02.06.2018, Rockhouse-Bar, Salzburg

STORMRAGE Album-Releaseshow feat: THE MORPHEAN & SCAPEGOD & VOIDSTALKER

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 06.06.2018

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Wo anders könnte ein gewisser umtriebiger Berichterstatter wohl Anfang Juni sein, als im persönlichen Wohnzimmer Rockhouse-Bar, wenn die Salzburger Extremmetal-Krawalleros von STORMRAGE zur Releaseparty ihres Debütalbums „Humanimal“ rufen? Ihr seht also, es blieb gar nichts anderes übrig, als dem (zugegebenermaßen ziemlich derben) Ruf der österreichischen Musikszene einmal mehr zu folgen, zumal sich als Begleitprogramm auch noch THE MORPHEAN, SCAPEGOD und VOIDSTALKER aufdrängten. Das Salzburger Publikum schien den aus dem Innengebirge schallenden Ruf ebenfalls vernommen zu haben, fand sich doch ein höchst erkleckliches Häufchen an Feierwütigen ein, die das Tonträger-Debüt mit STORMRAGE ausgiebig begießen wollten.


Dafür gab es gleich zu Anfang von VOIDSTALKER gewaltig eine über den Schädel gezogen. Infernalischer Oldschool-Schwarzmetall in rasender Geschwindigkeit und von brachialem Gekeife untermalt, empfing die ersten neugierigen Nasen vor der Bühne. Der knarzig-rumpelige Krawall von VOIDSTALKER bohrte sich wie ein Pfeifenputzer in die Ohren, schrubbte einmal quer durchs Gehirn, schmirgelte dann ein wenig hin und her, und zog dir danach das solcherart resettete Kleinhirn aus den Ohrwascheln, dass es nur so schlackerte. Des Berichterstatters Liebe zum räudigen Oldschool-Gerumpel ist noch immer endend wollend, doch als Einheizer zum gepflegten Nackenmuskel-Aufwärmen kamen VOIDSTALKER bei den Zuschauern gut an!


Ein solcherart vorbereitetes Publikum freute sich sichtlich auf SCAPEGOD aus dem Pinzgau, die gleich auf volle Unterstützung bauen konnten. Zum Auftakt noch eher deathig unterwegs, mischte sich mit Fortdauer des Auftritts ein durchaus punkiger Vibe, der ein wenig an Death'n'Roll denken ließ, in den Crossover-Death des Pinzgauer Vierers. Leider hatten SCAPEGOD gegen Ende des Sets mit technischen Problemen an der Gitarre zu kämpfen, was sichtlich für etwas Irritation auf der Bühne sorgte, genau wie die beiden etwas zu wild agierenden Kampf-Mosher im Publikum, die die Aufmerksamkeit von Band und Zuschauern gleichermaßen auf sich zogen. So geriet das als Abschluss gezockte HYPOCRISY-Cover etwas in Schräglage, als ob man versuchte mit angezogener Handbremse durchzustarten, was den unterm Strich starken und mitreißenden Gig leider etwas unbefriedigend zu Ende führte.


Apropos Mosher: Was die Zuschauermeute danach zu THE MORPHEAN aufführte war nicht mehr von schlechten Eltern. Denn ein Gutteil der Besucher eskalierte zu den proggigen, Modern-Todesmetallischen Klängen der Oberösterreicher so dermaßen, dass es der Band sichtlich einen Riesenspaß bereitete ihre durchaus melodischen Abrissbirnen ins Auditorium zu schwingen. Zwar konnte der Lieblingsbrüllwürfel des Berichterstatters an diesem Abend, dank gerade überstandener Erkältung, nicht den vollen Druck hinter sein markerschütterndes Geschrei bringen und beim Schlagwerker musste man gegen Ende des Auftritts direkt Angst haben, dass er gleich vom Kit kippen würde, doch das machten THE MORPHEAN mit umso mehr Einsatz und einer brutalst drückenden Soundwand locker wett. Die Besucher dankten es ihnen mit einem Moshpit-Getümmel wie man es schon lange nicht mehr in der Bar erblicken konnte.


Danach war klar, das STORMRAGE den Sack nur noch zuzumachen brauchten - die wahnsinnige Schlacht vor der Bühne ging, mit noch einigen Beteiligten mehr, nahtlos weiter. Zwar war der Sound in der Bar zu diesem Zeitpunkt schon fast einen Zacken zu laut, doch die sich reihenweise die Schädel abschraubenden Zuschauer störten sich daran nicht im Geringsten. Ketten, Knochen, Schädel und eine gepflegte Schlachtplatte aus feisten Hassbatzen und bitterbösen Riffattacken knallten dem Publikum gleich reihenweise die grauen Zellen aus der Birne. Fronter Heimo wütete wie ein Berserker auf der Bühne, während die kollektiv ins Schmutztöpfchen gefallene Schar der Instrumentalisten mit nicht minder Hummeln im Arsch agierte. Schlag auf Schlag donnerte ein brachialer und kranker Song nach dem Anderen hernieder, peitschte das Publikum an und ließ es auch noch den letzten Funken Energie geben. Gleich zwei Gast-Schreihälse sorgten für eine ansprechende Umsetzung der live wirklich ziemlich fett klingenden Extreme-Metal-Walzen, während auch so mancher Besucher im Überschwang der Gefühle über die Bühne tänzelte. So eine verflucht eskalative Stimmung sah man schon lange nicht mehr in der Bar! Das ein oder andere Gläschen oder Fläschchen lag danach vermutlich in Scherben, doch die Besucher gingen aus dem Getümmel allesamt unverletzt hervor – bis auf die Blessuren diverser Kollisionen natürlich, die sich dann erst am nächsten Tag zeigen sollten und von denen auch der kleine Schreiberling nicht verschont bleiben sollte...


Und da sag noch einer, in Salzburg könnte man nicht richtig feiern! Eine geschätzte Hundertschaft an Zuschauern bewies mit dem schweißtreibenden Abend in der Rockhouse-Bar das Gegenteil und meißelte einen erinnerungswürdigen Abriss in Stein. Wenn jede junge Band, die gerade ihr pressfrisches Debüt in den Äther geschossen hat, so abgefeiert werden würde - wir hätten echt keine Sorgen mehr um den musikalischen Nachwuchs...



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