11.05.2018, Komma, Wörgl

ENSIFERUM & EX DEO & WIND ROSE

Veröffentlicht am 16.05.2018

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Mitte Mai verschlug es ein kleines Stormbringer-Schreiberlein nach langer Zeit wieder einmal nach Wörgl, wo im dortigen Veranstaltungszentrum Komma höchst epische Kost lockte. Die finnischen Folk-Granden von ENSIFERUM gaben sich dort zum allerersten Mal die Ehre und zogen eine erkleckliche Anzahl an Fans ins Komma. Als Unterstützung gab es nicht minder epische Klänge von EX DEO und WIND ROSE auf die Gehörgänge.

 

Letztere durften dann auch pünktlich den Anfang machen und während Kollegin Tina bereits fleißig das bildgebende Arbeitsgerät schwang, ritt der kleine Schreiberling noch mit Verspätung über die Berge gen Tiroler Land. So waren leider nur noch die letzten beiden Songs der Italiener von WIND ROSE drin, die augenscheinlich nicht nur outfittechnisch eine deutliche Vorliebe für Zwerge hatten.   Über Geschmack kann man sich bekanntlich streiten, so wirkte das mehr in Richtung Fantasy/Videogames-Bereich gehende Outfit (WoW, anyone?) dann doch eher überzogen, während  musikalisch durchaus starker Stoff im Fahrwasser fröhlicher Klänge im Stile von EQUILIBRIUM geliefert wurde. Vor allem gesanglich konnten sich die Italiener mit ihrem Fronter, dem man den wütenden Zwerg aufgrund seiner Statur auch wirklich abnahm, hervortun, wenngleich auch die recht ähnlichen Arrangements der Songs für nur wenig Abwechslung sorgten. Kollegin Tina wurde überdies von der olfaktorischen Kulisse der aufwändigen Outfits aus dem Graben in die Flucht geschlagen  - die hübsch befellten Outfits kann man ja leider nicht waschen und auf Bühnen ist es bekanntlich heiß... alles weitere wird an dieser Stelle der Vorstellungskraft der Leser überlassen. Das Publikum jedenfalls schien an den flotten Klängen der Italiener gefallen zu finden und spendete den Zwergen-Cosplayern amtlichen Applaus für ihren soliden Auftritt.

Setlist (ohne Gewähr!)

  • Fallen Timbers
  • Rebel and Free
  • The Returning Race
  • Drunken Dwarves
  • To Erebor
  • The Breed of Durin

 

Als nächstes kletterten KATAKLYSM auf die Bühne... nein, halt. Genaugenommen enterten die römischen Symphonic-Deather von EX DEO die Bretter, die eben aus der kompletten Mannschaft Erstgenannter bestehen. Diese Tatsache dürfte einige Anwesende im Publikum durchaus überrascht haben, selbst zehn Jahre nach Gründung dieses Nebenprojektes. Dass die Mannen rund um Maurizio Iacono für ihre epische römische Geschichtsstunde nicht unter ihrem gewohnten Banner firmieren, sondern dafür EX DEO ins Leben gerufen hatten, zahlte sich aus, unterscheidet sich doch  der Sound stark vom gewohnten Knüppel-aus-dem-Sack. Deutlich ausladender, getragener und symphonischer fielen EX DEO beim anwesenden Schlachtengesangs-geeichten Fußvolk auf fruchtbaren Boden. Da wurden die Fäuste in die Luft gereckt, die Mähnen geschüttelt und den ausufernd-epischen Walzen angemessen gehuldigt. Amtlich druckvoller Sound setzte die Geschichten des römischen Imperiums gekonnt in Szene, lediglich die Vocals von Fronter Maurizi Iacono hätte man sich ein bißchen lauter gewünscht. Den Resonanzraum für druckvolle Growls würde er jedenfalls mitbringen, doch leider wurden selbige streckenweise von der epischen Soundwand etwas aufgefressen. Im Gegensatz zum begeisterten Publikum konnte sich Kollegin Tina nicht für EX DEO erwärmen – vielleicht lag es ja auch an Maurizios Kombination aus Rüstung, Samttunika und rasierter Beine... (den kleinen Seitenhieb konnte sich der Berichterstatter nun einfach nicht verkneifen). Unterm Strich blieb aber ein saustarker Auftritt der römischen Legion, der von den Zusehern auch entsprechend goutiert wurde.

