21.11.2018, Rockhouse, Salzburg

J.B.O. & RAMMELHOF & THE SELLOUT

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 29.11.2018

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Spaß ist eine todernste Sache – zumindest in Deutschland, dem Land der militärisch organisierten Karnevalsvereine in denen Spaß nur nach strengsten Regeln stattzufinden hat. Und wehe man vergisst den Tusch und das spastische Winken (das heißt cerebralparese-induziertes Winken - der/die/ das LektorIn) zum grüßenden Babygebrabbel! Steinigt sie! Glücklicherweise gibt es aber auch noch die rosa Spaßbrigade J.B.O. aus Erlangen, die nun auch schon etwas mehr als zwei Jahrzehnte als 'Verteidiger des wahren Blödsinns' durch die Lande ziehen und dabei allerlei musikalischen Quatsch abseits der verhöhnenden Karnevalskapellen (Hand hoch, wer den jetzt kapiert hat!) treiben. Weil aber deutscher Qualitätshumor nicht für alle gleich verträglich ist, haben sich J.B.O. die Niederösterreicher RAMMELHOF als Vorgruppe eingeladen, während man sich als Local Support auch noch über THE SELLOUT freuen durfte.

Letztere durften dann auch gleich vor schon ziemlich gut gefüllter Kulisse im Saal losrocken. Knackiger, mitreißender Rock mit oftmals punkiger Schlagseite machte den perfekten Auftakt für den Abend, auch wenn hie und da ein paar kleinere Timingprobleme im Set zu verorten waren. Wie es aussah musste das Publikum anhand der draußen sich schön langsam ausbreitenden winterlichen Kälte auch erst einmal auftauen, sodass THE SELLOUT einigermaßen Mühe hatten die Leute angemessen in Schwung zu bringen. Trotz eines musikalisch wirklich starken Auftritts wollte das Eis nicht so wirklich brechen und nicht einmal Coversongs vermochten die Leute wirklich zu animieren. Erst zum Schluss des Sets spendeten die Zuschauer artig angemessen lauten Applaus – das hätte man durchaus auch mal zwischendrin machen können, Herrschaften!
 

Was passiert, wenn man sich einen großen Brocken von der EAV absäbelt, ein wenig Punk und schwermetallische Riffs dazu wirft, das Ganze unter kräftigem Rühren aufkocht und das Gebräu dann einem kongenialen Gesangesduo in die Kehle schüttet? Exakt, dann kotzen dir selbige unter dem Namen RAMMELHOF die besten Schüttelreime und die großartig-schrägste Performance seit den alten EAV-Glanzzeiten vor die Füße! Klar, einigen Leuten im Publikum war vermutlich der herrlich simple, aber effektive Wortwitz („Put-put-Putin“, „Wer so fesche Schi hat, geht doch net zum Dschihad“) auch noch zu hoch, doch der große Rest im inzwischen ziemlich voll aussehenden Saal feierte RAMMELHOF angemessen ab. Zwischen Smartphone-Sucht und Shoppingwahn hüpfte der Steuergeier über die Bühne (das kleine Fotoantha wurde von dem Tierchen geknuddelt, ehe der Geier von den Gesellen auf der Bühne zu Boden gerungen wurde), es wurde mit der Pumpgun in den Zuschauerraum gefeuert und schon einmal textlich ordentlich in die Klöten gegriffen. Wenn einfach alles stimmt, von punktgenauer gesanglicher Performance über großartig abgedrehter Show bis hin zu exzellentem, sowie unterhaltsamem Spiel (die exaltierten Moves des Drummers waren großes Kino!), dann ist einfach alles „Wurscht“. Dann tackert sich einem schlichtweg ein ultrabreites Grinsen ins Gesicht und  man kann gar nicht anders als die wahnhaft-überdrehte Bühnenshow zu feiern und die mit pointiertem Wortwitz vorgetragene Sozialkritik am Stück abzuschlucken. Bitte danke RAMMELHOF, nochmal, mitten in die Kauleiste!
 

