08.03.2018, Simm City Festsaal Zentrum Simmering, Wien

KORPIKLAANI & ARKONA & HEIDEVOLK & TROLLFEST

Text: Lee
Veröffentlicht am 11.03.2018

TROLLFEST sind echt eine Liveband der Sonderklasse – selbst ohne Ton würde man beim ersten Blick auf die Bühne direkt wissen, wer spielt, denn nicht nur die Aufmachung der Bandmember, sondern auch deren Verhalten ist ziemlich einzigartig. Die Norweger nehmen alles nicht so ernst und das ist vermutlich auch das, was die meisten ihrer Fans so hoch schätzen. Angefangen von Festivalgigs, wo man die Band dann noch einige Male an der Beachbar treffen konnte (Metalcamp/Metaldays, ihr wisst Bescheid), bis zu Auftritten wie eben in der SIMM City – die Jungs haben richtig Spaß und schaffen es bereits als erste Band um gerade mal 18:00 das Publikum mitzureißen. Ernsthaft, so eine Polonaise habe ich schon lange nicht mehr gesehen! Dass man von den Liedtexten kaum bis nichts versteht, weil sie in „Trollspråk“ geschrieben sind, macht gar nichts, denn die Musik von TROLLFEST muss man nicht verstehen, sondern fühlen! Ebenso wie die „wall of hugs“ – die wohl liebevollste Erweiterung der metalinduzierten Körperlichkeiten. TROLLFEST machen immer wieder richtig Laune und man kann sie gut und gerne öfter sehen, als Opener des Abends sind sie ein absoluter Eisbrecher und versetzen jeden in Konzertstimmung, selbst wenn man sich gerade noch von der Arbeit zur Location abgehetzt hat.

 

HEIDEVOLK im Anschluss waren weitaus seriöser, aber nicht weniger beliebt beim Publikum – sie haben sich über die Zeit eine solide Fanbase erspielt und das neue Album „Vuur van verzet“ wurde von vielen ungeduldig erwartet. Dennoch zeigte sich bei dem Auftritt, dass viele der Fans die älteren Lieder besonders bejubelten, was für eine Band ein großes Kompliment ist. Wenn bei einem Konzert im Jahre 2018 die Leute Songs von 2008 mitsingen und abgehen wie böse, hat man alles richtig gemacht. Die musikalische Weiterentwicklung und die gesteigerte Bühnenerfahrung wurde bei der Performance deutlich – gerade wenn man den Vergleich zu Auftritten vor einigen Jahren hat, ist das wirklich schön zu sehen. Besonders hervorzuheben ist der Gesang bei HEIDEVOLK: Ob man sie auf Platte hört oder eben live, ganz egal, denn so sauber und on point singt kaum mal jemand. Wer Folk liebt, sollte sich unbedingt ein Konzert von HEIDEVOLK gönnen, sie sind tatsächlich eine der Must-See-Bands in dem Genre momentan. Und ganz ehrlich: eine Meute vor der Bühne, die zu „Vulgaris Magistralis“ oder „Saksenland“ die Stimme erhebt, sorgt für ganz besonderes Gänsehautfeeling.

 

ARKONA hatten gefühlt einen schwierigen Start. Die Band ist seit Jahren im Geschäft, seit Jahren bei diversen Festivals und in schöner Regelmäßigkeit bei Konzerten zu erwischen. Seit Jahren machen sie ihr Ding und sie machen es richtig geil – ARKONA sind nicht mehr wegzudenken. Schon bei „Yav“ (2014) und nun auch bei „Khram“ (2018) weichen die Folkelemente in den Hintergrund, die Orientierung neigt sich mehr zu Black Metal, und Masha’s Gesang verändert sich mit. Musikalisch nach wie vor genial, teilweise möchte man fast sagen noch besser geworden – aber von den Wurzeln der Band schon etwas entfernt. Das kann oder kann man nicht mögen, Fakt ist, dass die Stimmung im Publikum eher zurückhaltend war, bis sie „alte“ Lieder gespielt haben – dann war von der anfänglichen Bedecktheit nichts mehr zu merken und die Leute wirkten fast erleichtert, dass es ja doch wirklich ARKONA sind, die da spielen. Es mag dem restlichen Lineup des Abends geschuldet sein, aber die extra-folkige Seite von ARKONA hat dann doch wesentlich besser gepasst.

 

KORPIKLAANI – oh KORPIKLAANI. Wenn man eine Band und deren Auftritte mit einer Achterbahnfahrt vergleichen möchte, dann wären KORPIKLAANI der ideale Kandidat – von wirklich grandiosen, lustigen und schweißtreibenden Shows, bis zu Shows, bei denen sie vollkommen neben der Spur waren und spielten, ist alles dabei. Woran das liegt, darüber kann man spekulieren; Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Fakt ist, dass KORPIKLAANI ein Publikumsmagnet sind und ihre Lieder seit Jahren aus manch bierbenetzter Kehle mit Leidenschaft mitgegrölt werden. In der SIMM City haben KORPIKLAANI nach wenigen Minuten den schon gut vorgewärmten Saal in einen Hexenkessel verwandelt. Da war richtig Bewegung in der Masse – immer wieder schön dabei zu sein!

Im Gegensatz zum letzten Konzert von ihnen, das ich besucht hatte (in der Arena, das war wirklich keine Sternstunde der Band), waren sie super gut drauf und gaben ordentlich Gas – und haben tatsächlich auch gut gespielt. So mögen wir das, jederzeit wieder! Außerdem war der Sound bei allen Bands wirklich gut, das muss man auch mal lobend erwähnen. Die Zeit verging wie im Flug, es ist selten, dass ein gesamter Abend so durchgehend genial ist!


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