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • The Rise of Hannibal
  • I, Caligvla
  • Pollice Verso (Damnatio ad Bestia)
  • Suavetaurilia (Intermezzo)
  • Cato Major: Carthago delenda est!
  • Ad Victoriam (The Battle of Zama)
  • The Final War (Battle of Actium)
  • The Roman
  • Romulus

 

ENSIFERUM schließlich kamen, sahen und siegten, um einmal das römische Thema von zuvor ein wenig weiterzuführen. Das finnische Folk-Schlachtschiff, startete vom Fleck weg durch und das Publikum im sehr gut besuchten Komma ging entsprechend gut mit. Die epischen Hymnen der Finnen animierten die Zuschauer immer wieder zum ausgiebigen Headbangen, Klatschen und Mitgrölen. Schmissige Refrains wie bei „Heathen Horde“ oder „Twilight Tavern“ machen es den Leuten aber zugegebenermaßen auch einfach, ordentlich abzugehen und wer das prägende „Lai Lai Hei“ nicht selbst bei drei Promille noch mitsingen kann, dem ist nicht mehr zu helfen. Dennoch war der Alkoholpegel an diesem Abend, trotz Freitag und Zwickeltag, erfreulich niedrig und dafür die Stimmung im Publikum umso besser, was sich vor allem im den gnadenlos abgefeierten Schlussteil bei den Klassikern „Into Battle“ und „Iron“ zeigte. Dass die Leute nicht nur für Party sondern tatsächlich der epischen Musikkost wegen gekommen waren, das zeigte sich auch am hohen Aufkommen von Kiltträgern im Publikum – auch wenn man dem lieben Besucher, der mintfarbene Chucks zum Kilt kombinierte dann doch am liebsten die kreischfärbigen Patscherl ausgezogen hätte. Das kleine Schreiberlein freute sich wieder einmal besonders über die Göttergabe „Treacherous Gods“ in der Mitte des Sets, das selbst 17 Jahre nach seiner Veröffentlichung noch immer eine unfassbar packende Atmosphäre zu erzeugen wusste.

Time And Time Again
I Witness The Birth Of A New Born Star
I Climb The Highest Mountain
To Find The Essence Of A New Era

Als Rausschmeißer wurde nach den Bandklassikern auch noch Stoff für die Rock- und Metal-Allgemeinheit geliefert. Abgefahrene Live-Cover haben bei ENSIFERUM ja schon Tradition und so verwunderte es nicht, dass die Finnen als Rausschmeißer mit lockerer Hand GUNS'N'ROSES „Sweet Child O' Mine“ anstimmten und das Publikum noch einmal zu Höchstleistungen antreiben konnten. Dass ENSIFERUM noch immer an der Speerspitze episch-folkiger Klänge mit kerniger Schlagseite stehen, das zeigte sich an diesem Abend im Komma wieder einmal überdeutlich. Die zahlreich erschienenen Zuschauer wurden nach einem bockstarken Auftritt zufrieden in die Nacht entlassen und die Finnen konnten ihr erstes Gastspiel in Wörgl als vollen Erfolg verbuchen.

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Ajattomasta Unesta
  • For Those About to Fight for Metal
  • Two Paths
  • Heathen Horde
  • King of Storms
  • Wanderer
  • Twilight Tavern
  • Treacherous Gods
  • Lai Lai Hei
  • In My Sword I Trust
  • Tumman Virran Taa
  • The Longest Journey
  • Way of the Warrior
  • Into Battle
  • Iron
  • Sweet Child O' Mine

 


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