Wie unterschiedlich die Auffassungen von Spaß über die Nationengrenzen hinweg sind, das konnte man anschließend bei den Edel-Blödlern J.B.O. sehen. Seit jeher im rosa Outfit, regierte bei den Deutschen immer schon der im knietiefen Sumpf watende Flachwitz, der, zugegebenermaßen, zu später Stunde und ab einem gewissen Betankungsstatus durchaus erheblichen Spaß bereiten kann. Das nahm im Laufe des Abends wohl noch jemand zu wörtlich, den Spaßfaktor mittels Alkohol in die Höhe zu treiben – nicht zu jedermanns Freude, doch dazu später.  Denn erst einmal ließen sich die Deutschen ziemlich lange bitten, ehe sie endlich die Bühne enterten, sodass speziell in den vorderen Reihen schon ein wenig Unruhe entstand. Dann ging es jedoch endlich los und die ungeduldig Wartenden konnten endlich richtig Gas geben.

Es ist zwar „Alles nur geklaut“ was J.B.O. da so von sich geben, jedoch auf einigermaßen unterhaltsame Weise. Da hilft nur eines: Hirn vorläufig ausknipsen und einfach Spaß haben! Den hatten die Herren auf der Bühne augenscheinlich, auch wenn es die beiden hyperaktiv herumzappelnden „Showfuzzis“ (sogar durchnumeriert, damit es keine Verwechslungen gibt!) jetzt nicht unbedingt gebraucht hätte. Der häufige Gebrauch des Stroboskops hätte vermutlich allen Epileptikern große Freude gemacht, dafür konnte man sich aber zumindest über den guten Sound an sich am wenigsten beschweren. Über diverse textliche Ergüsse, speziell neuerer Bauart, kann man natürlich geteilter Meinung sein, doch wenn wir einmal ehrlich sind, wollen die meisten Leute von J.B.O. doch nur die alten Kalauer hören. So verkam so gut wie das gesamte neue Material zu schmückendem Beiwerk im Feiertaumel der Fans zu den bald zu Tode genudelten Klassikern. Zugegeben, ein absolut großartiger Song wie „Ein guter Tag zum Sterben“ wird einfach von jedem mitgegrölt, egal ob nun Fan der rosa Spaßbrigade oder nicht und das Schmunzeln bei „Schlumpfozid im Stadtgebiet“ kann man sich auch kaum verkneifen. Unterm Strich blieb aber trotz Publikum in Feierlaune ein eher schaler Beigeschmack einer Band, die dazu verdammt ist, bis in alle Ewigkeit in der Tretmühle der ewig gleichen Songs zu wandern, bis sie irgendwann bei den Ohren wieder herauskommen. Eigentlich eine traurige Vorstellung.


Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Alles nur geklaut
  • I don't like Metal
  • Bolle
  • Ällabätsch
  • Du Hast dein Smartphone vergessen
  • Arschloch und Spaß dabei
  • Der Hofnarr
  • Wer ist der Fahrer
  • Gänseblümchen
  • Wir ham 'ne Party
  • Hose runter!
  • Frauen
  • Ich sag J.B.O.
  • Bimber, Bumber, Dödeldei
  • Geh mer halt zu Slayer
  • Vier Finger für ein Hallelujah
  • Ein Guter Tag zum Sterben
  • Panzer Dance
  • Verteidiger des wahren Blödsinns
  • Schlumpfozid im Stadtgebiet
  • Mei Alde is' im Playboy drin
  • Ein Fest


Ebenfalls traurig die Tatsache, dass an diesem Abend bis auf eine einzige Ausnahme jeder Besucher in friedlicher Feierlaune zu den bierseligen Klassikern schunkelte – und sich gewisse Medien natürlich genau auf jene Mistkröte, die meinte hier im Suff einen Aufstand machen zu müssen, stürzte. Herzlichen Dank für diesen Bärendienst, dass ca 300 sich gemütlich bespaßen lassende Zuschauer nun den Generalvorwurf potenziellen Radalierertums gefallen lassen dürfen. Spaß ist bekanntlich relativ, doch SO geht er garantiert nicht.

Weitere Fotos in Kürze bei Images Of Pain And Pleasure!


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