08.12.2017, OKH, Vöcklabruck

AnimalsMoshHarder IV - Thrash & Death Night

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 13.12.2017

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Die Adventzeit ist bekanntlich die stillste Zeit des Jahres. Angeblich zumindest, so sagt man. Für die Gattung der gemeinen Stormbringer-Schreiberlinge ist der Advent aber alles andere als das, vielmehr läuft man hier nur allzu gerne zur Höchstform auf. Da wird schon einmal der kirchliche Feiertag Maria Empfängnis, weil wir es ja nicht so mit dem Kirchengang haben, umgedichtet in Maria Verhängnis und passend dazu im OKH Vöcklabruck zu den Klängen deftiger Krawallbands auf den Putz gehauen. Nichts ist's, mit Friede, Freude, Eierkuchen und weihnachtlicher Harmonie, es grollt und keift an allen Enden und die Ausgeburten der Hölle schlurfen mit schepperndem Todesgeläut zwischen den Publikumsreihen herum. TUXEDOO läuten die „Perchtenzeit“ ein und die Schädelabschraub-Brigade mit THE MORPHEAN, AS GOD CREATED und DEATH RISING besorgt den Rest.

Einzig die ebenfalls angekündigten PAIN IS aus der Steiermark mussten krankheitsbedingt passen – ob des Anfahrtsweges, anhand des vorherrschenden Winterlichen Wetters und des ekligen Windes, eine nachvollziehbare Entscheidung. So startete das festliche Programm eben ein Stündchen später, was niemandem wehtat.
 

Am wenigsten DEATH RISING, die die Gunst der Stunde nützten und den Besuchern im „Pink Fluffy Unicorn“-Style (erwähnte der kleine Schreiberling schon, dass er in das großartig passende Zuckerwatte-Intro verliebt ist?) den ersten Arschtritt des Abends verpassten. Zwar ist der um's Eck beheimatete Fünfer inzwischen zu einem Vierer zusammengeschmolzen, doch das tat der Soundwand, die da die Gehörgänge des Publikums gehörig durchblies, keinen Abbruch. Fronter Dave entwickelte Stimmlich ungefähr die Zärtlichkeit eines Bolzenschussgeräts, während die Instrumentalfraktion analog dazu die brutalst möglichen Töne aus ihren Werkzeugen würgte. Das ist doch eine Festivität nach dem Geschmack der Metalheads – sich kräftig im Ohr festfressender Death/Thrash kommt ja auch um einiges besser, als schwachbrüstige Lobgesänge auf tote Jungfrauen. Starke Vorstellung, Burschen!
 

Bei den nächsten im Bunde, AS GOD CREATED, erinnern wir uns doch gerne noch einmal an ihren letzten Auftritt an gleicher Stelle, zu etwas früherer Jahreszeit – den Abriss den die fünf Herren aus Regau damals hinlegten konnten sie, trotz des Versprechens das OKH beim nächsten Mal gänzlich einzureißen, leider nicht mehr toppen. An der musikalischen Leistung lag das aber keineswegs – im Gegenteil, hier machte sich der einen kleinen Ticken leiser eingestellte Sound bezahlt, denn das Riffgewitter fräste sich mit beeindruckender Klarheit in die Ohren – sondern vielmehr an der niedrigeren Besucherzahl, verglichen mit besagtem Auftritt im April. Dafür brüllte sich die anwesende Meute zum garstigen Thrashcore aus dem Hause AS GOD CREATED so richtig die Seele aus dem Leib – da machte es auch nichts mehr, dass es an diesem Abend zu keinem echten Circlepit mehr reichte.
 

Nachdem ihre Vorgänger auf der Bühne das Publikum so sehr windelweich geprügelt hatten, mussten sich THE MORPHEAN hernach mit einem kleineren, aber umso standfesten Häufchen an Besuchern zufrieden geben – was die kräftigst abgehende Truppe aber nicht zu stören schien. Der Lieblingsbrüllwürfel des Berichterstatters keifte ins Mikro, dass es eine Freude war, während die Instrumentalisten dazu einen ausgewogen gemischten, mal satt todesmetallischen, dann wieder etwas progressiveren, teils angecoreten Klangteppich legten. Die Perfekte Musik, um gepflegt das Kleinhirn quer durch den Schädelinnenraum purzeln zu lassen, was Berichterstatter und Zuseher dann auch ausgiebigst taten. Der Druck den DEATH RISING und AS GOD CREATED aufs Trommelfell ausübten, setzte sich bei THE MORPHEAN nahtlos fort – starke Sache!
 

Pünktlich auf die Minute, fielen als krönender Abschluss die Tuxn-Buam von TUXEDOO im OKH ein und stampften die zahlreichen verbliebenen Besucher in Grund und Boden. Insgesamt drei Schlagwerke auf der Bühne sind für kleinere Hallen naturgemäß eher suboptimal – dass alleine der akustische Output selbiger einen Teil der musikalischen Darbietung auffraß war deswegen klar und schien auch niemanden, den Schreiberling eingeschlossen, zu stören. Die Vehemenz mit denen TUXEDOO ihre Kits bearbeiteten zeigte sich daran, dass mit Fortdauer des Konzertes sogar der Klemmhalter eines Drum-Mikrofons sein Leben auf Raten aushauchte – sehr zur Freude der Bühnentechniker. Egal, wo gehobelt wird da fallen Späne und wo der Alpencore von TUXEDOO hinschlägt, da wächst kein Gras mehr!

Passend zur „Perchtenzeit“ heute sogar mit höchst lebendigen höllischen Gesellen, die sich mit scheppernden Glocken unter die Besucher mischten und, mangels Anwesenheit von schreckhaften Personen, kurzerhand gemeinsam mit den Besuchern feierten. Wo sieht man schon einmal einen Percht zur brettharten Core-Version von SCOOTERs „How Much Is The Fish?“ tanzen? Eben! Zwar merkte man den Schreihälsen an, dass sie von einem hartnäckigen Virus gezeichnet waren, doch die wie immer energiegeladene Show konnte das locker kompensieren. Und hej, bei solchen Stripkünsten wie denen des bandeigenen „Baywatch“-Rettungsschwimmers, ist das doch wirklich nur noch Nebensache – oder, Mädels? Den lauten Jubel für die lässige Show von TUXEDOO gab es zu Recht und das Bierchen danach, an der Bar nebenan, hatte sich nach diesem schweißtreibenden Abend auch jeder redlich verdient!
 


 

Hervorheben darf man an dieser Stelle auch noch die exzellente Organisation und den entspannten Ablauf des Abends. Hier ergeht ein großes Kompliment, einerseits an die engagierten Veranstalter, als auch an die Bands selbst – wenn jeder Konzertabend so wunderbar harmonisch ablaufen würde, das wäre das Größte. Vielen Dank für ein großartiges Feiertagsprogramm!

Mehr Fotos (auch der Perchtenshow), gibt es bei Images Of Pain And Pleasure.


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