24.11.2018, Rockhouse, Salzburg

Dome Of Rock - Tag 3: Der Krawall-Samstag

Veröffentlicht am 02.12.2018

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Dritter Festivaltag, vierter Konzerttag in Folge für das kleine Stormbringer-Schreiberlein. Trotz ein wenig Unwohlseins am Vormittag des gleichen Tages, konnte man sich doch das deutlich härtere Programm des Abends nicht entgehen lassen! Der Krawall-Samstag hatte seine Schatten schon voraus geworfen, so erschienen die Metalheads pflichtbewusst zahlreich im altehrwürdigen Gemäuer und zur Prime-Time konnte sogar das „Ausverkauft!“-Schild an die Türe genagelt werden.  SO wünscht man sich das!


Ebenso, wie den Auftakt, den EVIL INVADERS an den Tag legten. Diese walzten das gerade erst angekommene Publikum mit ihrer wahnwitzigen Speed/Thrash-Geschwindigkeitsbolzerei nämlich gleich einmal nach allen Regeln der Kunst platt. Ein akustisches Stroboskopgewitter in hysterisch-überdrehter Form, Geschwindigkeitsrausch par excellence – ein Tempolimit gibt es bei den Belgiern nicht! Bäm-bäm-bäm – höhere Screams, schnellere Riffs, weitere Sprünge, die Nietenbesetzten und Patronenbestückten EVIL INVADERS fegten wie Derwische über die Bühne und um ihren furchterregenden, mit scharfen Klingen besetzten Mikrofonständer, würgten die Instrumente und ließen die Zuschauer nach allen Regeln der Kunst das Haupthaar schütteln. Da kommt der Kreislauf doch gleich wieder in Schwung, so mag man das!

Runter vom Gas hieß es dann in der Bar, wo CONE mit hochwertigen, zwischen lässigem Stoner und verträumt-psychedelischen Passagen mäanderndem Sound die Brücke zurück zum stilistisch kohärenteren zweiten Festivaltag schlugen. Vor allem die Starke Stimme von Fronter und Bassist Alex vermochte einmal mehr zu beeindrucken und entführte die zahlreichen, interessiert lauschenden Zuschauer im Verein mit mal druckvollen, dann wieder atmosphärisch flirrenden Klängen in eine wunderbare musikalische Welt. Irgendwo zwischen Stoner und Psychedelic, mit bluesigem, streckenweise vielleicht sogar ein wenig post-affinen Einschlägen, ließ es sich mit CONE in der Bar wunderbar der Wirklichkeit entfliehen.


Zurück im Saal bereiteten SKELETONWITCH eine gepflegte Schlachtplatte aus wüstem Black/Death/Thrash für die Zuhörer zu. Zwar nicht mit großartiger Abwechslung gesegnet, holzten sich die Amis dafür mit umso mehr Hingabe durch ein Set aus rabiaten Abrissbirnen. Wo, wenn nicht zu solchen Klängen, könnte man das Kleinhirn nicht ausgiebig durch den Schädelinnenraum purzeln lassen? Etwas, das erfreulich viele Leute im Saal dann auch taten, sodass sich auch alsbald der erste, noch zaghafte Moshpit des Abends (ok, es war noch kein wirklicher Pit, mehr so vorsichtiges Geschubse...) bildete. Das akustische Äquivalent zur herzhaften Gnackwatschn durfte sich dann aber auch entsprechend über Beifallsstürme der Zuschauer freuen.

In Bar indes, war es endlich Zeit für angemessenen Pfuigaxi-Stoff. ANAL FISTER aus Goisern, kürzlich in bestem Betankungszustand im Baamhakke erwischt, machten sich bereit, den sich im Stollen der Bar inzwischen stapelnden Zuschauern die akustische Faust mit Wonne rektal einzuführen. Bis zum Anschlag. Aber natürlich erst, nachdem man von Grausi-Papst Mr. Fister per Gummifaust aus dem bereitstehenden Klo gesegnet wurde. Dass das Intro in Dauerschleife noch bis in den zweiten Song hinein lief, das störte keinen – zusehr war man damit beschäftigt, die diversen bildlichen Beschreibungen weniger breitentauglicher Sexualpraktiken und Fetische (manch einer soll ja durch den klassischen, Bierindizierten Sprühschiss die höchsten Weihen der Befriedigung erfahren..) geistig zu verarbeiten, während räudiger Death-Grind die Gehörgänge durchschmirgelte, wie der sprichwörtliche Stacheldraht, den gewisse deutsche Größen gerne mal zwecks Lustgewinn in den Harnkanal einführen. ANAL FISTER schieben dir die mit Stacheldraht umwickelte Faust höchstens mit Wonne dorthin wo die Sonne nicht scheint – was sich der leicht bekleidete, Pornobebrillte Fronter indes ins Rektum schob, während er seine nackende Kehrseite aufreizend dem Publikum präsentierte, kann der Berichterstatter nicht sagen. Wollen wir es wirklich wissen? Nein, gewisse Dinge lässt man lieber unausgesprochen. So tragen wir geduldig und willig das Kreuz von ANAL FISTER, wie weiland Jesus Fistus das seine – das Stockerl im Popscherl haben sich die meisten Zuschauer inzwischen ohnehin schon selbsttätig entfernt. Und wieder reingesteckt. Und wieder rausgezogen... ok, ich glaube das ist genug Information. Einigermaßen Herr ihrer Gliedmaßen und Sinne, machen ANAL FISTER tatsächlich Spaß.

