stadthalle war dadurch enorm.

Die Stimmung während des Konzertabends kann aufgrund des angenehm durchmischten Publikums als extrem gemütlich bezeichnet werden. Ein paar tausend Musikinteressierte waren anwesend, somit wäre der Gasometer definitiv zu klein gewesen. Die rechte Sitzplatzseite und die hintere Hälfte der Halle D mussten trotzdem mit Vorhängen verhüllt werden, um es auch für die Band als eine halbwegs gefüllte Halle aussehen zu lassen.

Die Vorband CHELSEA WOLFE nutzte ihre Chance vor großem Publikum zu spielen (2016 musste die Arena Wien genügen) und präsentierte schon mal eine stimmige Soundkulisse mit ihrem sehr sphärischen „Gothic-Rock“. Frontfrau Chelsea Wolf faszinierte mit ihrer ausgezeichneten, eindringlichen Stimme. In gewissen Momenten fühlte ich mich an das phänomenale IAMX-Konzert Anfang dieses Jahres im Wiener UK zurückerinnert. Dazwischen zogen sich die Doom-Elemente in den Songs aber auch ein wenig. Trotzdem waren CHELSEA WOLFE an diesem Abend alles andere als fehlplatziert und zeigten sich leidenschaftlich im Ausleben ihrer Kunst von den Alben „Pain Is Beauty“ über „Abyss“ bis zur ihrer aktuellen Scheibe „Hiss Spun“.

Ein großes Thema an diesem Abend war das Handyfotografier- und Filmverbot, an das sich aber nach wiederholter strenger Stimme aus dem Off fast jeder hielt. Ziemlich ruhig und melancholisch stimmten A PERFECT CIRCLE mit den neuen Songs „Eat The Elephant“ und „Disillusioned“ dann in das Konzert ein. Mit „The Hollow“ vom Debütwerk erlösten A PERFECT CIRCLE viele ihre Anhänger endlich in den Genuss alter Songs zu kommen und legten mit einer fulminanten Version von „Weak And Powerless“ nach. Die mehrstimmigen Gesänge saßen punktgenau und waren eine Wohltat für die Ohren. Generell war der Sound an diesen Abend in der Stadthalle ungewöhnlich gut und kann sich somit auch für das kommende TOOL-Konzert empfehlen.

Nach ein paar weiteren ermahnenden Worten aufgrund ein paar unbelehrbarer Handybenutzer, wurde das Konzert erst wieder fortgesetzt, als sich wieder alle an das Verbot hielten. Der Atmosphäre war dieses umstrittene Verbot aber mehr als zuträglich und ich persönlich würde mich öfter über solch ein störungsfreies Konzert freuen. Die DEPECHE MODE Coverversion von „People Are People“ tröpfelte für meinen Geschmack ein wenig zu soft dahin und auch die folgende Version von „Vanishing” brachte mich nicht gerade in Ekstase. Selten, dass ich bei einem Konzert einfach nur aufmerksam gelauscht habe und nur leicht mitwippte.

Das flottere „Blue“ war dann doch mehr mein Fall und die Steigerung in den Chorus faszinierte live noch mehr als auf Platte. Neben der virtuosen Leistung an den Instrumenten der Bandmitglieder war natürlich einer der besten lebenden Sänger Maynard Keenan das Aushängeschild an diesem Abend. Als Frontmann kann man den Künstler, der sich auf einem Podest auf Höhe des Schlagzeugs eher im Schatten versteckte, aber per se nicht bezeichnen.

Die höchste Kunst ist für Maynard Keenan der phänomenale Gesang. Bemerkenswert, dass man dabei nicht hören konnte, dass er an diesem Abend an einer Grippe litt. Beim neuen Track „Talk, Talk“ kam der Sänger auch aufgrund der sakralen Visuals wie ein Ehrfurcht erzeugender Prediger rüber. „Hourglass“ erweckte dann Erinnerungen an das letzte NINE INCH NAILS-Konzert in der Stadthalle. Der präzise Drumbeat setzte neben den elektronischen Elementen ganz andere Soundakzente an diesem Abend.

Nach der  BRINSLEY SCHWARZ Coverversion “… Peace, Love And Understanding“ marschierte die Band dann richtig heavy mit dem grandiosen „The Doomed“ weiter. Am meisten wird mir jedoch die eindringliche Version von „Counting Bodies…“ in Erinnerung bleiben. Das war einfach nur fett, aber leider auch schon einer der letzten Songs des Abends.

Nach einer obligatorischen Bandvorstellung und Erwähnung in welchen Bands alle Musiker noch spielen – vor allem PUCIFER – ging es in die kurze Verlängerung. Diese bestand aus dem alten Klassiker „The Package“ und der neuen, eingängigen Hymne „Delicious“, bei dem Maynard das Handy- und Socialmedia-süchtige Publikum endlich mit den Worten „You can put out your cellphones now“ erlöste. Fast 1 ½ Stunden auf sein Handy zu verzichten, da braucht es schon eine Band wie A PERFECT CIRCLE. (Da haben wir wieder alle etwas gelernt und ich persönlich, dass ich am Sonntag zwischen 18 und 22 Uhr nicht in der Nähe von der Stadthalle parken darf!)


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