06.12.2018, WUK - Werkstätten- und Kulturhaus, Wien

LAUSCH + PAENDA + ONK LOU + DIE BUBEN IM PELZ

Veröffentlicht am 14.12.2018

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Am 06.12.2018 lockte mich eine ganz spezielle Band ins WUK in Wien, um ihren Klängen zu "lauschen". Wer jetzt noch nicht weiß von wem ich spreche, sollte sich einmal LAUSCH reinziehen! Die vier Herren, diesmal mit weiblicher Unterstützung, geigten beim Abschlussevent der Reihe "Bock auf Kultur" mit Verstärkung von PAENDA, ONK LOU und DIE BUBEN IM PELZ auf und das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Viele die mich kennen werden jetzt etwas verwundert sein, da ich doch vorrangig im Death-Metal unterwegs bin, doch als Musiker weiß ich auch alle anderen Genres auf ihre Art und Weise zu schätzen. Vor allem wenn es sich um derartig feinen Alternative Rock handelt, doch kommen wir einmal zur ersten Band des Abends.

 

DIE BUBEN IM PELZ :

 

"In Österreich gibt es die besten Drogen, die besten Dragqueens und die beste Musik. Die Band DIE BUBEN IM PELZ ist der Beweis." - (Die Welt, 2015)

 

Dieses nette Zitat findet man auf der Infopage der Facebookseite der Band. Der Abend hielt für mich einige Überraschungen bereit, da ich, abgesehen von LAUSCH, nicht wirklich wusste was da auf mich zukam. Nach einer kleinen Recherche sprang mir dann doch eine Info ins Auge, welche zu einem schlagartigem "Face-palm" führte. Es handelt sich hier um die Nachfolge-Band von NEIGUNGSGRUPPE SEX, GEWALT & GUTE LAUNE, welche aus den nicht gerade unbekannten Frontmännern Christian Fuchs und David Pfister inklusive einer ziemlich feinen Ansammlung von Instrumentalisten besteht.

 

Jetzt konnte ich mir schon eher etwas vorstellen, doch das brauchte ich nicht lange, da die Band schon in den Startlöchern stand. Mit ihren Vienna Pelz Noise Kompositionen wärmten sie die für die Uhrzeit schon zahlreich vorhandene Crowd gut auf. Mit einer Mischung aus PINK FLOYD-Elementen, einer Gitarre im dauernden Wechsel zwischen clean und verzerrt und coolen, groovigen Rhythmen zeigte das Sextett einige beeindruckende Facetten ihrer Musik. Neben der genialen psychodelischen "Katzenshow" (Gadse 4 Live!) auf der Videowall wechselten auch noch Gitarrist und Bassist zwischendurch einmal die Instrumente. Erinnerte mich etwas an eine beliebte Praxis bei DIE ÄRZTE und lies etwas Nostalgie bei mir hochkommen. Die "Buben" lieferten eine gewaltige Show als Opener und hinterließen Lust auf mehr. Kaum war der letzte Ton verklungen und der Applaus von der Band entgegengenommen, ging es dann in die Umbauphase.

 

Nach dem wirklich kurzen Umbau stand dann auf einmal nurmehr ein kleiner Fenderverstärker und ein Mikroständer auf der Bühne. Etwas verwundert, dass nach einer so energiegeladenen Band ein Solo-Künstler auftreten sollte, brachte ich mich in Position. Als dann ein etwas Hipster-artiger bärtiger Dude die Bühne betrat wurde ich etwas stutzig.

 

ONK LOU:

 

Tatsächlich handelte es sich um einen jungen Singer/Songwriter namens ONK LOU, welcher mit seiner wunderschönen Epiphone ES doch einiges aus dem kleinen Fender-teil rausholte. Doch abgesehen von seinem wirklich gefühlsvollen Gitarrenspiel war seine Stimme und die Authentizität, mit welcher er sang das Mitreißende an ihm. Neben den zwar ruhigen, aber durchaus motivierenden Songs lieferte der Wiener charmant-lustige Übergänge. Meine Vermutung, dass die ruhige Natur der Musik sich etwas zu beruhigend auf die Crowd und mein Gemüt auswirken könnte, bestätigte sich nicht und das Set war durchgehend unterhaltsam.