Für das kleine Schreiberlein, die akustische Faust noch fest im hochprivaten Hinterteil stecken habend, markierten die Goiserer Fistfucker allerdings den unfreiwilligen Schlusspunkt des Festivals. Krankheitsbedingt musste, trotz noch bevorstehender erwarteter Abrisse unter anderem von MANTAR und ORANGE GOBLIN, die Notbremse gezogen werden. Die ebenfalls anwesenden Kollegen Kalti und Rosenberger erklärten sich spontan bereit, zumindest die beiden noch kommenden Highlights des Abends schriftlich zu übernehmen. Vielen Dank an dieser Stelle! [Anthalerero]



Bands mit zwei Mitgliedern haben in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Im Mainstream bedienen die TWENTY ONE PILOTS gerade ein Massenpublikum, Jahre zuvor haben Jack und Meg White mit THE WHITE STRIPES bewiesen, dass auch einfache, geradlinige Musik unter die Haut gehen kann. MANTAR fahren dabei eine ähnliche Schiene. Erinç Sakarya an den Drums und Hanno, Lauch, Klänhardt an Gitarre und Geschrei eröffneten das Konzert mit den Worten: “Lebt ihr noch? Dann werden wir das ändern…”. Dieser Leitsatz kann wohl auf die volle Länge des Konzerts umgelegt werden. Zerstörung und Tod über alles. Die Spannung die in der Luft liegt, wenn Hanno Erinc anschreit und seinen Ärger ausdrückt, überträgt sich aufs Publikum. Sie wächst mehr und mehr, je länger das Konzert dauert - eine rein subjektive Betrachtung zeigt, dass die Anzahl an Leuten definitiv höher war, als beim Headliner ORANGE GOBLIN. Unter anderem mit "Era Borealis" wird der Kapuzinerberg zum Einbruch gebracht. Death über alles. Nicht ein, nicht zwei, nicht drei, drölf mal mindestens sind MANTAR spannend anzusehen und es macht immer wieder Spaß ihrem Todes-Punk zu lauschen. [Kalti]


Mit ORANGE GOBLIN verbindet mich eine ganz besondere Geschichte: Am Metalfest 2012 wurde sie von mir als eine meiner neuen Lieblingsbands entdeckt, die zwei legendären Konzerte im Jahr 2013 im Viper Room Wien und im Kino Ebensee festigten „unsere“ Beziehung so stark, dass ich sogar 2015 für einen Gig nach Dublin flog (zugegebenermaßen hatte mein Bruder da gerade Auslandssemester, was sich gut verbinden ließ).

Die Wiederkehr dieser coolen Band im Jahr 2018 auf österreichischen Boden beim LAKE ON FIRE Festival wurde ebendort schon ausgiebig gefeiert. Und dann erfuhr ich eine Woche danach, während meines Trips zum BRUTAL ASSAULT Festival, dass ein exklusiver Headlinerauftritt von ORANGE GOBLIN beim DOME OF ROCK Festival in Salzburg fixiert wurde. Stoner-Rock-Herz was willst du mehr?

Da der Stoner-Anteil am Samstag des DOR-Festivals eigentlich ziemlich gering war, die geniale Performance von CONE aus Passau ausgenommen, fieberte wohl nicht nur ich der Show von ORANGE GOBLIN sehnsüchtig entgegen. Sofort nach dem Opener „Sons of Salem“ und der anzumerkenden Spielfreude aller Bandmitglieder, war jegliche Erwartungshaltung meinerseits vollends erfüllt. Vor allem Frontmann Ben Ward konnte es fast gar nicht glauben, wie sehr seine Band in Salzburg abgefeiert wurde, klatsche fleißig mit allen Fans in der ersten Reihe ab und erinnerte sich an den letzten Besuch im Rockhouse vor fast 20 Jahren, vor nicht so vielen Zusehern.

Die musikalische Mischung aus BLACK SABBATH und MOTÖRHEAD überzeugte auf der ganzen Linie. Überragend die Tracks „Acid Trial“ von der Wahnsinnsscheibe „A Eulogy From The Damed“ und „Made of Rats“ von „Coup De Grace“. Aber auch andere Hits von der umfangreichen Diskografie erzeugten einen durchgehenden Moshpit, bei dem sogar Rollstuhlfahrer Max zum Crowdsurfer mutierte. Besagter Fan durfte dann auch auf der Bühne bei einem Song mit der Band abfeiern. Seiner Ansage an Ben Ward „Can you throw me back in?“ wurde Folge geleistet und somit „surfte“ er in die Menge voran und danach sein Rollstuhl hinterher. Großartige Aktion!

Ich war wie gefesselt von der Energie von ORANGE GOBLIN und hatte das Gefühl, dass Gitarrist Joe Hoare und Bassist Martyn Millard - dem seine schönen langen Haare leider verlustig gegangen sind - und Geburtstagskind und Schlagzeuger Chris Turner das Konzert ihres Lebens spielten. Die neue Platte „The Wolf Bites Back“ durfte natürlich ausgiebig vorgestellt werden. Am Stärksten sind ORANGE GOBLIN für mich, wenn sie ihren Horrorfaible ohne Umschweife ausleben. Und dies wurde dann bei der Zugabe mit „They Come Back“ und der Hymne „Red Tide Rising“ noch fett zelebriert. Eine Wahnsinns-Show einer Wahnsinns-Band. Davon kann ich gar nicht genug kriegen. [Florian Rosenberger]


Wer es verpasst hat, hier noch die Nachlese von Tag 1 und Tag 2! Stormbringer bedankt sich für die Einladung zum musikalischen Drei-Tage-Rundum-Sorglos-Paket und freut sich bereits auf die nächste Auflage der Festivität! Gerne wieder mit Thementagen!


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