 

PAENDA:

(c) by GPT Photography

 

Nach einer etwas längeren Umbauphase war die Bühne dann schon etwas voller, jedoch nicht mit dem für mich gewohnten Bühnenequipment. Ein einziges Saiteninstrument fand sich neben diversen Synthies wieder. Einigen Metallern könnte es hier die Haare aufstellen, doch da ich selbst schon etwas Erfahrung mit diversen Synthesizern habe schlug der neugierige Musiker in mir durch und ich war gespannt darauf, was man heute unter dem Begriff "Elektro-Pop" versteht. Dann ging es auch schon los. Drei Damen betraten die Stage, positionierten sich und legten vorerst athmosphärische Klänge an den Tag. Bis dann auf einmal eine so tiefe Stimme auftauchte, dass ich schon fast etwas erschrak, bis ich dann feststellte, dass eine der Sängerinen einfach mit Voice-Effects arbeitete. Die an ihren blauen Haaren erkennbare PAENDA beeindruckte mich Sekunden darauf mit ihrer feinen Gesangsstimme, wobei sie auch ganz schön flott auf ihren Midi-Pads unterwegs war.

 

Die Show war jedenfalls wirklich unterhaltsam, vor allem weil PAENDA auch ziemlich nice Dancemoves mitbrachten, sowie die Crowd im Griff hatten. Die Musik hatte interessante Build-Ups, Beats, mitsingbare Refrains und das Gesamtpaket ist auf jeden Fall hörens- und sehenswert. Ich bin nicht gerade der größte Pop-Fan, doch wenn ich sehe wie die Musik gemacht wird und weiß, dass alles live und ohne Semi-Backingtrack performt werden kann, dann bin dann meist doch etwas beeindruckt. Kaum war das Set vorbei, herrschte wieder reges Treiben auf der Bühne. Synthesizer runter und Drums wieder rauf. Bass, check, Gitarre, check, Keys, check, Vocals...........

 

LAUSCH:

 

Endlich war es soweit. Nachdem alles durgecheckt war standen die heiß erwarteten LAUSCH in den Startlöchern. Die 2004 gegründete Alternative-Rock-Indie Band, bestehend aus Alexander Lausch, Arnold Zanon, Matthias Ledwinka und Stefan Haslinger hatte diesmal Unterstützung an den Backgroundvocals von Ines Dallaji und ist bekannt für innovativen und fetten Sound. Egal wo ich diese Band bis jetzt gesehen habe, ich könnte mich an keine einziges Mal erinnern, wo mir der Sound nicht gefallen hätte. Meister Lausch weiß schon ganz genau was er da tut, während Herr Ledwinka die Toms dögelt, Zanon einem den Bauch mit seinen drückenden Riffs massiert und Haslinger die Melodie verfeinert. Lady Dallaji war zwar etwas unscheinbar neben dem energiegeladenen Keyboarder, machte aber mit ihrer schönen Stimme auf sich aufmerksam und untermalte die Mainvocals gekonnt.
 
In gewohnter Manier manövrierte Lausch über die Bühne und schien vollkommen in seinem Element zu sein. Dies galt aber für alle auf der Bühne. Am schönsten finde ich die Mimik von Ledwinka wenn er spielt. Es hat etwas von einem Ausdruck großer Anstrengung, aber auch damit verbundener Freude. Wer sich ein Bild davon machen will, findet ein oder zwei Bilder in der Galerie. Die Crowd war sichtlich mitgerissen von den wirklich coolen Grooves die sich in den Tracks verstecken, aber auch von den genialen Refrains. Neben den Songs machte Alexander Lausch nochmal auf den Hintergrund der Veranstaltung aufmerksam, nämlich die Unterstützung des Flüchtlingsprojektes Ute Bock, bzw. den Erhalt des wichtigen Erbes welches uns diese beeindruckende Frau hinterließ. Nach einem kurzen ruhigen Moment ging es dann direkt weiter mit der deftigen Show, welche schlussendlich mit dem Track „We Might As Well Dance“ beendet wurde. Unter einem wirklich beachtlichen Applaus verbeugten sich die Musiker noch vor dem Publikum, bevor sie die Bühne verließen.
 
So nahm der Abend ein gebührendes Ende, die Leute räumten mit einem Grinsen im Gesicht langsam den Saal, Musiker schleppten ihr Equipment zu ihren Autos und ich machte mich voller Freude über den wirklich entspannten Abend auf nach Hause.
 
Fazit: Ich bin sozusagen auf gut Glück ins WUK gefahren und hab mich überraschen lassen und ich muss sagen, dass ich solche Aktionen vielleicht das Öfteren machen sollte. Alles in allem war es ein wirklich gelungener Abend. Nebenbei sei noch erwähnt, dass LAUSCH im Oktober eine sehr feine Live-EP rausgehauen haben.

 

Näheres dazu hier => https://www.stormbringer.at/reviews/14834/lausch-could-haves.html


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